Der Förderverein hat das Bad in Untertürkheim 1995 vor der Schließung gerettet. Zu Spitzenzeiten hatte er mehr als 500 Mitglieder, jetzt sucht er nach neuen Unterstützern.

Leben: Nina Ayerle (nay)

Untertürkheim - Das Schwimmbad ist jeden Tag von 7.45 bis 22 Uhr belegt. Mehr als 1000 Schüler und Sportler nutzen täglich das Untertürkheimer Stadtbad. Einmal in der Woche kommen Migrantinnen zum männerfreien Schwimmen. Dabei ist Schwimmen in der Nähe des Wohnortes in den Neckarvororten keine Selbstverständlichkeit.

Ein Blick zurück ins Jahr 1994: Der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel plante, das Hallenbad Untertürkheim aus Kostengründen zu schließen. Die Anzahl der Badegäste war in dem 1971 eröffneten Bad kontinuierlich zurückgegangen, die Bausubstanz wurde immer schlechter. Eine teure Sanierung wollte die Stadt für das Hallenbad nicht mehr bezahlen.

Doch mit so starkem Gegenwind hatte Manfred Rommel nicht gerechnet: Die Untertürkheimer protestierten. Sogar in den benachbarten Neckarvororten regte sich Widerstand. Insgesamt neun Schulen in den Oberen Neckarvororten sowie sechs Schwimmvereine wären ihre Schwimmhalle losgeworden. Aufgebrachte Bürger, Schüler und Lehrer gründeten eine Bürgerinitiative.

Die Aufgaben sind auf Privatleute übergegangen

Innerhalb weniger Wochen erarbeiteten sie eine Satzung für einen Förderverein. Nach anfänglichem Zögern konnte der Verein die Verwaltung und die Parteien auf seine Seite ziehen. Am 10. Mai 1995 luden die Mitglieder des Bürgerinitiative zur Gründungsversammlung des Fördervereins Hallenbad Untertürkheim ein.

Die Genehmigung der Stadt entstand wohl nicht zuletzt aus der Überlegung heraus, dass sich ein solches Modell auch auf andere Bäder ausgedehnt werden kann, wenn es sich in Untertürkheim bewährt. „Die Stadt steht nun nicht mehr in der Pflicht. Die Aufgaben sind auf Privatleute übergegangen“, sagt Martin Bizer, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins und der Schulleiter des Wirtemberg-Gymnasiums.

Viele Abgeordnete städtischer Kommunen waren in den vergangenen Jahren zu Besuch in Untertürkheim, um sich das Modell anzuschauen. „Für Kommunen ist das lukrativ“, sagt Bizer. Denn der Förderverein hat mit der Stadt einen Betriebsführungsvertrag geschlossen. Die Stadt zahlt einen Betrag an den Verein für Unterhalt und Betrieb des Schwimmbades, allerdings mit einer Obergrenze. Der Förderverein kümmert sich um die Organisation und den laufenden Betrieb.

Zu Spitzenzeiten hatte der Verein mehr als 500 Mitglieder

Das Bad steht deshalb nicht mehr für eine öffentliche Nutzung zur Verfügung, sondern nur noch für Schulen und Sportvereine. „Für uns wäre hier in den Neckarvororten ein Riesenloch entstanden“, erklärt der Vereinsvorsitzende Kurt Pilsner, der auch Schulleiter an der Lindenrealschule. Was blieb, war der schlechte Zustand des Bades. Erst 2002 setzte sich der Verein durch und die Stadt genehmigte eine Sanierung. Für rund drei Millionen Euro wurde das Bad umgebaut und modernisiert.

Zu Spitzenzeiten hatte der Verein mehr als 500 Mitglieder. Viele Eltern waren Mitglied, weil ihre Kinder eine Schule in den Neckarvororten besuchten. Inzwischen sinken die Mitgliederzahlen, die Kosten für den Unterhalt allerdings nicht. Deshalb sind die Vorsitzenden Kurt Pilsner und Martin Bizer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Das ist nicht einfach: Die Erhaltung des Schwimmbades ist aus der öffentlichen Diskussion verschwunden. „Was funktioniert, wird nicht mehr diskutiert“, sagt Pilsner.

Förderverein Hallenbad

Anschrift: Uhlbacher Straße 49a,70329 Stuttgart-Untertürkheim Mail: kurt.pilsner@stuttgart.de Vorsitzende: Kurt Pilsner, Martin Bizer Gründungsjahr: 1995 Mitgliederzahl: 275