Stadtplanung in Gerlingen Neuer Plan: Platz für 100 Menschen mehr

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Das Neubaugebiet Bruhweg II kommt wieder aufs Tapet des Gemeinderats. Nach einer Überarbeitung der Pläne von 2017 ist mittlerweile Platz für mehr künftige Bewohner. Es könnten noch mehr werden, wenn die Flächen für Gewerbe und Wohnen neu aufgeteilt würden.

Wie große Maulwurfshügel sahen die Sichtungsgrabungen im Bruhweg II im vergangenen Frühjahr aus. Foto: factum//Simon Granville (Archiv)
Wie große Maulwurfshügel sahen die Sichtungsgrabungen im Bruhweg II im vergangenen Frühjahr aus. Foto: factum//Simon Granville (Archiv)

Gerlingen - Es ist die letzte große zusammenhängende Fläche zum Bauen in der Stadt: das Gebiet Bruhweg II in Gerlingen, zwischen der Ditzinger, der Siemens- und der Dieselstraße. Seit Jahren wird an diesem Neubaugebiet geplant, nun wird sich der Gemeinderat Anfang März wohl wieder damit befassen. Der 2017 preisgekrönte Siegerentwurf eines Planerwettbewerbs wurde mittlerweile überarbeitet. Eines der wichtigsten Ergebnisse: Auf der für Wohnbau vorgesehenen Fläche kann Platz für 700 Menschen geschaffen werden – 100 mehr als zu Beginn.

Die Verfasser des Siegerentwurfs hätten ihren Plan überarbeitet, erklärt der Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos). Die vorgesehenen mehrgeschossigen Wohngebäude seien erhöht worden – damit gibt es mehr Wohnungen für mehr Bewohner. Die Verwaltung wolle mit den Bauträgern eine Quote für bezahlbaren Wohnraum erreichen. Zudem werde über Seniorenwohnen, Mehrgenerationenwohnen und eine Kindereinrichtung nachgedacht.

Das Gebiet ist 12,6 Hektar groß. Davon sind 5,6 Hektar für Wohnen vorgesehen, 3,3 Hektar für Gewerbe, 2,6 Hektar für Grünflächen und 1,2 Hektar für Straßen. Vor der Gemeinderatswahl im Mai 2019 wurde auch die Idee diskutiert, wegen des Wohnungsmangels die Aufteilung von Gewerbe- und Wohnbauflächen zu überdenken. Dazu gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen im Gemeinderat.

Der Fraktionschef der Freien Wähler hat eine differenzierte Meinung. „Wir brauchen Gewerbe und Wohnungen“, sagt Martin Nufer, „wir dürfen das eine nicht weglassen und das andere nicht vergessen.“ Die Gewerbeflächen hätten eine Pufferfunktion. Es sei aber noch nicht definiert, was überhaupt „günstiger Wohnraum“ bedeute. Er könne sich vorstellen, das Thema nochmals zu diskutieren.

Geplante Wohngebäude erhöht

„Soll man die Flächenanteile zwischen Wohnen und Gewerbe ändern?“ Diese Frage beantwortet Christian Haag (CDU) klar mit Nein. „Gerlingen braucht beides. Wenn wir das eine verschieben, vergrößern wir die Not auf der anderen Seite. An der Ausgangslage hat sich nichts geändert.“ Der Gemeinderat habe angeregt, eine Verdichtung der Wohnbaufläche gegenüber dem ersten Entwurf zu prüfen – das Ergebnis schaue man sich nun an.

Baugenossenschaften sollen ins Boot

Die anderen Fraktionen positionieren sich eindeutiger zum Schwerpunkt Wohnen. „Uns fehlt Wohnraum, wir haben ausreichend Gewerbeflächen in der Stadt“, sagt die Grünen-Fraktionschefin Ulrike Stegmaier. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für Durchschnittsverdiener“, betont sie – und bringt eine weitere Idee in die Diskussion ein: genossenschaftliche Bauträger und andere Wohnkonzepte einzubeziehen. Die Stadt müsse dafür Geld in die Hand nehmen. Mit mehr Wohnungen für Menschen, die hier arbeiten, werde auch das Pendeln reduziert.

Peter Zydel von der FDP ist „sofort dabei“, einen Teil des Gewerbegebiets zum Wohnen umzuwidmen. Bezahlbarer Wohnraum sei wichtig, „wir müssen die Gelegenheit jetzt beim Schopf packen“. Und Zydel verweist auf die SPD, die dieses Thema angestoßen habe.

Tatsächlich hatten die Sozialdemokraten im Oktober 2018 im Rathaus beantragt, Bauträgern eine Vorgabe zu machen: Sie sollten in Neubauten ein Fünftel der Flächen für sozialen Wohnbau bereitstellen. Diese Quote sei anderswo üblich. Die SPD-Stadträtin Barbara Günter regt nun an, genossenschaftlichen Wohnbau im Bruhweg II mit einzubeziehen. Dafür müsse die Stadt investieren. Die Umwidmung von Flächen habe „ihren Reiz“.

Für die Jungen Gerlinger ist die Frage einer eventuellen Flächenumwidmung eine „komplexe Abwägung“. „Wir brauchen beides sehr dringend“, meint Judith Stürmer, sagt aber zudem: „Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Bezahlbarer Wohnraum muss her für die Menschen, die normal bis wenig verdienen.“ Der Gemeinderat müsse sich in der kommenden Klausur darüber klar werden, welche realistischen Ziele man erreichen könne. Die Jungen Gerlinger würden sich auf jeden Fall für ein besseres Jugendhaus einsetzen.