Sting wird 70 Popstar ohne Berührungsängste

Sting 2016 in Paris Foto: imago 12 Bilder
Sting 2016 in Paris Foto: imago

Mit der Band The Police kam Sting alias Gordon Sumner zu Weltruhm. Danach entwickelte er sich zum nach allen Seiten offenen Popstar. Am 2. Oktober wird er 70.

Kultur: Bernd Haasis (ha)
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Stuttgart - „Can’t stand losing you“ intoniert der britische Sänger, Bassist und Komponist­ Sting im Sommer 1978 mit Fistelstimme – und markiert den Beginn einer bemerkenswerten Musikerkarriere. „Roxanne“, die erste Single seiner Band The Police, ist im Frühjahr 1978 gefloppt und wird erst im zweiten Anlauf 1979 zünden, „Can’t stand losing you“ aber erreicht Platz 42 der britischen Single-Charts. Kurz darauf sorgt das mit 1500 Pfund selbst finanzierte Police­-Debütalbum „Outlandos d’amour“ weltweit für Aufsehen.

Ein Jahr nach dem Zenit des Punk ist die Band noch deutlich von dessen Energie aufgeladen, zugleich Reggae-infiziert und Teil der britischen New-Wave-Bewegung. Sting schreibt die meisten Songs alleine, es folgen Hits wie „Message in a Bottle“ (1979), „Walking on the Moon“ (1979), „Don’t stand so close to me“ (1980) und „Every Breath you take“ (1983). Unterwegs vollziehen Sting und The Police eine Wandlung hin zum mehrheitsfähigen Pop und kommen in den großen Stadien an. Immer wieder knallt es zwischen dem Bandleader und dem Ausnahme-Schlagzeuger Stewart Copeland, in der Mitte steht der Gitarrist Andy Summers – „musikalische Differenzen­“ lautet die offizielle Begründung für den Bruch.

Er zieht Kooperationspartner an wie ein Magnet

Sting beginnt ohne Umschweife eine ­Solokarriere. Die Alben „The Dream of the blue Turtles“ (1985) und „Nothing like the Sun“ (1987), sind noch geprägt vom synthetischen Popsound der 80er. Musikalisch ­weisen sie schon weit darüber hinaus: Sting inszeniert sich mit leichtem Saxofon-Jazz als „Englishman­ in New York“ (1987) und beginnt eine entgrenzte Abenteuerreise, die ihn zum Jazz, zur Klassik, zur Weltmusik führen wird.

Er produziert Hits wie „Fields of Gold“ (1993) und zieht wie ein Magnet illustre Kooperationspartner an. 1992 nimmt er mit Eric Clapton „It’s probably me“ für den Soundtrack zum Blockbuster „Lethal Weapon 3“ auf, 1993 mit Bryan Adams und Rod Stewart „All for Love“ für den Soundtrack zum Spielfilm „Die drei Musketiere“ (1993). 1996 singt er Duette mit dem jungen Country-Star Toby Keith und mit Tina Turner („Silent Wings“), 2000 mit Cheb Mami („Desert Rose“), 2003 mit Mary J. Blige („Whenever I say your Name“).

Ein Pullover bringt ihm seinen Künstlernamen ein

Geboren als Gordon Sumner im äußersten Nordosten Englands, wächst Sting in kleinbürgerlichen Verhältnissen nahe der Werft von Wallsend auf. Sein Vater ist Milchmann, seine Mutter Friseurin. Sting wird Lehrer, unterrichtet auch zwei Jahre lang, spielt nebenher aber Jazz in verschiedenen Bands. Bei einer davon bekommt er seinen Künstlernamen: Er trägt gerne einen schwarz-gelb gestreiften Pullover, der seine Mitmusiker an eine Biene oder Wespe erinnert – das englische Wort „sting“ steht für „Stachel“. 1977 zieht er nach London und gründet The Police.

Die reformieren sich in den Nullerjahren und gehen 2007/2008 auf Welttournee durch die Stadien. Sting, der Popstar ohne Berührungsängste, wird am 2. Oktober 70 Jahre alt. 2019 sollte er bei den Jazz Open in Stuttgart spielen – wenn alles gut geht, wird er dieses Konzert im Juli 2022 nachholen.




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