Steinenbronn Aus früherem Bauernhaus wird eine Garage

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Ein Gebäude in Steinenbronn wird für rund 700 000 Euro saniert. Das Wohnhaus ist aber trotzdem nicht nutzbar, im Grunde entsteht lediglich eine ziemlich teure Garage. Und dass das so geplant ist, hat der Gemeinderat jahrelang nicht einmal gewusst.

Das ehemalige Bauernhaus Schafgartenstraße 3 soll saniert werden. Foto: Otto-H. Häusser
Das ehemalige Bauernhaus Schafgartenstraße 3 soll saniert werden. Foto: Otto-H. Häusser

Steinenbronn - Die Zuhörer staunten bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag nicht schlecht. Seit drei Jahren ist ein Architekt mit der Planung der Sanierung des Gebäudes Schafgartenstraße 3 betraut. Der Gemeinderat hat aber erst jetzt sein Einverständnis dazu erteilt.

Konkret: Der Architektenvertrag wurde im August 2016 von Architekt Friedrich Ruoff und Bürgermeister-Stellvertreter Otto Elsäßer, der für die Freien Wähler im Gemeinderat sitzt, unterschrieben. Er umfasst neben der Planung für die Sanierung des Gebäudes Schafgartenstraße 3 auch die für das Haus Seestraße 8. Insgesamt geht es um eine Auftragssumme von 275 000 Euro. Im Betrag enthalten sind auch die Ingenieurleistungen. Der Vertragsschluss war bisher noch von keinem Gemeinderatsbeschluss gedeckt. Das erforderliche Votum wurde nun, nach drei Jahren, mit acht Ja-Stimmen nachgeholt. Die Gemeinderäte Matthias Miller (CDU) sowie Roland Kißling und Otto Elsässer (beide FW) stimmten dagegen.

„Bei Sanierung Gas geben“

Bereits zuvor hatte Kämmerer Hans-Dieter Bär klar gemacht, dass bei der Sanierung jetzt Gas gegeben werden müsse. „Das muss jetzt laufen“, sagte er und schlug auf den Tisch, „alles andere muss nicht laufen.“ Es sei wichtig, dass die Fristen im Sanierungsverfahren eingehalten würden. Bisher sehe der Zeitrahmen vor, dass im April 2020 alles abgerechnet sein müsse. Er werde beim Regierungspräsidium eine Verlängerung um ein Jahr beantragen, sagte Bär.

Deshalb dürfe man mit der Sanierung des Gebäudes Seestraße 8 auch nicht zu lange warten. Der Gemeinderat vertagte nämlich den Sanierungsbeschluss auf den 15. Oktober. Den Antrag hatte Antje Lindemeyer (SPD) gestellt. Sie begründete ihn damit, dass möglichst alle Gemeinderäte darüber entscheiden sollten. Vier Räte fehlten bei der Sitzung am Dienstag.

Dagegen wurde beschlossen, dass das Gebäude Schafgartenstraße 3 saniert werden soll. Die Kosten dafür bezifferte Kämmerer Bär auf über 700 000 Euro. Ein Teil davon, in Höhe von 55 000 Euro werde von den Mitgliedern der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) durch Eigenleistung getragen. Zum Hintergrund: Die DLRG-Ortsgruppe will in der früheren Scheune ihren Transporter samt Anhänger und Schlauchboot unterstellen.

„Eine teure Garage

Die Kosten, die an der Gemeinde hängen bleiben würden, bezifferte Bär auf 650 000 Euro. „Das ist aber eine teure Garage“, sagte daraufhin Roland Kißling (FW). Erst nachdem ein Gemeinderat eingeworfen hatte, dass ein Teil dieser Kosten vom Land getragen werde, musste der Kämmerer zugeben, dass er den Sanierungszuschuss in der Sitzungsvorlage vergessen hatte. Gemeinderat Wolfgang Miller (CDU) rechnete ihm schließlich vor, dass 51 Prozent von 650 000 Euro vom Land getragen werden.

Eine große Unklarheit herrschte schließlich im Gemeinderat darüber, wie umfassend das Gebäude Schafgartenstraße 3 saniert wird. Architekt Friedrich Ruoff erklärte, das lediglich die Scheune und der ehemalige Stall für die DLRG nutzbar gemacht würden. Ansonsten werde man das Gebäude nur sichern.

Auf Nachfrage von Gitta Obst (FW) stellte der Architekt klar, dass die Voraussetzungen für eine Nutzung des Wohnhauses als Archiv nicht geschaffen würden. Dabei gehe es auch um die Statik des Gebäudes. „Natürlich werden wir morsche Balken, die sich im Wohngebäude befinden ersetzen“, sagte Ruoff. Darüber hinausgehend seien aber keine verändernden Arbeiten eingeplant.

Brandschutz fehlt

Auf weitere Nachfragen von Gemeinderat Frank Schweizer (CDU) erklärte der Architekt, dass auch keine Heizung eingebaut werde. Eine Nutzung des Wohngebäudes sei nach den bisherigen Plänen ausgeschlossen. „Dort fehlt es am Brandschutz“, sagte er. Ein zweiter Fluchtweg sei nicht vorhanden. „Und selbst der erste Fluchtweg ist zu schmal“, fügte er hinzu. Außerdem könne man in dem Haus nicht aufrecht stehen.

Trotz dieser schlechten Nachrichten entschied sich eine große Mehrheit des Gemeinderats dafür, das Gebäude Schafgartenstraße 3 zu sanieren. Lediglich Roland Kißling (FW) stimmte dagegen.