Stabfechten in Waiblingen Diese Stockhiebe sind gut für Körper und Geist

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Der Stuttgarter Arne Schneider unterrichtet in Waiblingen das Stabfechten und hat sogar ein eigenes Fechtsystem entwickelt. Unser Redakteur hat die Sportart einmal ausprobiert.

Die Stabfechter tragen keinen Schutz,  Disziplin ist daher beim Üben sehr wichtig. Foto: Jan Potente
Die Stabfechter tragen keinen Schutz, Disziplin ist daher beim Üben sehr wichtig. Foto: Jan Potente

Waiblingen - Die beiden Kontrahenten stehen sich gegenüber. Ein Stab zischt durch die Luft, Rattan kracht auf Rattan. Eine rasche Parade hat den Oberhau abgewehrt – und lässt gleich eine Riposte folgen. Der Stoß erwischt einen der Kämpfer an der Brust. Ein anerkennendes Lächeln, ein Nicken, und das Training geht weiter.

Vor der Sporthalle der Wolfgang-Zacher-Schule in Waiblingen trainieren jeden Montag die Stabfechter um den Stuttgarter Arne Schneider ihren Sport – oder eher: ihre Fechtkunst. Es geht ihnen dabei weniger darum, möglichst viele Treffer zu erzielen oder irgendwelche Rekorde zu brechen. Sondern vielmehr um Körperbeherrschung, Beobachtungsgabe und das Reaktionsvermögen. „Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt. Die Fechtkunst dient als Schlüssel, und der Trainingspartner ist dein Spiegel“, erklärt der 41-jährige Gründer des Instituts für Stabfechten, Arne Schneider.

Arne Schneider hat sein Stabfecht-System Vidarbodua getauft

Seit Jahrtausenden haben Menschen Stöcke und Stäbe benutzt, um sich miteinander zu messen. Mal im kindlichen Spiel, mal in blutigem Ernst – und überall auf der Welt auch als sportliche Kampfkunst. In China finden sich Stäbe im Kung Fu, in Äthiopien und dem Südsudan werden sie beim rituellen Donga-Kampf eingesetzt, und auf den Philippinen sind sie Teil des Eskrima.

Dass das Stabfechten für Arne Schneider viel mehr bedeutet als reines Fitnesstraining und sportlichen Wettkampf, sieht man auch daran, dass er seinem selbst entwickelten Fechtsystem im Frühjahr einen eigenen Namen verpasst hat: Vidarbodua. Der Begriff setzt sich zusammen aus dem Namen von Vidar, einer Figur aus der germanischen Mythologie, und dem germanischen Wort „Bodua“ für „Kampf“.

Ein Stab aus Rattan – viel mehr braucht man zum Fechten nicht

Die Wurzel des Vidarbodua-Stabfechtens ist der europäisch geprägte Kampf mit dem Säbel und dessen Vorgängern. Im Gegensatz zum Kampf mit Trainingswaffen aus Stahl fasziniert Schneider an dem 1,15 Meter langen Stab aber gerade die Reduktion aufs Wesentliche. „Ich liebe diese Einfachheit. So ein Stab ist etwas Pures, man bekommt ihn überall auf der Welt und kann sofort loslegen“, sagt er.

Auch die sonstige Ausrüstung der Kämpfer – wobei der Begriff Trainingspartner besser passt – ist spartanisch. Der Stab aus Rattan und bequeme Kleidung, mehr braucht es nicht. Das Fehlen jeglicher Schutzausrüstung zwingt die Fechter dazu, besonders achtsam miteinander umzugehen, sich gegenseitig zu vertrauen und ihr Gegenüber einzuschätzen.

Treffer gibt es bei Stabfechten ständig – Verletzungen nicht

„Wir wollen uns auf Augenhöhe begegnen und miteinander lernen“, sagt Schneider. Denn auch wenn die Fechter im freien Gefecht loslegen und ihre Stäbe in atemberaubender Geschwindigkeit auf ihren Trainingspartner niedersausen lassen: „Sobald wir merken, dass der andere nicht hundertprozentig da ist, können wir abstoppen“, sagt Schneider. Treffer gebe es ständig – Verletzungen nicht.

Schneider ist eigentlich gelernter Kommunikationsdesigner. Als Schüler der Michael-Bauer-Schule machte er beim Schulzirkus Calibastra mit und übernahm dort Stabfecht-Choreografien. Als das Interesse für Fechtkunst eine Weile einschlief und Jahre später wieder aufflammte, fasste er sich ein Herz – und gründete im Jahr 2009 das Institut für Stabfechten. „Ich hatte meine pädagogische Ader entdeckt“, erinnert sich Schneider.

Beim Fechten kann man vieles lernen, davon ist Arne Schneider überzeugt. „Zum Beispiel, dass man sich traut, mal zu experimentieren und Fehler zu machen.“ Auch deswegen werden seine Seminare auch oft von Unternehmen gebucht, deren Mitarbeiter als Team zusammenfinden wollen.