Steigende Fallzahlen AOK: Cannabis-Missbrauch im Kreis nimmt zu

Der Konsum von Cannabis kann ernste Folgen haben wie Depression oder Vereinsamung Foto: AOK Stuttgart-Böblingen
Der Konsum von Cannabis kann ernste Folgen haben wie Depression oder Vereinsamung Foto: AOK Stuttgart-Böblingen

Laut AOK steigen die Behandlungszahlen wegen Cannabis-Missbrauch im Kreis Böblingen jährlich um zehn Prozent an. Vor allem bei Frauen nehmen die Fallzahlen zu.

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Kreis Böblingen - Die aktuelle Auswertung der Versichertendaten der AOK Stuttgart-Böblingen unter dem Aspekt „Suchterkrankungen“ belegt einen markanten Anstieg von Patienten, die sich wegen Cannabis-Missbrauchs im Landkreis Böblingen in ärztlicher Therapie befanden. Die AOK ist mit mehr als 145 000 Mitglieder die größte Krankenversicherung im Landkreis und hat einen Marktanteil von 42 Prozent. In den letzten Jahren sind die Behandlungszahlen wegen Cannabismissbrauch im Landkreis Böblingen um 10,5 Prozent jährlich angestiegen. Die Behandlungszahlen im Landkreis Böblingen geschlechterübergreifend: 2015: 152; 2016: 156; 2017: 195; 2018: 217; 2019: 252. Dieser Zuwachs ist bei den Frauen wesentlich ausgeprägter als bei den Männern.

Dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung zufolge ist Cannabis in Deutschland die weit verbreitetste illegale Droge. Rund 46 Prozent der 18- bis 25-Jährigen haben dem Suchtbericht zufolge bereits einmal Cannabis probiert.

Susanne Steigüber, Leiterin des Sozialen Dienstes der AOK Stuttgart-Böblingen, der sich um Suchterkrankte kümmert, dazu: „Im Vergleichszeitraum 2015 bis 2019 lag die mittlere jährliche Steigerungsrate bei den AOK-versicherten Männern im Landkreis bei 8,3 Prozent, bei den Frauen sogar bei 23,1 Prozent. Insgesamt sind aber weiterhin Männer häufiger in Behandlung – und zwar drei Mal so häufig wie Frauen.“ Die am stärksten betroffene Gruppe sind Männer zwischen 40 und 60 Jahren. Mit zunehmendem Alter nehmen die Behandlungsfälle dann wieder kontinuierlich ab.

Angstzustände und Halluzinationen

„Cannabis zählt zu den psychotropen Substanzen. Dabei kann es im Cannabisrausch unter anderem zu Depressionen, Halluzinationen, Angstzuständen und Panikattacken kommen. Wie jede Droge ist auch Cannabis eine Substanz mit hohem Sucht- und Abhängigkeitspotenzial und diversen weiteren Langzeitfolgen wie der Schädigung der Lunge, Toleranzbildung, wiederkehrenden ‚Flashbacks‘ oder Psychosen“, warnt Dr. Manuela Bombana, Wissenschaftlerin bei der AOK Baden-Württemberg. Cannabiskonsum kann eine spezifische Abhängigkeit nach sich ziehen. Oft wird sie begleitet durch allgemeine Rückzugstendenzen bis hin zur sozialen Isolation.

Die Sucht nach der Psychodroge kann überwunden werden. „Hier ist es hilfreich, Strategien einzusetzen, die auch bei Stress hilfreich sind wie beispielsweise Hobbys nachzugehen, Sport zu treiben, Entspannungsübungen zu machen oder Freunde treffen. Die Hauptsache ist hierbei, aktiv zu sein in Dingen, die Spaß machen und Neues auszuprobieren,“ rät Bombana.

Hilfe bei Suchtgefahren

Suchthilfezentren
Der Verein für Jugendhilfe im Landkreis Böblingen e.V. und der Evangelische Diakonieverband Böblingen betreiben vier Suchthilfezentren im Landkreis. Sie sind in den großen Kreisstädten: Böblingen, Sindelfingen, Leonberg und Herrenberg wohnortnah erreichbar.

Kostenlos Der Zugang zu den Suchthilfezentren ist voraussetzungsfrei und zeitnah möglich. Die dortigen Fachkräfte unterliegen der Schweigepflicht; Beratungen sind kostenlos.

Sozialer Dienst
Hilfesuchenden steht außerdem der Soziale Dienst der AOK Stuttgart-Böblingen unter Telefon 0711 / 20 69 70 00 zur Verfügung




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