Sporthallen in Stuttgart Sanierungen verschärfen die Raumsituation weiter

Von Jürgen Löhle 

Fünf Sportstätten sind in Stuttgart aktuell geschlossen, mindestens acht kommen im Jahr 2018 noch dazu. Die Stadt will die meisten Arbeiten in den Ferien stemmen.

Viel zu tun. Zu Beginn des neuen Schuljahres soll die Sporthalle in Weilimdorf  wieder zur Verfügung stehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Viel zu tun. Zu Beginn des neuen Schuljahres soll die Sporthalle in Weilimdorf wieder zur Verfügung stehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Sportflächen unter Dach sind in Stuttgart ein rares Gut. Für die etwa 78 000 Schüler und 179 000 Vereinsmitglieder in der Stadt gibt es gerade mal 35 große Sporthallen, die mindestens 44 Meter lang und 22 Meter breit sind und somit ein komplettes Handballfeld aufnehmen können. Dazu kommen noch einmal 167 Indoor-Sportstätten, von der kleinen Gymnastikhalle mit 18 x 10 Metern Fläche bis zur sogenannten Großturnhalle mit 33 x 18 Metern.

In Stuttgart gibt es 202 überdachte Sportstätten

Insgesamt gibt es 202 überdachte Sportstätten, 173 davon sind im städtischen Besitz, 29 werden von Vereinen betrieben. Klingt nach viel, reicht aber selbst dann kaum aus, wenn alle geöffnet haben. „Die Sporthallen sind alle voll, der Auslastungsgrad nicht zu toppen“, sagt dazu Horst Jesinger, der zuständige Abteilungsleiter im Sportamt. Sportamtschef Günther Kuhnigk ergänzt: „Man versucht allen gerecht zu werden, aber das gelingt nicht.“ Das liegt auch daran, dass etliche der Hallen aus den 1970er Jahren stammen und saniert werden müssen. Aktuell sind fünf Hallen wegen Sanierung geschlossen, darunter mit den Hallen in Weilimdorf und der Tiefenbachschule zwei große Sporthallen. Auch die zwei Lehrschwimmbecken in der Schiller- und der Ernst-Abbe-Schule sind dicht. Alle Projekte sollen bis zum Beginn des neuen Schuljahres fertig sein. Philipp Forstner, der stellvertretende Amtsleiter des Schulverwaltungsamts, weist aber darauf hin, „dass sich solche Zeiten nicht in jedem Fall garantieren lassen.“

Dazu kommen noch einmal acht Projekte in diesem Jahr, dabei wird unter anderem auch die Sporthalle West wegen Bodensanierung geschlossen. Teilweise laufen die Ausschreibungen noch, trotzdem rechnet man bei der Stadt damit, die Arbeiten „hauptsächlich während der Sommerferien“ umzusetzen, wobei hauptsächlich auch bedeuten kann, dass man mit Schuljahresbeginn im September nicht unbedingt fertig wird.

Eine Garantie für die Sanierungstermine gibt es nicht

Zudem gibt es weitere 30 Reparaturmaßnahmen in den städtischen Hallen. Viele davon, wie zum Beispiel die Erneuerung von Geräteraum-Toren, können im laufenden Betrieb erledigt werden. Bei zehn Vorhaben, wie zum Beispiel die Reparatur des Hubbodens im Lehrschwimmbecken der Helene-Schoettle-Schule, wird ohne Schließung nichts zu machen sein sein. Ein besonders intensives Sanierungsjahr sei 2018 allerdings nicht, heißt es aus dem Schulverwaltungsamt. Mit Einschränkungen: „Sicherlich kann in Ausnahmesituationen der Fall eintreten, dass sich verschiedene Maßnahmen in verschiedenen Hallen in kurzer Zeit in einem Stadtbezirk häufen und einzelne Schulen und Vereine dann mehrfach betroffen sind“, heißt es.

MTV-Basketballer müssen zusammenrücken

Klagen dieser Art gibt es. So moniert zum Beispiel die Sportvereinigung Feuerbach, mit 6600 Mitgliedern der drittgrößte Verein der Stadt, die lange Schließung der Halle in Weilimdorf, die dem Verein Probleme mit seiner Kindersportschule und den Handballern gebracht hat. Auch der Großverein MTV Stuttgart hat Nöte, da von September an die Turnhalle des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums für Jahre nicht benutzbar sein wird.

Die Basketballer des MTV haben dort an zwei Abenden Training. „Diese Hallenzeiten werden wir intern kompensieren“, sagt Birgit Janik von der Geschäftsführung. Man werde in der Sporthalle Nord zwangsweise noch etwas mehr zusammenrücken.

Mit kuscheliger Nähe hat das aber nichts zu tun. Eher mit der Kunst, den Mangel zu verwalten. Das ist mittlerweile auch in der Kommunalpolitik angekommnen. Die CDU-Gemeinderatsfraktion hat beantragt, die Stadtverwaltung möge nach zusätzlichen Zeiten in Hallen privater und kirchlicher Träger suchen. Dies sei schon vor dem Hintergrund wichtig, dass die Stadt jedem Kind zum vierten Geburtstag einen 50 Euro Gutschein schenkt, der bei einem der Sportvereine der Stadt einzulösen ist. Also sollten auch genügend Kapazitäten vorhanden sein. In der Realität haben viele Vereine bei manchen Sportarten aber Wartelisten. Die Grünen machen sich dafür stark, dass die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Sportflächen auch realisiert werden. Insgesamt bleibt die Situation aber angespannt, zumal der allgemeine Zustand so mancher Halle, die noch auf keiner Liste steht, nicht gerade berauschend ist.

Zwei Lichtblicke in der Stadt

Ein paar Lichtblicke gibt es aber auch. Die Sporthalle Riedenberg wird zu Beginn des neuen Schuljahres fertig sein. Und im April startet die TSG Stuttgart mit dem Bau einer vereinseigenen Halle. Der Holzbau am Georgiiweg soll 770 000 Euro kosten, bereits im Herbst fertig sein und die Heimat der Kampfsportler der TSG werden.




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