Stuttgart-Album erinnert an eine königliche Autopanne Plötzlich sprang die Limousine von Prinz Philip nicht mehr an

Das Auto von Prinz Philip wird beim Staatsbesuch im Mai 1965 vor dem Fernsehturm angeschoben. Foto: Kurt Reim 8 Bilder
Das Auto von Prinz Philip wird beim Staatsbesuch im Mai 1965 vor dem Fernsehturm angeschoben. Foto: Kurt Reim

Der Tod von Prinz Philip bewegt die Menschen weltweit – auch in Stuttgart. Bei den Älteren ist der Staatsbesuch der Queen von 1965 unvergessen. In der Stadt herrschte Ausnahmezustand. Es gab Pannen und Spaß mit dem Ehemann der Königin.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Zeitlebens war es Prinz Philip gewohnt, seiner Frau den Vortritt zu lassen. Beim deutschen Staatsbesuch, der das britische Königspaar 20 Jahre nach Kriegsende auch nach Stuttgart führte, ist die damals 39-jährige Queen in einem offenen Mercedes 600 Pullman winkend durch die jubelnde Stadt gefahren, von sogenannten Rau-Reitern, Polizisten auf Motorrädern, geleitet. In einem ebenfalls offenen Mercedes 300 folgte ihr damals 43-jähriger Ehemann im Wagen dahinter. Zu dieser Zeit reisten die Royals mit dem Zug. Ministerpräsident Kurt-Georg Kiesinger hatte die Staatsgäste vom Hauptbahnhof abgeholt.

Der königliche Besuch an einem sonnigen Montag im Mai liefert viel Stoff für Anekdoten – etwa vom Parkplatz des Fernsehturms. Als der Prinz, zurück von der Plattform des Stuttgarter Wahrzeichens, seiner vorausfahrenden Frau folgen wollte, sprang die ihm zugewiesene Limousine nicht mehr an. Polizeibeamte und Sicherheitskräfte schoben den Wagen an, auf dass er wieder anspringe. Fotos von Kurt Reim beweisen dies, der als SDR-Mitarbeiter oben auf dem Fernsehturm sein durfte und das Anschieben unten festgehalten hat.

Der Prinz wollte wissen: „Wer zahlt das alles?“

Der Herzog stieg in einen geschlossenen Ersatzwagen um. Lästermäuler wollen beobachtet haben, wie er so ausgiebig mit dem nagelneuen elektrischen Fensterheber spielte, bis die Batterie leer war. Später beim Essen im Neuen Schloss soll Prinz Philip, stets zu Späßen aufgelegt, dann gefragt haben: „Wer zahlt das alles?“ Mit trockenem englischem Humor sorgte der Husband of the Queen gern auf internationalem Parkett für Lacher, mit Vorliebe auf Kosten seiner Gastgeber oder seiner Gäste. Bestimmt fand er lustig, was in Stuttgart alles möglich wurde beim Staatsbesuch der Royals. Pannen, kleine Tricks und Improvisationen ranken sich um die Queen-Visite.

Das Datum im Goldenen Buch war nur knapp daneben

Auf Kioskvordächer, Bäume und Telefonhäuschen waren die königlichen Fans von Stuttgart gestiegen, weil es kaum freie Plätze auf den Gehwegen entlang der Fahrstrecke gab. Einfallsreichtum bewiesen auch findige Rathausbeamte. Dass man frisch streicht, um einen guten Eindruck zu machen, ist nicht neu. Für die beliebte Monarchin wurde sogar der Rasen angemalt. Um sich nicht mit dem spärlichen Graswuchs vor dem Fernsehturm zu blamieren, half die Stadt mit grüner Sprayfarbe nach.

God save the Green!

Auf dem Fernsehturm trug sich die Regentin ins Goldene Buch der Stadt ein. Darin hat das Protokoll als Datum den 23. Mai 1965 notiert. Wohlgemerkt: Die Queen kam erst am 24. Mai.

Gab’s die Frage „Where are the Horses“ wirklich?

Der Rasen, das Datum, die Autopanne – und noch eine Anekdote wird bis heute gern erzählt. Wer an den Besuch der hippophilen Königin zurückdenkt, steht vor der klassischen Frage: Where are the Horses? Wo sind die Pferde?

Diese Frage – die Zeitungsarchive sind voll damit – soll Queen Elizabeth gestellt haben, als man sie nach Marbach chauffierte. Angeblich hatte sie sich aufs Gestüt Marbach auf der Alb gefreut – doch es sollte das Marbach im Kreis Ludwigsburg mit dem Schillermuseum werden. Die tausendfach zitierte Pferdefrage ist allerdings eine Legende. Eberhard Muff, einst Protokollchef des Stuttgart-Besuchs der Queen, hat viele Jahre später verraten, wie es wirklich war. Das berühmte Zitat sei die Erfindung eines Journalisten gewesen. Die Sache mit dem Pferd war demnach eine Zeitungsente.

Eine Sekretärin des SDR war das Lichtdouble der Queen

Das Thema Pferde war heikel bei den Vorbesprechungen des Staatsbesuchs, sagte Muff. Das Protokoll des Landes wollte dem hohen Gast eine Freude machen und schlug eine Fahrt zu den Pferden vor. Doch dies lehnten die Briten ab. Sonst würden die Zeitungen der Insel bissig schreiben, selbst im Ausland habe sie immer nur Pferde im Kopf. Daher war jedem – auch der Queen – klar, dass es nicht zum Marbacher Gestüt ging, sondern ins Schillermuseum des anderen Marbachs.

Unsere Leserin Gertrud Schmidt liefert noch eine schöne Geschichte vom Fernsehturm: „Als Double von Elizabeth schrieb kurz vor der Queen eine SDR-Sekretärin im Probelicht ihren Namen Anneliese Motzer in ein Gästebuch.“ Hoch oben hatten die Fernsehleute die Fenster mit Folien beklebt, um die Königin in einem schönen Licht filmen zu können.




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