Streuobstwiese Plattenhardt Drohne soll Infos über Misteln liefern

Die Mistel schafft es mittlerweile sogar,ihren Wirt, den Baum, zu töten. Foto: P/atricia Sigerist
Die Mistel schafft es mittlerweile sogar,ihren Wirt, den Baum, zu töten. Foto: P/atricia Sigerist

Die Uni Hohenheim macht genaue Luftbilder vom Streuobstgebiet in Filderstadt-Plattenhardt. Das ist Teil eines großen Forschungsprojekts.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Plattenhardt - Im vergangenen Jahr war Professor Klaus Schmieder von der Universität Hohenheim im Streuobstgebiet Scherlach in Filderstadt-Plattenhardt unterwegs. Es war eine Exkursion mit Studierenden und Doktoranden. Der Pomologe Walter Hartmann aus Filderstadt führte durch das Gebiet und zeigte die durch Misteln geschädigten Bäume. „Ich war erschrocken, wie sehr die Parasiten den Bäumen zugesetzt hatten“, sagt Klaus Schmieder. Zehn Jahre zuvor seien in dem Gebiet noch kaum Schäden erkennbar gewesen. „Für mich war diese Exkursion der Anlass, genauer zu forschen“, sagt der Professor am Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie.

Die Misteln auf Streuobstbäumen seien mittlerweile ein landesweites Problem, obgleich einige Gebiete stärker betroffen seien als andere, weiß der Experte. Bei sehr starkem Befall schaffe es die Mistel sogar, ihren Wirt zu töten. Das sei ungewöhnlich für einen Parasiten. Denn für kein Lebewesen ergebe es Sinn, im übertragenem Sinn an dem Ast zu sägen, auf dem es selbst sitze. Und so kommt der Professor auf den Klimawandel zu sprechen. Die tendenziell immer heißer werdenden Sommer und die zunehmende Trockenheit mache den Bäumen zu schaffen. Die Mistel entziehe ihnen zusätzlich Wasser. In Kombination könne das zu einem weiteren und noch beschleunigten Rückgang der Streuobstwiesenbestände führen. „Es geht um die Frage, wie sich die Mistel zusätzlich zu anderen Stressoren wie Hitze und Trockenheit auf den Baum auswirkt“, sagt Klaus Schmieder.

Der Drohnenflug ist Teil des Projekts „Streuobstwiesen im Klimawandel“

Um das genauer zu untersuchen, braucht der Wissenschaftler eine Datengrundlage. Darum will sein Institut die Plattenhardter Streuobstwiese in dieser Woche, 23. bis 27. August, mit einer Drohne überfliegen und entsprechende Aufnahmen machen. „So bekommen wir relativ schnell ein Abbild von der Belastung auf der Streuobstwiese. Wir können sehen, wo die Bäume besonders stark und wo weniger stark befallen sind. Auch die Vitalität des Baumes kann anhand der Blattfärbung in Abhängigkeit vom Mistelbefall beurteilt werden. Eventuell können wir sogar die Belastungsgeschichte rekonstruieren, also von wo aus der Mistelbefall seinen Anfang genommen hat und ab wann ein Baum nicht mehr zu retten ist“, erklärt der Professor das Ziel.

Der Drohnenflug in Plattenhardt ist Teil des Projekts „Streuobstwiesen im Klimawandel“ des Verbands zur Förderung angepasster, sozial- und umweltverträglicher Technologien in Stuttgart in Kooperation mit den Universitäten Hohenheim und Tübingen. Gefördert wird dieses von der Baden-Württemberg-Stiftung, der Projektzeitraum beträgt drei Jahre. In dieser Zeit könnte es weitere Drohnenflüge in Plattenhardt geben. So könnte zum Beispiel eruiert werden, wie effektiv Maßnahmen zu Bekämpfung der Misteln waren und sind.

Auf den Aufnahmen sind auch Personen erkennbar

Das Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie hat zwei Drohnen. In Plattenhardt sind sie zum ersten Mal im Einsatz. Der Drohnenflug selbst dauere nur etwa eine Stunde. Wann genau das Gerät fliege, hänge vor allem vom Wetter ab, sagt Klaus Schmieder. „Darum haben wir uns die ganze Woche reserviert.“ Die Stadt Filderstadt weist in einer Pressemitteilung daraufhin, dass die von der Drohne gelieferten Bilder eine so hohe Auflösung haben, dass auch Personen erkennbar seien. „Eine Auswertung erfolgt jedoch lediglich in Bezug auf die Misteln, die Aufnahmen selbst werden nicht veröffentlicht. Die Grundstückseigentümer werden gebeten, die Befliegung zu dulden und zu unterstützen.“




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