Sommerferien Fahrradurlaub: Die besten Tipps für Einsteiger

Große Reiselust und ein für Touren geeignetes Rad? Dann steht einem Aktivurlaub mit dem Fahrrad nichts im Weg. Gerade in unsicheren Zeiten wegen Corona eine gute Alternative für den Sommerurlaub. Die wichtigsten Tipps.

Taschen gepackt und los: Empfehlenswert für die erste Radreise ist eine Route in heimatlichen Gefilden auf gut erschlossenen und nicht zu steilen Routen bzw. Fernradwanderwegen. Foto: Shutterstock/Rosliak Nataliia 4 Bilder
Taschen gepackt und los: Empfehlenswert für die erste Radreise ist eine Route in heimatlichen Gefilden auf gut erschlossenen und nicht zu steilen Routen bzw. Fernradwanderwegen. Foto: Shutterstock/Rosliak Nataliia
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Tipp 1: Route auswählen

Wer sich erstmals mit dem Thema Radreisen beschäftigt, wird überrascht sein, wie viele Möglichkeiten es gibt. Genau genommen steht einem die ganze Welt offen, denn überall finden sich tolle Radwanderwege. Zwar gelten in Corona-Zeiten noch Beschränkungen, doch wer vorab plant, kann schneller losstarten. Daher sollten vorab entscheidende Fragen geklärt werden: Wohin soll es gehen? Bergig oder flach? Städte oder Wildnis? Individualreise oder Pauschalangebot eines Radreiseanbieters? Allein oder in der Gruppe? Jede Option hat Vor- und Nachteile, doch generell gilt: Bei der Fahrradurlaubs-Premiere sollte das Ziel nicht zu hoch gesetzt werden, um sich oder etwaige Mitradler nicht zu überfordern. Mit Mitradlern sind übrigens nicht Kinder gemeint. Für Radurlaube bzw. -touren mit dem Nachwuchs gelten gesonderte Regeln, die hier nicht berücksichtigt werden.

Empfehlenswert für den Anfang ist eine Route in heimatlichen Gefilden auf gut erschlossenen und nicht zu steilen Routen bzw. Fernradwanderwegen. Die Auswahl ist groß. So wären zum Beispiel der Altmühltal-, Donau- oder Elbe-Ostsee-Radweg bzw. Abschnitte davon eine schöne Option. Hier eine Auswahl der schönsten Radwanderwege in Deutschland.

Lesen Sie dazu auch aus unserem Angebot: Radeln auf dem Altmühltalweg.

Am besten vorab die Streckenprofile der favorisierten Route in einschlägigen Büchern, Karten oder Apps überprüfen. Viele Infos und eine große Auswahl an Radwanderwegen finden sich beispielsweise auf der Website von Komoot, Outdooractive oder Eurovelo. Reizvoll sind auch die sogenannten Grenztouren von der Ostsee bis zur tschechischen Grenze, die verschiedene ADAC Regionalclubs anbieten.

Tipp 2: Fahrrad-App besorgen

Für Radtouren gibt es mittlerweile zahlreiche Apps. Bei den meisten handelt es sich um Navigationshilfen. Diese sollten sich aktueller Karten bedienen, ohne Internetverbindung nutzbar sein und eine tolle Routenplanung liefern. Am besten ist, wenn man sich das gewünschte Kartenmaterial der Region, in der die Tour stattfinden soll, auf den Speicher des Smartphones herunterladen und dieses bei Bedarf abrufen kann. Neben der Angabe der Steigungen und der zu überwindenden Höhenmeter verfügen viele Navis über eine 3-D-Ansicht, was bei der Einschätzung einer Strecke sehr hilfreich ist. Google Maps ist – trotz aller Vorteile – für eine Radtour weniger geeignet, da das Tracking zu ungenau ist und den Radler oft über Autostraßen führt. Sehr beliebt bei Radurlaubern sind etwa die Apps von Komoot oder Outdooractive (siehe Tipp 1).

Tipp 3: Zeitbudget und Kilometer pro Tag planen

Zur Vorbereitung auf den Radurlaub empfiehlt es sich, über ein paar Wochen hinweg mindestens dreimal wöchentlich für 20 bis 60 Minuten am Stück Rad zu fahren. Wer am Anfang noch aus der Puste kommt, wird bald feststellen, dass sich die Fitness steigert. Wie viele Kilometer jeweils gut zu schaffen sind, hängt von der Strecke, dem Wetter, der eigenen Fitness, dem Körpergewicht und auch vom Fahrrad und dem Gepäck ab. Völlig Untrainierte sind möglicherweise schon mit 20 bis 30 Kilometer am Tag bedient, mit 50 Kilometer sind Normalsportliche gut dabei. Ist das Gelände durchgehend flach, können es auch mal 70 oder sogar 100 Kilometer pro Tag sein – nicht zu reden von der Strecke, die sich mit einem E-Bike zurücklegen lässt. Doch auch mit einem konventionellen Fahrrad sind 15 Kilometer pro Stunde auf ebenem Terrain normalerweise gut zu schaffen.

Für die Premierentour kann man sich vornehmen, vormittags und nachmittags jeweils zwei Stunden zu radeln und neben kleineren Pausen eine größere einzulegen. Diese lässt sich wunderbar für Besichtigungen, eine Einkehr oder auch ein Nickerchen auf einer Wiese nutzen, aber auch dazu, den Körper zu strecken und zu dehnen. Grundsätzlich sollten bei der Planung einer Tagesetappe immer auch die Gesamtstrecke und die Etappen der folgenden Tage im Auge behalten werden. Nicht nur für Einsteiger empfiehlt es sich, von vornherein mindestens einen Ruhetag einzuplanen.

Tipp 4: Check-up fürs Fahrrad

Vor dem Start sollte das Fahrrad auf jeden Fall technisch überprüft werden. Die wichtigsten Komponenten für die Verkehrssicherheit des Rades sind: Bremsen, Schaltung, Beleuchtung und Kette. Insbesondere die Kette wird bei einer längeren Tour arg strapaziert und sollte regelmäßig gereinigt und geölt werden.

Tipp 5: Wichtiges Zubehör fürs Bike

Zwar gibt es in nahezu jeder Kleinstadt ein Fahrradgeschäft, in dem man bei einer Tour im Fall einer Panne um Hilfe bitten kann. Doch besser ist es, selbst in der Lage zu sein, einen Reifen zu flicken oder einen Schlauch zu wechseln. Daher sollten folgende Utensilien mit ins Gepäck:

  • Flickzeug, Fahrradschlauch, Luftpumpe
  • Kleines Fahrradwerkzeug (Multitool o. ä.), Schraubenzieher,
  • Imbusschlüssel
  • Kettenöl und Extrakette (bei sehr langen Touren)
  • Navi (Karten, Fahrrad-Navi, Navi-App auf Smartphone) plus Halterung
  • Fahrradschloss
  • Licht, Klingel
  • Halterung für Trinkflasche

Tipp 6: Das gehört in die Packtaschen

Sofern man keinen Radurlaub mit Gepäckbeförderung plant, muss alles selbst transportiert werden. Dies führt zu mehr Gewicht und in Folge davon unter Umständen zu weniger Fahrgenuss. Das A und O bei einem Radurlaub ist demnach: Gewicht sparen. Dies bedeutet, genau zu überlegen, was verzichtbar bzw. unverzichtbar ist. Nicht zu empfehlen ist bei einer mehrtägigen Tour ein Rucksack, da dieser auf Dauer die Rückenmuskulatur belasten und schmerzhafte Verspannungen verursachen kann. Am besten besorgt man sich im Fachhandel wasserdichte Fahrradtaschen mit wenig Eigengewicht. Beim Packen ist es sinnvoll, Regenkleidung zuoberst zu legen, falls das Wetter spontan umschlägt. Das sollte man dabeihaben:

  • Funktionskleidung, sie trocknet schnell und hält den (Fahrt-)Wind ab
  • Wechselwäsche, Schlaf- und Badebekleidung
  • Bequeme Sportschuhe, evtl. Badeschuhe
  • Regenkleidung mit Fahrradüberschuhen (Gamaschen) und Regenhose
  • Medikamente, Notfallset, Sonnencreme
  • Taschenlampe oder Stirnlampe
  • Geld, Ausweis, Versicherungskarte, evtl. Bahnticket, Hotel-Voucher

Tipp 7: Anreise zum Start des Fahrradurlaubs

Beginnt das Fahrradabenteuer nicht direkt vor der Haustür, muss überlegt werden, wie man zum Startpunkt der Tour gelangt. Am nachhaltigsten geschieht dies per Bahn. Im ICE können Räder jedoch nur eingeschränkt mitgenommen werden. In Intercity- und Eurocity-Zügen ist dies problemlos möglich, sofern man eine Fahrradkarte sowie eine Stellplatzreservierung fürs Rad hat.  

Weitere Infos zum Fahrradtransport bei der Deutschen Bahn.

Wer mit dem Auto anreisen möchte, erfährt hier, wie das Fahrrad sicher transportiert werden kann.

Tipp 8: Übernachtungen planen

Wer individuell unterwegs ist und kein Pauschalangebot mit Gepäcktransport und Unterkünften gebucht hat, sollte sich vorab um passende Schlafgelegenheiten kümmern. Entlang der viel befahrenen Fernradwanderwege gibt es zahllose Pensionen und Gasthäuser, die sich speziell auf Radler eingestellt haben. Das Serviceangebot umfasst meist Unterstellmöglichkeiten, Radwerkzeug und Reparaturservice, Trockenraum für nasse Kleidung, Lademöglichkeiten für Pedelecs etc.

Unterkünfte für den Radurlaub finden sich etwa bei Bett + Bike.

Campen geht freilich auch. Allerdings fällt dann mehr Gepäck an.

Tipp 9: Genug trinken

Häufig unterschätzen Radurlauber den Flüssigkeitsbedarf ihres Körpers. Zu wenig Wasser bei einer längeren Strecke kann zu Konzentrationsproblemen und Muskelkrämpfen führen. Am besten trinkt man spätestens alle 30 Minuten ein paar Schlucke, auch wenn man noch kein Durstgefühl hat. Zwischendurch hin und wieder ein isotonisches Sportgetränk oder eine Fruchtschorle versorgen den Körper schnell mit Energie.

Tipp 10: Spontaneität genießen

Bei aller Planung und Vorbereitung: es hilft jeden Tag bereit für spontane Entscheidungen zu bleiben. Nicht nur das Wetter kann unerwartet einen Strich durch die Rechnung machen. Es gibt Tage, an denen sind die Beine schwer oder es fehlt die Lust, die angesetzte Etappe bis zum Ende durchzuradeln. Ruhig öfter eine ungeplante Einkehr machen, die Füße hochlegen und die Seele baumeln lassen. Dann wird der erste Fahrradurlaub sicher nicht der letzte sein.

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