Stadtspaziergang 110 ist für alle Fälle richtig

Von Petra Mostbacher-Dix 

Der Polizeipräsident Franz Lutz hat mit Kollegen StZ-Leser auf eine besondere Spurensuche durch sein „sicheres Stuttgart“ mitgenommen.

Polizeipräsident Franz Lutz informierte über Stuttgart aus Polizeisicht. Foto: Lg/Julian Rettig
Polizeipräsident Franz Lutz informierte über Stuttgart aus Polizeisicht. Foto: Lg/Julian Rettig

Stuttgart - Ein Punkt mit Aussicht: Der Blick vom Bubenbad reicht über den Talkessel bis zum Pragsattel im Norden Stuttgarts, wo sich das Polizeipräsidium befindet. „Auch dort hat man die Stadt von oben im Griff!“ Humorvoll erklärte Franz Lutz, der Polizeipräsident der Landeshauptstadt, warum er diesen Treffpunkt für den Stadtspaziergang zum Thema „Mein sicheres Stuttgart“ wählte, zu dem die Stiftung Geißstraße und Stuttgarter Zeitung eingeladen hatten und zu dem rund 40 Interessierte kamen. Und die beruhigten Lutz und seinen Kollegen: „Die Kriminalitätsbelastung liegt bei 1:10 000, Stuttgart liegt damit an der dritten Stelle der sichersten Städte Deutschlands, nach Nürnberg und München.“ Ein deutschlandweites Problem nahm indes auch bei diesen Städten zu: Einbrüche, oft begangen von weiterziehenden Banden aus Europas Osten. „Vor allem 2013 stieg es an, aber bei uns ist die Trendwende da“, so Lutz. Die Einbruchszahlen seien 2015 um 30 Prozent gesunken, die Aufklärungsquote lag bei 30 Prozent, bundesweit vorbildlich. Und obschon die dunkle Jahreszeit, Hochzeit für das Delikt, erst beginne, sehe die Datenlage auch für 2016 gut aus. Das gelinge auch dank wachsamer Bürger, so Lutz, während sein Pressesprecher und Bürgerreferent betonte: „110 ist für alle Fälle richtig.“

Dass es bei 40 Prozent der Einbrüche beim Versuch bleibe, habe auch damit zu tun, wenn Rollläden, Türen, Fenster gut gesichert seien, ergänzte Kripochef Rüdiger Winter. „Tun Sie das! Keine gekippten Balkontüren!“, mahnte er, bevor es über die Georg-Elsner- und die Sünderstaffel durchs Justizviertel zum Charlottenplatz ging. Der Knotenpunkt von B 27 und B 14 ist staubelastet. „Nach meinen Verkehrsexperten gibt es dadurch weniger Unfälle“, so Lutz. „Aber es belastet die Umwelt. Unsere Polizei hat so viele Elektrofahrzeuge wie keine andere im Land – und eine Elektro-Fahrradstaffel.“

Präventiv mache die Polizei viel

Auch präventiv werde viel getan, etwa ein Fußgänger-Training für Erstklässler, Fahrrad-Führerschein für Viertklässler oder freiwillige Fahrtrainings für Senioren angeboten. „Um ein Bewusstsein für das eigene Reaktionsvermögen zu wecken.“

Bewusst machen wollten Joachim Barich, der Leiter des Innenstadtreviers, und Ralf Perrey, stellvertretender Leiter des Reviers Wolframstraße, woher subjektive Unsicherheitsgefühle kommen und was die objektiven Fakten in puncto Sicherheit sagen. Auch wenn Randgruppen manche Bürger irritierten, etwa die Südosteuropäer, die 2015 im Park, nun im Wald kampierten: Die Straftaten seien nicht angestiegen. „Das sind EU-Bürger, sie wollen Geld verdienen“, so Barich. „Wir kooperieren mit dem Forstamt.“ Kontrolliert werde auch in Sachen Betäubungsmittelkriminalität. Der Handel mit Cannabis, Marihuana oder Ecstasy sei ein Thema – Crystal Meth kaum. Am Schlossplatz, im Leonhardsviertel und am Arnulf-Klett-Platz habe sich die Lage verbessert, der Rupert-Mayer-Platz sei noch ein Brennpunkt. „Wir sind frühmorgens dort“, so Joachim Barich. Ralf Perrey fügte hinzu, dass die Drogen mittlerweile eher in Außenbezirken als in der City „gebunkert“ würden.

Vom Schlossplatz, oft Ort der 1400 bis 1500 Demonstrationen pro Jahr, ging es denn auch in sein Revier beim Milaneo. Dort, wie anderswo, würde vor allem Hochwertiges, Elektronik, teure Parfüms geklaut, in aluverkleidete Spezialtaschen gesteckt, in Schließfächern gebunkert, später von anderen abgeholt. „Meist sind es Banden.“ Dem begegnet die Stuttgarter Polizei mit einer eigenen Philosophie: „Präsenz zeigen“, so der Polizeipräsident Franz Lutz. Nicht im Streifenwagen, sondern vor allem persönlich. „Als Ansprechpartner auf Plätzen und Straßen, wir wollen den Austausch mit den Bürgern, sie sollen und können Vertrauen in die Polizei haben, wir brauchen sie als wachsame Zivilgesellschaft.“ Zu diesem Sicherheitsnetzwerk gehörten viele andere Mitspieler, etwa die städtischen Behörden. Dass dies ankommt, bestätigte auch Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin Mitte. „Ob an Runden Tischen oder im Alltag, alle sagen mir, wie wichtig die Präsenz von Polizisten ist.“

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