Stürmer des Karlsruher SC Der Eklat von Philipp Hofmann und die Folgen

Von Marco Seliger 

Der KSC-Stürmer Philipp Hofmann streikt offenbar, um einen Wechsel zu Union Berlin in die erste Liga zu forcieren und könnte nun doch in Karlsruhe bleiben – das ist die verrückte Fußballgeschichte.

Stürmer Philipp Hofmann (rechts) will den Karlsruher SC verlassen Foto: dpa/Uli Deck
Stürmer Philipp Hofmann (rechts) will den Karlsruher SC verlassen Foto: dpa/Uli Deck

Stuttgart - Die Liste der Fußballprofis, die mit einem Streik beim Training oder beim Spiel einen Vereinswechsel erzwingen wollen, ist lang. Heiko Herrlich etwa, heute Trainer des FC Augsburg, pochte im Sommer 1995 mal auf eine angebliche mündliche Zusage von Mönchengladbachs Manager Rolf Rüssmann. Als er nicht zu Borussia Dortmund wechseln durfte, entwickelte der damalige Stürmer Herrlich plötzlich eine große Abwehrhaltung, was das Training der Borussia anging – und hielt sich bei Fortuna Köln fit. Der DFB vermittelte, am Ende wechselte Herrlich für elf Millionen D-Mark zum BVB. In der jüngeren Vergangenheit verweigerte Ousmane Dembélé das Training beim BVB, nachdem der große FC Barcelona angeklopft hatte. Pierre-Emerick Aubameyang sah schon vor Dembélé seine Zukunft nicht mehr in Dortmund, sondern beim FC Arsenal in London – und streikte ebenfalls.

Ob der Zweitligastürmer Philipp Hofmann vom Karlsruher SC zuletzt an diese bekannten Fälle gedacht hat, ist nicht überliefert. Fakt ist: Auch Hofmann (27) sorgte nun für einen Eklat – und zeigte, dass Arbeitsverweigerung als Druckmittel für einen Club-Wechsel offenbar auch in der zweiten Liga und bei Kickern, die in diesem Leben wohl keine Weltstars mehr werden, angekommen ist.

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Der Fall Hofmann geht so: Der KSC-Stürmer erklärte kurz vor dem ersten Saisonspiel bei Hannover 96 am vergangenen Wochenende vor Ort, dass er sich nicht imstande fühle, für Karlsruhe Fußball zu spielen und saß dann nur auf der Bank. Damit wollte er mit größter Wahrscheinlichkeit seinem Wechselwunsch zum Erstligisten Union Berlin Nachdruck verleihen, um es vorsichtig auszudrücken – auch wenn er nun am Montag diese Frage aufwarf: „Wenn ich tatsächlich gestreikt hätte, hätte ich dann auf der Bank gesessen und würde normal trainieren?“

Nicht abgeschrieben beim KSC

Noch zwei Tage vor dem Spiel in Hannover hatte Hofmann KSC-Coach Christian Eichner signalisiert, dass er bereit sei zu spielen. Eichner erklärte dann, er sei nach Hofmanns Rückzieher aus allen Wolken gefallen. Eine Strafe werde es aber nicht geben, denn: „Ich will ja mit ihm weiterarbeiten.“

Das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, denn der Wechsel Hofmanns zu Union scheint geplatzt zu sein. „Das Thema ist durch“, sagte KSC-Sportchef Oliver Kreuzer, die Vorstellungen der Clubs hinsichtlich einer Ablösesumme hätten zu weit auseinander gelegen. Hofmann, der einen Vertrag bis 2021 hat, ist nun trotz seiner Aktion von Hannover beim KSC offenbar nicht unten durch. „Wegen so einer Aktion, die speziell war und aus meiner Sicht überflüssig, ist er bei uns nicht abgeschrieben“, betonte Kreuzer gegenüber den „Badischen Neuesten Nachrichten“.

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Ob die Aussagen Kreuzers nun zum Transferpoker gehören und am Ende eine höhere Ablösesumme für Hofmann generieren sollen oder nicht, ist offen. Klar ist, dass der Karlsruher SC nun durchaus eine Handhabe hätte gegen Hofmann. Eine Kündigung zum Beispiel – die allerdings wäre ja ganz im Sinne des wechselwilligen Stürmers.

Auch von einer Geldstrafe will der KSC absehen. Denn es kann ja sein, dass man den Torjäger doch noch ganz schnell wieder brauchen könnte. Hofmanns Verzicht aufs Spiel in Hannover, das sagte KSC-Sportchef Kreuzer noch, sei für ihn „überraschend, auch ein bisschen enttäuschend“ gewesen. Aber es sei abgehakt.

„Philipp Hofmann“, sagte Kreuzer, „ist ein tadelloser Sportsmann.“




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