Stadtbahn Etappenziel mit Signalwirkung

Von Christoph Kutzer 

Eine neue Stadtbahnlinie geht an den Start: Die U 12 fährt künftig bis nach Dürrlewang – und vor allem auch ins Industriegebiet Vaihingen/Möhringen. Dadurch sind künftig 20 000 Beschäftigte an den Nahverkehr angeschlossen.

  Foto: Lichtgut Christian Hass
  Foto: Lichtgut Christian Hass

Stuttgart - Es ist 14.35 Uhr. Die Anzeige­tafel am Hauptbahnhof zeigt eine U12 nach Vaihingen an. Nichts weist darauf hin, dass hier in wenigen Minuten ein besonderes Ereignis ansteht: Die Jungfernfahrt auf der erweiterten Linie nach Dürrlewang. Gerade beginnen die ersten der wartenden Fahrgäste zu diskutieren ob die Geschichte der neuen Verbindung mit einer Verspätung beginnen werde, da fährt Eva Zinnecker mit der frisch geputzten, blumengeschmückten Eröffnungsstadtbahn ein. Seit 28 Jahren ist sie Straßenbahnfahrerin in Stuttgart. Die besondere Aufgabe erfüllt sie mit Stolz.

Mit dem einfachen Abfahren der Strecke ist es dabei nicht getan: Ab der Haltestelle „SSB-Zentrum“ stößt ein weiterer Eröffnungszug hinzu. Der Weg zur neuen Endhaltestelle wird parallel auf zwei Gleisen absolviert. „Wir konnten das nicht proben“, erklärt Zinnecker. „Ich muss Blickkontakt zu meinem Kollegen suchen und mich auf meine Erfahrung verlassen.“

Am ersten Tag der Landesregierung fährt die erste Stadtbahn

Dann ist es soweit: Die beiden Bahnen stehen in Dürrlewang. „Es ist ein gutes Omen, dass wir am ersten Arbeitstag der neuen Landesregierung eine neue Stadtbahnstrecke eröffnen können“, freut sich Uwe Lahl Ministerialdirektor im Baden-Württembergischen Verkehrsministerium und betont, die schwarz-grüne Koalition habe sich eine „ÖPNV-Offensive“ auf die Fahnen geschrieben. Zuvor hatte Wolfgang Arnold, Vorstandssprecher und Technischer Vorstand der SSB den Koalitionsvertrag in punkto Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs als „enttäuschend vage“ bezeichnet. Lahl hob zudem die besondere Bedeutung der neuen Trasse hervor.

Ein direkter Anschluss für 20 000 Beschäftigte

Die 1,1 km lange Schienenstrecke biete einen direkten Anschluss des mit rund 20 000 Beschäftigten größten Gewerbegebiets der Landeshauptstadt an das öffentliche Verkehrsnetz. Oberbürgermeister Fritz Kuhn sprach von einem „guten Tag für Dürrlewang, Vaihingen und Möhringen“, der die Lebensqualität verbessere. Eine Straßenbahnlinie von solcher Qualität, die bis in ein Industriegebiet hineinreiche, sei eine Seltenheit. Die Innenstadt ist nun im Zehn-Minuten-Takt erreichbar – auch mit der U12 „Dürrlewang“, die von Kindern der Kita „Bärcheninsel“ und den Bezirksvorstehern von Vaihingen und Möhringen lackschonend mit Gießkannen getauft wurde. Mit den beiden neuen Haltestellen ist ein wichtiges Etappenziel erreicht. 2017 soll die Verlängerung der U 12 nach Remseck abgeschlossen werden.

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