Stuttgart aktiv Erholung vom Stadtleben

Heute kann man im Waldheim Nähen lernen, Kupferbilder herstellen oder auch einen Selbstverteidigungskurs machen. Foto: Horst Rudel
Heute kann man im Waldheim Nähen lernen, Kupferbilder herstellen oder auch einen Selbstverteidigungskurs machen. Foto: Horst Rudel

Seit 100 Jahren steht das Waldheim am Ortseingang von Hedelfingen. Der Betreiberverein hat in dieser Zeit Höhen und Tiefen erlebt.

Bad Cannstatt: Maira Schmidt (mai)
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Hedelfingen - Ein Ort, an dem sich Kinder vom stressigen Stadtleben erholen, einfach mal laut sein und herumtoben dürfen – das sollte das Waldheim Hedelfingen bei seiner Gründung sein und das ist es auch bis heute geblieben.

Wie alle Stuttgarter Waldheime ging auch das Waldheim Hedelfingen aus der Arbeiterbewegung hervor. Der Arbeiterturnverein Jahn, der Arbeiterradverein und der Arbeitergesangsverein Concordia suchten einen Platz, an dem sie ihre Feste und Veranstaltungen auf eigenem Boden abhalten konnten. „Die Arbeiter sollten sich am Wochenende im Waldheim mit ihren Kindern erholen“, erklärt Brigitte Meissner, die zweite Vorsitzende des Vereins.

Und zwar für möglichst wenig Geld. Deshalb war es nicht nur üblich, sondern sogar gewünscht, dass die Waldheimbesucher ihren Proviant selber mitbrachten. Die drei Vereine suchten nach einem leicht erhöhten Grundstück am Waldrand. Das war 1911, ein Jahr später wurde der Verein beim königlichen Amtsgericht eingetragen.

In der Vereinsgeschichte gibt es auch tief greifende Einschnitte

100 Jahre später steht das Waldheim immer noch an der Heumadener Straße am Ortsausgang in Richtung Lederberg. Der Verein ist den Motiven seiner Gründungsväter treu geblieben. Einen Euro müssen die Mitglieder pro Jahr in die Vereinskasse zahlen. Diesen symbolischen Betrag kann jeder seinen Möglichkeiten entsprechend aufstocken.

„Hier ist es nicht entscheidend, in welcher Gehaltsklasse jemand ist“, sagt der erste Vorsitzende Paul Wurm. Außerdem ist das Waldheim nach wie vor ein Ort, an dem sich Kinder vom hektischen Stadtleben erholen sollen – die Awo veranstaltet dort regelmäßig im Rahmen ihrer Kinder-Stadtranderholung ihre Kleinkinderferien.

Doch trotz dieser Kontinuität gab es in der Vereinsgeschichte auch tief greifende Einschnitte, die ein einfaches „Weiter so“ unmöglich machten. 1933 wurde das Waldheim von den Nazis enteignet, 1945 von einer Fliegerbombe zerstört. Am Ende des Zweiten Weltkriegs stand der Verein vor den Trümmern seiner Existenz – ein Schicksalsschlag, der sich später leider noch einmal wiederholen sollte.

Das Programm wurde um viele verschiedene Angebote erweitert

1992 wurde das Waldheim bei einem Brand komplett zerstört. Sechs Jahre lang dauerte der Wiederaufbau. Doch auch danach ging es nicht wirklich aufwärts für den Verein. Während der aus dem Brand entstandene Schuldenberg blieb, gingen die Mitgliederzahlen kontinuierlich zurück.

Allmählich scheint der Waldheimverein aber wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Zählte er um die Jahrtausendwende noch gerade mal 47 Mitglieder, sind es inzwischen wieder 299. Der Verein habe versucht, sich an die heutigen Erwartungen anzupassen, sagt Paul Wurm.

Deshalb sei das Programm in den vergangenen Jahren auch um viele verschiedene Angebote erweitert worden. „Ein Kurs ist nach dem anderen entstanden“, erklärt der erste Vorsitzende. Heute kann man im Waldheim für fünf bis zehn Euro pro Abend Nähen lernen, Kupferbilder herstellen oder auch einen Selbstverteidigungskurs machen. Für jede Altersklasse sei etwas dabei, vom zweijährigen Enkel bis zum 92-jährigen Großvater, sagt Paul Wurm.

Waldheimverein Hedelfingen

Anschrift:
Heumadener Straße 110, 70329 Stuttgart Telefon:
42 00 71 Mail
: info@waldheimverein-hedelfingen.de Homepage:
www.waldheimverein-hedelfingen.de Vorsitzender:
Paul Wurm Gründungsjahr
: 1912 Mitgliederzahl
: 299

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