Streit ums Zwiebelfest Esslinger Wirte könnten leer ausgehen

Gerd Trautwein (links) und Frank Jehle beim Zwiebelwiegen mit Guido Wolf Foto: Rudel/Archiv
Gerd Trautwein (links) und Frank Jehle beim Zwiebelwiegen mit Guido Wolf Foto: Rudel/Archiv

Die geplante Neuorganisation des Zwiebelfests hätte wohl Folgen, die sich mit den Wünschen des Gemeinderats nicht vereinbaren lassen.

Region: Kai Holoch (hol)
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Esslingen - Der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger spielt mit offenen Karten. „Eine Garantie dafür, dass bei der von uns auf Wunsch des Gemeinderats geplanten Neuausrichtung des Esslinger Zwiebelfests Wirte aus Esslingen zum Zug kommen werden, gibt es nicht.“ Das hat Zieger bei der Vorstellung der Überlegungen am Mittwoch erklärt.

Man werde sich zwar darum bemühen, bei den Kriterien Elemente einzubauen, die Esslinger Wirte leichter erfüllen könnten. Wenn die Stadt aber als Betreiberin und Organisatorin der sommerlichen Hocketse auf dem Marktplatz einsteige und dann ein faires und absolut transparentes Bewerbungsverfahren einführe, berge das die Gefahr, dass man externen Gastronomen und wirtschaftlich stärkeren Anbietern zusagen müsse. Rein rechtlich betrachtet gebe es keine Möglichkeit, Esslinger Wirte zu bevorzugen.

Zu viel externe Wirte?

Doch das ist ein entscheidender Punkt bei der Frage, wie es weitergehen soll. Denn Kritik ist an den Betreibern des Zwiebelfests, der Zwiebelfest-Gesellschaft, in der Vergangenheit vor allem deshalb laut geworden, weil die Regelungen, welcher Wirt seine Lauben beim Zwiebelfest aufstellen darf, nicht transparent seien und weil sich immer wieder externe Wirte aus der Region in die Gesellschaft eingekauft hatten. Allerdings hat es in den vergangenen 32 Jahren kein einziges Fest gegeben, bei dem die Esslinger Wirte in der Unterzahl gewesen sind. Genau dieser Zustand könnte sich in drei Jahren ändern, wenn das Sommerfest zum ersten Mal in städtischer Regie veranstaltet werden soll.

„Die SPD sieht aus verschiedenen Gründen Handlungsbedarf und bewertet die Lösungsansätze der Verwaltung im Grundsatz positiv“, betont zwar der Fraktionschef Andreas Koch, erinnert aber an die ursprüngliche Idee des Zwiebelfests: „Es ging damals darum, Esslinger Wirten, die keinen Biergarten haben, im Sommer eine Außenbewirtung zu ermöglichen.“ Es müsse das Ziel sein, eine Lösung zu finden, die einen hohen Anteil an Esslinger Wirten ermögliche. Koch: „Wir müssen sehen, was da rechtlich machbar ist.“ Auch der CDU-Chef Jörn Lingnau und seine Grünen-Kollegin Carmen Tittel unterstützen die konzeptionellen Überlegungen, wollen aber nur zustimmen, wenn mindestens die Hälfte der Wirte aus Esslingen stammen. Lingnau: „Wenn das nicht garantiert werden kann, müssen wir erneut nachdenken.“ Für Daniela Hemminger-Narr (Freie Wähler) steht indes fest: „Ein Fest ohne Esslinger Wirte wird es mit uns nicht geben.“

24 Lauben, 12 Wirte, eventuell keiner aus Esslingen

Eine städtische Arbeitsgruppe unter der Leitung des Chefs der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus Gesellschaft (EST), Michael Metzler, hat einen Vorschlag zur Neuausrichtung erarbeitet. Die privaten Zwiebelfestwirte sollen nach 32 Jahren das Feld räumen. Statt dessen plant die Stadt ein Sommerfest in Eigenregie mit 24 Lauben und zwölf Wirten – inklusive der Erweiterung des Fests auf den Rathausplatz. Dort soll sich alles um Sekt drehen.

Die direkt von den Überlegungen betroffenen Zwiebelfestwirte haben erst am Mittwoch von den Überlegungen der Verwaltung erfahren – und sind empört. „Ich bin seit 45 Jahren im Geschäft und seit 15 Jahren Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Aber ein solches Geschäftsgebaren, wie es der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger an den Tag legt, habe ich noch nicht erlebt“, sagt der langjährige Zwiebelfestwirt und Geschäftsführer der Zwiebelfest Gesellschaft, Gerd Trautwein: „Uns nicht zu kontaktieren und ins Boot zu holen, ist eine glatte Unverschämtheit.“ Er sei menschlich zutiefst enttäuscht von Zieger. Der habe die Zwiebelfestwirte immer „benutzt“, wenn er sie etwa für die Benefizessen der Bürgerstiftung gebraucht habe. Dass das Ende des Zwiebelfests nun hinter dem Rücken der Betroffenen beschlossen werden solle, sei nicht hinnehmbar.

Erst vor drei Wochen habe man, so erzählt der Mitgeschäftsführer Frank Jehle vom Palmschen Bau, als neuen Zwiebelfestwirt Christian List vom Roten Hirsch ins Boot geholt. Von der neuen Entwicklung habe man nichts geahnt. List wolle nun noch einmal über seine Teilnahme nachdenken, erklärt Jehle.




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