Beim ersten Seifenkistenrennen in Stuttgart nach dem Krieg saß Utz Baitinger 1949 in einem Flitzer mit Zahn & Nopper als Sponsor. Erinnerungen an das Traditionshaus, das der Ur-Großvater von OB Frank Nopper gegründet und das gegen Baumärkte verloren hat.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Der tollkühne Rennfahrer in einer blitzschnellen Seifenkiste war süße elf Jahre alt, als er mit der Nummer 112 gestartet ist. Wir blicken auf einen Juli-Tag des Jahres 1949 zurück. Professor Utz Baitinger, bis 1989 Leiter des Karlsruher Institut für Technologie (KIT), hat uns ein wunderbares Foto aus seinen Kindheitstagen geschickt. Schon damals gab es Sponsoren beim Sport. Auf dem Vorderfront seines Flitzers steht „Zahn – Nopper“ – ein einstmals bekannter Name eines Traditionshauses, der zu den vielen Stuttgarter Geschäften des Einzelhandels gehört, die aus der City verschwunden sind.

Die Räder stammten aus dem alten Kinderwagen

Der Begriff Seifenkiste (englisch: soap box) stammt aus den USA und geht auf einen Zeitungsreporter zurück, der 1933 junge Menschen in Ohio beim Basteln von Kinderautomobilen fotografierte. Sie verwendeten hölzerne Verpackungskisten eines Seifenmittelherstellers. Den Sport brachten US-Soldaten nach Deutschland. Gelenkt wird mit Seilen. „Beim Bau meiner Seifenkiste unterstützte mich, handwerklich und mit Material, die Firma Zahn & Nopper, die es damals in der Tübinger Straße noch gab“, erinnert sich Professor Baitinger. Die vier Räder stammten aus seinem alten Kinderwagen. Als Rennstrecke diente die abschüssige und kurvenreiche Friedrich-Ebert-Straße zwischen dem Weißenhof und der Heilbronner Straße. Vor 20 000 begeisterten Zuschauern kam der gebürtige Stuttgarter, der später ins Karlsruhe gearbeitet hat, auf einen ehrenvollen Platz im Mittelfeld. „Dass ich mein Bestes gab“, sagt er heute, „zeigt mein abgekämpfter Gesichtsausdruck“.

OB Frank Nopper verrät, wie er mit dem Firmengründer verwandt ist

Zahn & Nopper war ein zentral gelegenes Fachgeschäft, das nicht für eine riesige Auswahl an Schrauben, Dübel und Haken bekannt war, sondern auch Dekorationsware für den Haushalt im Sortiment hatte. Zahn & Nopper ist ein Beispiel dafür, wie ein Traditionsgeschäft durch Baumärkte „auf der grüne Wiese“ nach und nach kaputt gemacht worden ist.

Im OB-Wahlkampf ließ der heutige Rathauschef Frank Nopper (CDU) nicht unerwähnt, dass er Nachfahre dieses Geschäfts ist. Für unser Geschichtsprojekt Stuttgart-Album erklärt er nun genau die verwandtschaftlichen Verhältnisse: „Einer meiner Ur-Großväter hat die Eisenwarenhandlung Friedrich Nopper im Jahr 1816 im Stuthaus direkt neben der Stiftskirche gegründet. Im Jahr 1900 verschmolz sie mit der Zahn & Compagnie zu Zahn-Nopper. Viele Vorfahren von mir haben die Geschäfte der Eisenwarenhandlung Friedrich Nopper und später von Zahn-Nopper geführt, zuletzt mein Großvater Friedrich Nopper. Der Einzelhandel saß an der Tübinger Straße, der Großhandel und der Stahlhandel in Zuffenhausen an der Zahn-Nopper-Straße, die heute noch diesen Namen trägt. Zur Zeit, als das Seifenkistenrennen von Ihrem Foto stattfand, war mein Großvater Geschäftsführer.“

Lob für die „hilfsbereiten Mitarbeiter“ von Zahn & Nopper

Manuel Probst, ein Kommentator unseres Stuttgart-Albums, erinnert sich: „Bis in die frühen 2000er gab es eine Zahn und Nopper Filiale am Ostendplatz im heutigen Rewe (früher HL) im Untergeschoss. Dort befindet sich heute der Getränkemarkt von Rewe.“ Carmen Lindner schreibt: „Ich war als kleines Kind oft mit meinem Vati dort, später wurde ich dann mit einer Einkaufsliste dort hin geschickt. Dank der hilfsbereiten Mitarbeiter kam ich auch immer mit den richtigen Dingen nach Hause.“

Dieter Meckelein blickt zurück: „Die Technischen Werke der Stadt Stuttgart (TWS), wie der städtische Energie- und Wasserversorger damals hieß, hatten unter den Meldern von Straßenbeleuchtungsstörungen jedes Jahr ein paar Gutscheine zum Einkauf bei Zahn Nopper verlost. Als fleißiger Melder war ich einige Male unter den Gewinnern und habe damit als Schüler bei Zahn & Nopper meinen Bedarf an Installationsmaterial für mein Hobby Beleuchtungstechnik gedeckt.“

Und Charles C. Urban lässt wissen: „Im Jahr 1973 begann ich meine Zahntechnikerlehre auf der Tübinger Straße. Das Dental Labor teilte sich eine große Altbauwohnung an der Ecke Sophienstrasse mit dem Rechtsanwalt Manfred Nopper. Wir hatten drei Räume und die Kanzlei hatte drei Räume und eine kommunale Toilette. Wir waren auch so eine Art Zahn und Nopper.“

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