Studie: Wie informiert sind die Deutschen? Den Jungen reicht oft die kurze Nachricht

Von mih 

Die Menschen in Deutschland betrachten sich als ausgesprochen gut informiert. Bei konkreten Nachfragen kommen sie allerdings häufig ins Schleudern, wie eine Befragung durch das Institut für Demoskopie Allensbach ergeben hat.

Ob durch Zeitung, Radio, Fernsehen – oder Internet: Die überwiegende Mehrheit der Deutschen hält sich selbst für ausgesprochen gut informiert. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Ob durch Zeitung, Radio, Fernsehen – oder Internet: Die überwiegende Mehrheit der Deutschen hält sich selbst für ausgesprochen gut informiert. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Bürger in Deutschland fühlen sich heute besser informiert als vor der Einführung des Internet; dieser Aussage stimmen nach einer Befragung zwei von drei Menschen zu. Das sagte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, bei der Präsentation der Studie „Die informierte Gesellschaft – Fakt oder Illusion?“ auf dem Zeitungkongress 2017 in Stuttgart.

Den eigenen Informationsstand bewertet die überwiegende Mehrheit sogar als ausgesprochen gut. 72 Prozent der im Rahmen der Studie Befragten halten sich für gut informiert über aktuelle Geschehnisse. Erstaunlicherweise gilt das nach den Worten von Köcher auch für die große Mehrheit der Menschen, die sich als politisch desinteressiert bezeichnet. Daraus leitet sie die folgende Frage ab: Haben wir es mit einer Informationsillusion zu tun? Denn viele Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen Informationsstand und Interesse.

Jede Konkretisierung reduziert die positive Selbsteinschätzung

Der vordergründige Widerspruch löst sich beim näheren Blick darauf auf, was unter einem guten Informationsstand zu verstehen ist. Für viele bedeutet dies lediglich, „auf dem Laufenden sein, wissen, was gerade passiert“. Lediglich 31 Prozent der Befragten legten großen Wert darauf, sich gründlich zu informieren. Dies zeigt sich bei Nachfragen zu bestimmten Themen, von Russland bis zur EU-Kommission. Das Ergebnis: Jede Konkretisierung reduziere die positive Selbsteinschätzung drastisch, sagte die Allensbach-Geschäftsführerin. So trauen sich in Bezug auf die politische und wirtschaftliche Situation in Frankreich nur 24 Prozent der Befragten ein Urteil zu, bei Themen rund um die Europäische Union sind es sogar noch weniger. Bei den politisch Desinteressierten liegen diese Werte noch weit darunter: bei zehn (Frankreich) beziehungsweise acht Prozent (EU).

Reichen 15 Minuten, um gut informiert zu sein?

Die permanente Verfügbarkeit von Informationen führt dazu, dass sich weniger Menschen kontinuierlich informieren. Häufig wird die Meinung vertreten, dass die Informationen ja jederzeit abrufbar seien, „wenn man sie braucht“. Die Unter-30-Jährigen stimmen dieser Einschätzung zu 61 Prozent zu. Wer 60 Jahre oder älter ist, glaubt das eher nicht (23 Prozent). Zugleich ist die Vorstellung weit verbreitet, dass täglich 15 bis 30 Minuten reichen, um gut informiert zu sein. In der Bevölkerung insgesamt glaubt das jeder Zweite; in der jungen Generation sind es zwei Drittel.