Wenn der Berg ruft, schnüren viele Menschen die Wanderschuhe. Aber warum wandert eigentlich niemand durch die Stadt. Die Sache ist nicht ohne Reiz hat einen bestechenden Vorteil.

Lokales: Tom Hörner (hör)

Stuttgart - Die Idee ist an einem klaren, kalten Wintertag einstanden. Die Kinder wollten ins Kino, der Vater gern raus und sich an der frischen Luft bewegen. Also kam man auf die Idee, das eine mit dem anderen zu verbinden. Feste Winterschuhe an, rein in die warme Jacke – und los ging’s zum Kino.

Eigentlich war der Plan, auf dem Rückweg die Stadtbahn zu nehmen. Aber die Kinder hatten Geschmack am Kinowandern gefunden und traten den Rückweg aus freien Stücken zu Fuß an. Vielleicht taten sie es auch, weil es inzwischen Nacht geworden war und die Winterlandschaft in ganz anderem Licht erschien. So wurde der Kinobesuch selbst für den Vater zu einem unvergesslichen Erlebnis, auch wenn der beim Film bereits nach zehn Minuten eingenickt war.

Marschverpflegung kann man sich sparen

Schon komisch, warum schnüren wir Wanderstiefel nur dann, wenn der Berg ruft? Warum nicht mal die Stadt in festem Schuhwerk erkunden? Es muss ja nicht entlang der Heilbronner oder der Hauptstätter Straße sein. Wer nicht zur Der-Weg-ist-das-Ziel-Gemeinde zählt, kann zweckbestimmt loslaufen: ins Restaurant, in die Wilhelma, zum Fernsehturm, in die Staatsgalerie, zum Killesberg, ins Stadion. Ja selbst zu einem Einkaufsbummel kann man auf Schusters Rappen aufbrechen. Wer für den Rückweg keinen Packesel parat hat, benutzt öffentliche Verkehrmittel.

Eine Marschverpflegung kann sich der Stadtwanderer sparen: Lokale, Einkaufsläden oder Tanken gibt es meist genug am Wegesrand. Und was das Schönste ist: Wenn einen wirklich mal die Kräfte verlassen oder man einfach keine Lust mehr hat – die nächste Bus- oder Bahnhaltestelle ist nur ein Katzensprung entfernt. Ein Luxus, auf den der Wanderer in Gottes freier Natur nicht bauen kann. Gerade auch aus diesem Grund ist Stadtwandern mit Kindern eine feine Sache.

Werde Schrittmacher einer Trendsportart

Selbst zu seinem Arbeitsplatz ist der Autor, wiewohl der damals gut 20 Kilometer und 300 Höhenmeter entfernt lag, schon mal ziemlich früh am Morgen in Wanderschuhen aufgebrochen. Hunderte Mal hatte er die Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt. Aber als Wanderer entdeckte er plötzlich markante Häuser und verwunschene Gärten, die ihm beim Vorbeiradeln nie aufgefallen waren.

Also, Frauen, Männer, Kinder, festes Schuhwerk an und los geht’s. Noch habt ihr die Chance, Schrittmacher für eine neue Trendsportart zu werden.

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