Studienabschlüsse Hinter tausend Titeln eine Welt

Von Marissa Erbrich 

Es gibt viele Studienabschlüsse. Das Diploma Supplement – eine Auslistung aller Studienleistungen – ist für Arbeitgeber deshalb so wichtig. Sie erfahren so, welche Qualifikationen ihr Bewerber während des Studiums erworben hat.

Arbeitgeber wollen gerne genau wissen, was sich hinter dem Diplom verbirgt. Foto: dpa
Arbeitgeber wollen gerne genau wissen, was sich hinter dem Diplom verbirgt. Foto: dpa

Stuttgart - Die Auswahl an Bachelor- und Masterstudiengängen ist riesig. Die einen tragen noch immer klassische Namen wie Maschinenbau, andere heißen Roads to Democracy oder Value Studies. Was dahintersteckt, ist auf den ersten Blick schwer zu erkennen, nicht nur für Studienanfänger, sondern auch für Arbeitgeber. „Die Zahl der Studiengänge ist stark gewachsen“, sagt Martin Frädrich, Bildungsexperte bei der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart. 15 591 Studiengänge werden laut Hochschulrektorenkonferenz (HRK) aktuell an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen angeboten. Zum Vergleich: im Sommersemester 2004 waren es noch 11 183.

Ähnlicher Inhalt, unterschiedlicher Studiengang

Oft variieren die Namen der Bachelor- und Masterstudiengänge bei ähn­lichen Inhalten von Hochschule zu Hochschule. Trotzdem wird aus Unternehmen keine massive Kritik laut, so Frädrich. Zwar seien nicht alle zufrieden, aber das Problem liege für Unternehmen oft weniger an der fachlichen Kompetenz als an Schlüsselqualifikationen und fehlender Praxisnähe im Studium. Diese Faktoren spielen beispielsweise bei Bosch eine wichtige Rolle. Neben der fachlichen Qualifikation sucht der Konzern bei Bewerbern ein „gutes persönliches Format“. „Absolventen steigen bei uns häufig als Generalisten ein“, so eine Bosch-Sprecherin. Die fachliche und persönliche Weiterentwicklung erfolge später im Unternehmen. Viele Firmen pflegen direkte Kontakte zu Hochschulen und haben so einen guten Einblick in die Entwicklung von Studiengängen. „Die durch Bachelor und Master differenziertere Ausbildung an Hochschulen kann ein Vorteil für die Wirtschaft sein“, sagt Frädrich. So seien Studiengänge entstanden, die die Wirtschaft wollte.

Das Diploma Supplement beschreibt den Studienleistungen

Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) begrüßt die Vielfalt. Denn die Hochschulen sollen im Wettbewerb mit anderen ihr Studienangebot an die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts anpassen. Irene Seling, Referentin für Hochschulpolitik bei der BDA, betont aber, wie wichtig das sogenannte Diploma Supplement sei. Dabei handelt es sich um eine Ergänzung zur Urkunde oder zum Zeugnis, die alle Leistungen während des Studiums auflistet. Seit 2005 sind Hochschulen verpflichtet, ihren Absolventen das Dokument gebührenfrei auszustellen. Die Realität hinkt der Planung hinterher: Laut einer Umfrage der HRK von 2011 stellt nur etwa die Hälfte der befragten Hochschulen für alle Studiengänge ein Diploma Supplement aus. Hier sieht Seling einen erheblichen Verbesserungsbedarf. „Durch Wahl- und Wahlpflichtveranstaltungen variieren oft schon die Studieninhalte einzelner Absolventen im gleichen Studiengang“, erklärt sie. Für Personalverantwortliche sei das Diploma Supplement daher wichtig, um genau zu sehen, was der Bewerber mitbringt und was er an individuellen Leistungen wie Auslandsaufenthalt, Praktika oder freiwilligem Engagement in der Hochschule erbracht hat. So setzen auch Bosch und die Daimler AG bei der Einschätzung von Bewerbern auf das beschriebene Dokument. „Es gibt uns Aufschluss über Zugangsvoraussetzungen zum Studium, erworbene Kompetenzen und Studieninhalte“, so eine Daimler-Sprecherin.

Das System fordert genauere Bezeichnungen

Die Hochschulen selbst begründen die individuellen Bezeichnungen durchaus plausibel. „Die Vielzahl der Bezeichnungen liegt auch am System selbst“, erklärt Michael Seifert, Pressesprecher der Universität Tübingen. Bachelorstudiengänge seien eher breit angelegt, während Master auf eine Spezialisierung abzielten oder fächerübergreifend seien. Die Bezeichnung von Masterstudiengängen ist daher oftmals – genau wie ihr Inhalt – enger gefasst.




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