100 Studierende der Hochschule in Darmstadt zerbrachen sich eine Woche lang in Hedelfingen den Kopf, wie der Ort wieder näher an den Neckar gebracht werden kann. Entstanden sind Visionen von einem Stadtbezirk mit besserem Zugang ans Wasser.

Es ist das Recht der Jugend, Visionen zu entwickeln. Wenn zudem ortsfremde Studierende sich eine Woche lang damit beschäftigen, wie Hedelfingen wieder an den Neckar gerückt werden kann, entstehen visionäre Konzepte – zumindest auf dem Papier oder dem Reißbrett.

 

Die alte Hedelfinger Turn- und Versammlungshalle war für eine Woche die Gedankenwerkstatt für knapp 100 Architektur-Studierende der Hochschule Darmstadt. „Hedelfingen ist durch den Hafen und die Bundesstraße 10 vom Neckar abgeschnitten. Wie kann der Ort ans Wasser gebracht werden?“, beschreibt die Professorin Dita Leyh die Aufgabe der Bachelor-Absolventen. Den Ist-Zustand, die Schwächen, aber auch die Entwicklungschancen erkannten die angehenden Stadtgestalter vor Ort: Die Bundesstraße 10 und der Neckarkanal sind künstliche Trennlinien, die das Ineinanderfließen des Hafengebiets – ehemaliges Hedelfinger Ackerland – und des Stadtbezirks verhindern. Es gibt keinen Zugang für Fußgänger ans Wasser.

Vision einer neuen Hafenskyline

Unvoreingenommen suchten die Studierenden Schlupflöcher und spannten Brücken, um Verbindungen zu schaffen. „Visionen, die nicht sofort umsetzbar sein müssen, aber realisierbare Optionen für Hedelfingen aufzeigen“, sagt Leyh. Die Herangehensweisen und die Radikalität waren unterschiedlich. Eine Gruppe versuchte, den Bestand zu ergänzen und ein neues Zentrum zu schaffen, indem sie den Bereich zwischen dem Otto-Hirsch-Center, der Turnhalle und den Otto-Hirsch-Brücken neu gestaltet. Andere wollen mit Türmen verschiedene Standorte im Ort miteinander vernetzen: ein Weinturm in den Weinbergen, einen „Leuchtturm“ am Neckar, einen Bürgerturm im Ort und ein Mobilitätsturm an der Deponie Einöd bilden das Karree. In vielen Arbeiten spielen Fußwege oder gar Promenaden entlang des Neckarkanals eine entscheidende Rolle. Sukzessive könnten, so die studentischen Vorschläge, alte Hafengebäude so umgestaltet und aufgestockt werden, dass eine städtebaulich ansehnliche Skyline mit einem leuchtturmartigen Wolkenkratzer als Blickfang entsteht. Ideal wäre aus Sicht der Studierenden ein Mix aus Wohnen, Firmen, Büros und Hafencafés.

Überdeckelung der B 10

Auch die Bundesstraße 10 stellten die angehenden Architekten in ihrer jetzigen Form infrage. Durch Verlegung oder Überdeckelung wollen sie neue Flächen gewinnen. Mit einer Mischung aus Sportanlagen und Grünstreifen könnten entweder Freizeitflächen in Gewässernähe geschaffen oder durch die Flutung der durch die Verlegung freigewordene B-10-Fläche eine Art Insel kreiert werden. Ein Ort für abwechslungsreiches Leben und Wohnen am Wasser entstünde. „Subversive Strategien und geniale Kompromisslösungen, die weiterverfolgt werden sollten“, sagt Leyh. Deswegen soll ein studentischer Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden. Studierende der Hochschulen in Darmstadt, Konstanz und Stuttgart sollen zur Teilnahme animiert werden. „Es ist beeindruckend, dass die Studierenden auf viele Ideen gekommen sind und diese weiterentwickelten, die wir in den vergangenen Jahren bereits formuliert haben“, dankten Hedelfingens Bezirksbeiräte. Sie erklärten sich bereit, sich am Preisgeld für den Wettbewerb zu beteiligen.