Sozialarbeit in Stuttgart Ein sicherer Schul-Anker in unsicheren Zeiten

Gemeinsames Hausaufgaben machen im Haus 49 noch vor der Pandemie Foto: Caritasverband Stuttgart e.V.
Gemeinsames Hausaufgaben machen im Haus 49 noch vor der Pandemie Foto: Caritasverband Stuttgart e.V.

Wie soll ein Schüler am Online-Unterricht teilnehmen, wenn es zu Hause nicht einmal W-Lan gibt? Der monatelange Ausfall des Präsenzunterrichts trifft diejenigen am härtesten, die sowieso schon benachteiligt sind. Ihnen bietet die Schülerhilfe der Caritas Unterstützung an.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Wir sind da“ – Das ist das Motto der mobilen Jugendarbeit der Caritas. „In Zeiten, in denen die Straßen menschenleer sind, ist das ein starkes Zeichen“, findet deren Leiterin Jutta Jung. Gemeinsam mit Fachkräften und Ehrenamtlichen bietet sie im Haus 49 Hilfe für benachteiligte Schüler an. Die Einrichtung im Stuttgarter Norden ist seit Jahren in der mobilen Jugendarbeit in der Stadt fest etabliert. Seit der Pandemie sei dessen Bedeutung jedoch enorm gestiegen. Andrea Krombacher ist Sozialarbeiterin im Haus 49 und weiß wie wichtig die Sozialarbeit für die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil ist. „Seit Corona ist die Zahl derer die Zu uns kommen, enorm gestiegen“, sagt sie. „Besonders sorge ich mich um diejenigen, die es ohnehin schon schwerer haben“, so Krombacher.

Sie seien von den Schulschließungen besonders betroffen, weil das Konstrukt Schule, welches ihnen sonst Halt gebe, plötzlich so gut wie komplett wegfalle „Wenn die Familie dann keine Unterstützung bieten kann, sind die Sozialarbeiter meist die einzigen, die noch für Betroffene da sind, so Krombacher. „Sie finden im Haus 49 einen sicheren Hafen“, sagt sie.

Die Schülerhilfe sei dabei nur eines von vielen Angeboten und gehe weit über gewöhnliche Nachhilfe hinaus. „Die Kinder und Jugendlichen kriegen hier nicht nur Hilfe bei schulischen Themen, sondern ganzheitliche Unterstützung und persönliche Zuwendung“, berichtet die Sozialarbeiterin Andrea Krombacher.

Große Sorgen

Die Angebote im Haus 49 zählen zur Jugendsozialarbeit in der Landeshautstadt und dürfen daher unter den geltenden Hygieneauflagen in Präsenz stattfinden. „Das nutzen wir“, so Krombacher. „Für benachteilige Kinder und Jugendliche ist es immens wichtig persönliche Ansprechpartner vor Ort zu haben. Das finden sie hier bei uns“, sagt sie. „Wer hier herkommt, bringt meist viele Sorgen mit“.

Die Corona-Pandemie verschärft die Probleme

Die Sozialarbeiterin Marina Friese kennt die Probleme derer, die zur Schülerhilfe kommen, besonders gut. „Viele Schüler zeigen depressive Verstimmungen. Die Sicherheit, die ihnen die Schule bietet, ist weggefallen und deswegen sind sie jetzt orientierung- und antriebslos“. Die Lerndefizite durch den ausfallenden Unterricht seien nur ein zusätzliches Problem zu denen, die es ohnehin schon gebe, wie beispielsweise vielfältige familiäre Probleme oder Fluchterfahrungen, so Marina Friese.

Damit die Mitarbeiter im Haus 49 die Mehrarbeit, die es seit der Pandemie gibt, stemmen können, seien sie auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Eine der Helferinnen ist Natalia Förster. Sie ist begeistert davon, wie konzentriert die Schüler sind, wenn man individuell auf sie eingehe. „Sie lernen dann in einer Stunde Nachhilfe wahrscheinlich mehr als in einem Monat Homeoffice“, sagt sie.

Die Leiterin der mobilen Jugendarbeit der Caritas, Jutta Jung, ist dankbar für die ehrenamtliche Hilfe. Unterstützung wünscht sie sich auch von der Politik. „Die Verantwortung für die Umsetzung der Sozialarbeit sollte mehr bei uns liegen“, fordert sie. Zudem würde sie sich auch mehr Testmöglichkeiten in der Sozialarbeit wünschen, denn diese sei momentan wichtiger denn je. „Wir wollen weiterhin da sein und denen, die zu uns kommen, Mut machen“, betont Jutta Jung. Das Ziel sei es, so viele Schüler aufzufangen, wie es möglich ist.




Unsere Empfehlung für Sie