Das Team aus Münster kabbelt sich weiter, in Stuttgart leben Radfahrer gefährlich: Wir blicken voraus auf das „Tatort“- und „Polizeiruf“-Jahr 2022.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - Jeden Sonntagabend wird auch im kommenden Jahr wieder gemeckert werden, auf allen Kanälen der vernetzten Welt: wie schlecht die aktuelle Folge vom „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ mal wieder sei. Irgendetwas aber müssen die Sonntagskrimis auch richtig machen, sonst wären sie keine verlässlichen Quotenbringer, keine Vorzeigeerfolge des öffentlich-rechtlichen und überhaupt des linearen Fernsehens.

Ein Reizthema im Kessel

Vermutlich haben wir es hier mit dem Phänomen der schweigenden Mehrheit zu tun: Jedes Team und jeder Fall findet seine Fans, aber zu Wort melden sich vor allem diejenigen, die sich ärgern. Manchmal aber geht es nicht bloß um Einschaltquoten. Manchmal setzt der Sonntagskrimi auch Themen. Im Stuttgarter Rathaus sollte man sich schon einmal darauf einstellen.

Zwar eröffnet das Stuttgarter Team gleich am 1. Januar das „Tatort“-Jahr, der Auftaktfall „Videobeweis“ aber könnte noch harmlos sein. Beim zweiten Einsatz von Lannert und Bootz, der noch keinen Ausstrahlungstermin hat, geht es jedoch um einen Unfall mit Fahrerflucht, dem ein Radfahrer zum Opfer fällt. Da könnte die Diskussion über die Sicherheit der Radler und die Verkehrsplanung im Kessel schnell wieder aufkochen.

Bekommt Münster ein Problem?

Das Stuttgarter Team ist bundesweit ziemlich beliebt. Aber auch Lannert und Bootz (Richy Müller und Felix Klare) liegen klar hinter den dauerhaften Top-Favoriten, den unzertrennlich Dauerzerstrittenen Thiel und Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers). Der Polizist und der Rechtsmediziner bekommen 2022 drei Einsätze und können zwanzig Jahre TV-Dienst feiern. Man darf gespannt sein, ob sich Jan Josef Liefers’ Engagement für die peinliche #allesdichtmachen-Aktion langfristig doch noch auf seine Popularität auswirken wird oder ob die Zuschauer den angeberisch cleveren Boerne wirklich nicht für Liefers’ unkluge Stunden haftbar machen.

2022 steht beim „Tatort“ insgesamt die Folge 1200, beim „Polizeiruf 110“ die Folge 400 an. Im Fortgang der Geschäfte in Dortmund, München, Köln und anderswo versteckt sich mehr als ein Dienstjubiläen, es gibt aber auch Abschiede und Neuanfänge. Charly Hübner hört nach 25 Filmen beim „Polizeiruf“ aus Rostock auf, in seinem letzten Fall am 9. Januar übernimmt auch Bela B. von den Ärzten eine Rolle. Hübners Nachfolgerin spielt Lina Beckmann, die im echten Leben mit ihm verheiratet ist.

Keine strenge Frauenquote

In Berlin nimmt Meret Becker nach 15 Einsätzen ihren Abschied als Nina Rubin. Bevor Corinna Harfouch im Frühjahr 2023 an ihre Stelle tritt, soll Mark Waschke als Rubin-Partner Robert Karow 2022 erst noch eine Solo-Ermittlung absolvieren. Deutlich ungewöhnlicher in quotensensiblen Zeiten ist dagegen die Entwicklung im deutsch-polnischen Kommissariat Swiecko. Nach dem Ausstieg von Maria Simon ersetzt hier ein Mann eine Frau. André Kaczmarczyk tritt an die Seite von Lucas Gregorowicz – vielleicht der Ausgleich zu Rostock, wo jetzt zwei Frauen ganz vorne stehen.

Am längsten im Dienst, 33 Jahre, ist Ulrike Folkerts als Lena Odenthal in Ludwigshafen. Mit ihrer aktuellen Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) wird sie 2022 zweimal auf den Schirm kommen. Drei seltener zu sehende Cops kehren ebenfalls zurück. Ulrich Tukur wird als LKA-Ermittler Murot wieder all jene schocken, die das allzu Skurrile nicht wirklich lieben. Heike Makatsch schlüpft zum vierten Mal in die Rolle von Ellen Berlinger. Und der NDR würde gerne wieder Til Schweiger als Nick Tschiller an den Start bringen, hat aber noch kein spruchreifes Projekt. Eine Rückkehr von Tschiller könnte dann gut und gerne den Jahreshöhepunkt der sonntäglichen Twitter-, Facebook- und Instagram-Polemiken bringen.

In unserer Bildergalerie finden Sie noch einmal sämtliche Standorte nebst den bereits bekannten Plänen im Überblick.

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