Die Evangelische Gesellschaft bietet Mädchen und jungen Frauen, die vor ihren Familien flüchten müssen, einen Zufluchtsort.

Lokales: Sybille Neth (sne)

Stuttgart - 53 Nuna ist ein Deckname. Alle jungen Frauen, die im Wohnprojekt Rosa und in der angegliederten Notaufnahme Nadia Schutz finden, haben eine neue Identität angenommen. Daher kann „Hilfe für den Nachbarn“ im Rahmen seiner Weihnachtsaktion nie über ein solches Schicksal berichten. Es wäre trotz der Anonymisierung zu gefährlich für die betroffene Frau.

„Die Familien wollen die Mädchen aufspüren“, weiß Aisha Kartal, die bei Rosa arbeitet und viele Geschichten erzählen kann von Gewalt, drohender Zwangsverheiratung oder gar befürchtetem Ehrenmord und abenteuerlichen Fluchtgeschichten. Die Frauen haben alle einen Migrationshintergrund, auch wenn viele von ihnen einen deutschen Pass haben. „Ausschlaggebend ist es, wie sie aufgewachsen sind in der Familie“, sagt die Rosa-Mitarbeiterin. Das Schicksal von Nuna ist stellvertretend für das, was die Mädchen und Frauen in ihren Familien erlebt haben: Aufgewachsen mit Schlägen, Demütigungen, Fremdbestimmung.

Bewohnerinnen aus dem ganzen Bundesgebiet

„Die langjährige Gewalt in der Familie ist nie allein der Grund für die Flucht“, erklärt Aisha Kartal. Die Bewohnerinnen bei Rosa, einem Projekt der Evangelischen Gesellschaft, kommen aus dem ganzen Bundesgebiet und leben oft mehrere Jahre lang hier. Auch bei Nadia melden sich Mädchen und junge Frauen aus ganz Deutschland. Die Flucht in eine andere Stadt ist für sie die einzige Möglichkeit, dem Familienclan zu entkommen.

Neues für die Kleiderkammer

„Oft leben sie längere Zeit auf der Straße, bevor die Behörden etwas für sie finden“, sagt Aisha Kartal. Wenn sie dann – auf welche Weise auch immer – den Weg zu den beiden Stuttgarter Zufluchtsstätten gefunden haben, besitzen sie meistens nichts weiter als die Kleidung, die sie am Leib tragen und eventuell noch ein Handy. Das dürfen sie hier jedoch nicht mehr benützen, weil sich damit der Aufenthaltsort der Besitzerin orten lässt.

In der Notaufnahme Nadia, die im vergangenen Jahr gegründet wurde, gibt es für die Notfälle eine Kleiderkammer. „Was uns fehlt, ist Unterwäsche, sind Schlafanzüge, aber auch Reisetaschen“, sagt Aisha Kartal. Dazu braucht die Einrichtung Spenden. Allein 2020 gab es hier 30 Notaufnahmen. Drei Monate lang bietet Nadia danach Schutz.

Allerhöchste Vorsicht ist geboten

Wer bei Rosa oder Nadia unterkommt, muss absolutes Stillschweigen über die Adresse wahren. In der Öffentlichkeit und in der Schule wird ein Deckname verwendet. Viele wollen einen neuen Pass, weil dies für sie wie ein Akt der Befreiung ist. Wer zwei Namen hat, bekommt in der Schule zwei Zeugnisse, eines mit dem Decknamen und eines mit dem echten, dem Klarnamen. Die meisten Bewohnerinnen gehen hier weiter zur Schule, studieren oder machen eine Ausbildung.

Besonders knifflig ist die Wahrung der Anonymität, wenn die Bewohnerinnen in den sozialen Netzwerken unterwegs sind. „Da ist allerhöchste Vorsicht geboten. Wir treffen Sicherheitsvorkehrungen. Was beispielsweise die Mädchen über sich erzählen können und was nicht“, berichtet Aisha Kartal. Weihnachten wird zusammen in den Wohngruppen gefeiert, und immer an Neujahr gehen alle gemeinsam in ein Restaurant zum Essen. „Die Mädchen kennen das gar nicht. Wir machen das auch, damit sie lernen, wie sie sich in dieser Situation richtig benehmen“, erklärt sie die Bedeutung der gemeinsamen Unternehmung. Die Anschaffungen für die Kleiderkammer und das Neujahrsessen können nur über Spenden finanziert werden.

Vier Kinder teilen sich zwei Betten

Stuttgart - 54 Die vier kleinen Kinder von Frau B. müssen sich zwei Betten teilen. Dringend benötigen sie ein weiteres Hochbett. Außerdem haben alle vier nur ein Regal für alle ihre Anziehsachen. Das bedeutet tägliches Chaos beim Anziehen am Morgen, denn alles purzelt durcheinander. Die Kinder benötigen deshalb einen großen Kleiderschrank, in dem jedes seine eigenen Fächer hat.

Frau B. lebt von Leistungen des Jobcenters. Der Vater der Kinder lebt mit einer neuen Partnerin in einem anderen Bundesland. Er bezahlt keinen Unterhalt. Frau B. hat viele Schulden aus der Zeit ihrer Ehe. Sie hatte mit ihrem Ex-Mann gemeinsame Konten, auch auf ihr Geld hatte er Zugriff. Sie stottert die Schulden ab. Aber für die Anschaffung der notwendigen Möbel für das Kinderzimmer hat sie kein Geld. „Hilfe für den Nachbarn“ möchte die Familie dabei unterstützen.

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