Spieleverlag expandiert Ravensburger will bis zu 20 Spielwarenläden eröffnen

Von Daniel Gräfe 

Bei Ravensburger laufen die Geschäfte gut. Der Spielwarenverlag stellt sich internationaler auf. Das betrifft neben der Produktion auch den Handel.

Ravensburger-Zentrale im oberschwäbischen Ravensburg: Der Spieleverlag will weiter expandieren. Foto: Ravensburger AG
Ravensburger-Zentrale im oberschwäbischen Ravensburg: Der Spieleverlag will weiter expandieren. Foto: Ravensburger AG

Stuttgart - Der Ravensburger Spieleverlag will in den kommenden Jahren bis zu 20 neue Läden eröffnen. Das kündigte Finanzchef Hanspeter Mürle im Gespräch mit unserer Zeitung an. „Wir wollen die Marke für die Konsumenten erlebbar machen“, so Mürle. Die Geschäfte sollen vor allem in den Nachbarländern zu Deutschland eröffnet werden und sind Teil der Strategie, das Unternehmen internationaler auszurichten. Neben Outlet-Zentren sondiere Ravensburger auch Standorte in Einkaufszentren in jenen Städten, in denen es keinen Spielwarenhandel mehr gebe. Man wolle die Läden als Mischung aus Shop und Spielebereich konzipieren. Eine Neueröffnung soll es nach Wunsch von Ravensburger auch im Outlet-Center Metzingen geben. Derzeit würden dazu Gespräche laufen.

Die Ravensburger AG hat seit dem vergangenen Jahr die Zahl der Läden von sechs auf zehn gesteigert, neun davon in Outlet-Zentren, dazu ein Shop am Stuttgarter Flughafen. „Wir wissen von den Betreibern der Outlet-Zentren, dass wir für die Kunden wie ein Magnet wirken“, betonte Mürle.

Die Unternehmensgruppe, zu denen auch das Buchgeschäft zählt, hat 2018 den Umsatz im Vorjahresvergleich um 4,3 Prozent auf 492 Millionen Euro gesteigert, die Umsatzrendite stieg nach Steuern um 6,4 Prozent auf 31,5 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl von 2150 blieb weitgehend konstant. Das teilte das Unternehmen auf seiner Bilanzpressekonferenz mit. In Deutschland, wo Ravensburger mittlerweile die Nummer 3 im Spielwarenmarkt ist, liefen die Geschäfte nach den USA am besten.

Ravensburger baut das Unternehmen um

Derzeit baut Ravensburger das Unternehmen um. Der Vertrieb wird produkt- und markenübergreifend ausgerichtet, Doppelstrukturen werden abgeschafft. Die Zahl der Stellen soll nicht reduziert werden, Personaleinsparungen gebe es nicht, hieß es. Produkte wie der Bestseller Gravitrax – eine Kugelbahn – sollen stärker international vermarktet werden. Außerdem möchte Ravensburger vermehrt selbst produzieren, so in den Werken in Ravensburg und Tschechien. „Wir wollen immer selbst produzieren, wenn wir es können – wegen der Qualität und der Wertschöpfung“, sagte Ravensburger-Chef Clemens Maier. Das betreffe vor allem Brettspiele und traditionelle Puzzles, aber auch komplexe Spritzgussteile für 3D-Puzzle. Bisher wurden in China neben Elektronikbauteilen und Kreativitätsspielen auch 3D-Puzzle hergestellt. „Wir holen einen Teil der Produktion aus China zurück“, so Maier.

Unterdessen bereitet sich Ravensburger auf Zölle auf Spielwaren aus China vor, die US-Präsident Donald angekündigt, aber noch nicht verabschiedet hat. In China werden viele Spielwaren für die Ravensburger-Unternehmen Wonder Forge und Thinkfun in den USA sowie für Brio in Schweden produziert. Ravensburger will deshalb Produkte verstärkt in Osteuropa fertigen und von dort in die USA liefern lassen. Auch sollen Handelspartner und Lieferanten Zugeständnisse machen. „Wir haben eine Strategie gegen die Zölle, an der wir intensiv arbeiten“, sagte Maier. „Kommen die Zölle, wird uns das dennoch Geld kosten.“

Die Spieletrends überraschen selbst den Ravensburger-Chef

Die Entwicklung der Spieletrends hat auch den Ravensburger-Chef überrascht: Angesagt seien neben klassischen Brettspielen auch komplexe Strategiespiele für junge Erwachsene: „Dass hier ein neuer Markt entsteht, hat uns alle überrascht“, sagte Maier. Eine weitere Entwicklung seien Spiele, die schneller und von weniger Leuten gemeistert werden können, so Maier. Durch den Einfluss der sozialen Medien würden sich neue Themen weltweit rasant verbreiten.