Sportevent in der Provinz Böhmenkirch brennt für das Kugelstoßen

Von Sabine Riker 

Der Marktplatz der Gemeinde auf der Schwäbischen Alb wird zur Wettkampfarena für die Lokalmatadorin Lena Urbaniak und weitere 18 Topathleten. Weit mehr als 1000 Zuschauer feuern die Sportler an.

Beim Kugelstoß-Meeting auf dem Marktplatz ist ganz Böhmenkirch auf den Beinen. Foto: Michael Steinert
Beim Kugelstoß-Meeting auf dem Marktplatz ist ganz Böhmenkirch auf den Beinen. Foto: Michael Steinert

Böhmenkirch - Für das Kugelstoßen interessieren sich Martina und Martin Kraml überhaupt nicht. Für Lena Urbaniak schon. „Da isch mr a bissle Fan“, sagt Martin Kraml und konstatiert mit lokalpatriotischem Stolz: „Mir send Böhmakircher, ond wenn mr Zeit hod, isch mr do.“ So einfach ist das auf der Schwäbischen Alb.

Und offenbar auch so gut, denn die sportlichen Asse, die zu diesem zweiten Kugelstoß-Meeting in Böhmenkirch angereist sind, saugen die Atmosphäre zwischen Wettkampf und Festplatz in der guten Stube des Ortes regelrecht auf. Dabei sind die Athletinnen und Athleten in großen Wettkampfarenen zu Hause und entsprechend anderes gewohnt.

Perfekt ist auch das Wetter. Nachdem es tagelang wie aus Kübeln geschüttet hatte und die Helfer beim Aufbau der Arena regelmäßig pitschnass geworden waren, strahlt an diesem Tag die Sonne vom Himmel, als habe sie noch nie ein Wölkchen getrübt. Wegen dieser tollen Stimmung habe sich ein junger Athlet aus der Schweiz selbst übertroffen, erzählt der Alt-Bürgermeister von Böhmenkirch, Jürgen Lenz, der selbst völlig aus dem Häuschen ist. Der frühere Reck-Weltmeister Eberhard Gienger sei gerade mit seinem Fallschirm auf der Kugelstoßanlage gelandet – punktgenau, sagt Lenz noch, bevor er wieder zur Tat schreitet. Der Alt-Bürgermeister gehört zu den vielen Helfern, die schon seit Tagen unermüdlich anpacken, damit dieses Event des Turnvereins Treffelhausen und der Turngemeinde Böhmenkirch gelingt.

Hochkarätiges Teilnehmerfeld

Mittendrin ist auch Kerstin Urbaniak, die Mutter der Lokalmatadorin Lena Urbaniak. Sie überstrahlt die Veranstaltung mit einer freundlichen Gelassenheit. Auch wenn sie mit ihrer Tochter fiebert, empfängt sie vor dem Wettkampf der Frauen jede Athletin mit einem high five an der Kugelstoßanlage, die umringt ist von laut applaudierenden und johlenden Schlachtenbummlern. Weit mehr als 1000 sollen es sein, schätzen die Organisatoren. Für Lena sei mit dieser Veranstaltung ein Wunsch in Erfüllung gegangen, erzählt die Mutter. Als die Idee vor zwei Jahren aufgekommen sei, hätten alle an einem Strang gezogen und das scheinbar Unmögliche möglich gemacht.

Dass die Rechnung aufgegangen ist, beweist das hochkarätige Teilnehmerfeld. So reichen sich in Böhmenkirch Olympiateilnehmer, Welt- und Europameister wie auch Deutsche Meister die Kugel. Mit dabei ist auch Niko Kappel, der Paralympicssieger von Rio. Auch international hat die Veranstaltung mit dem Rang eines nationalen Meetings Interesse geweckt. So sind diesmal Lijiao Gong aus China und Brittany Crew aus Kanada angereist.

OB Dehmer schlägt sich wacker

Doch bevor sich die Top-Athleten messen, sind die Nachwuchstalente an der Reihe. Auf dem Siegertreppchen bei den Kugelstoßerinnen unter 20 Jahren steht Julia Ritter vom TV Wattenscheid. An der Seite der frisch gekürte U-20-Europameisterin ist ihr Vater Reiner Ritter. „Man muss jemanden haben, der einen jeden Tag in den Popo tritt“, sagt er, und dieser jemand sei er. 16,07 Meter hat Julia Ritter gestoßen – da fallen die Prominenten weit ab. Immerhin sichert sich der Geislinger Oberbürgermeister Frank Dehmer beim Promi-Kugelstoßen mit respektablen 9,71 Metern den ersten Platz. Sein Böhmenkircher Kollege, Matthias Nägele, landet auf Platz drei. Offenbar hätten Bürgermeister ein Händchen fürs Kugelstoßen, scherzt Holger Scheible, der Vorsitzende der Turngemeinschaft Geislingen, der den Wettbewerb moderiert.

Lijiao Gong in Topform




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