Stuttgart-Degerloch Warum Corona das Ramsbachtal zum Nadelöhr macht

Von Tilman Baur 

Unter normalen Umständen wären die Bauarbeiten im Ramsbachtal in Stuttgart-Degerloch ein Grund zur Freude. In Corona-Zeiten kommen sich wegen der Straßensanierungen allerdings Molkereifahrzeuge, Bauarbeiter und Spaziergänger in die Quere.

Als die Arbeiten geplant wurden, konnte keiner wissen, dass das Ramsbachtal zur noch beliebteren Spazierroute wird. Foto: Baur
Als die Arbeiten geplant wurden, konnte keiner wissen, dass das Ramsbachtal zur noch beliebteren Spazierroute wird. Foto: Baur

Degerloch - Das Timing der Bauarbeiten im Ramsbachtal hätte schlechter sein können. Doch natürlich konnte das Tiefbauamt den Ausbruch der Corona-Pandemie nicht vorhersehen. Die verhängten Kontaktverbote haben nämlich zu einer Hochkonjunktur des Ramsbachtals als Freizeitort geführt – allein oder zu zweit spazieren zu gehen, ist schließlich noch erlaubt. Zu Beginn der kühlen, aber sonnigen Woche trieb es ganze Heerscharen auf die Feldwege. Gleichzeitig sind allerhand Baumaschinen unterwegs, weil mehrere Sträßchen und Wege rund um das Gebiet Hoftäle saniert werden. Dazu kommt ungewohnter Lieferverkehr.

Eine Herausforderung für den Bauernhof

Denn zu den Leidtragenden der Bauarbeiten gehören nicht nur die Spaziergänger, sondern auch der Landwirtschaftshof Hiller, der in diesen Wochen fast abgeriegelt ist. Sowohl auf der Zufahrt über Hoffeld als auch auf jener über die Ohnholdstraße und den Farrenweg finden Bauarbeiten statt. Deshalb kommen die Lastwagen der Molkerei nun über das Ramsbachtal, um die Milch vom Hof abzuholen. Eine Herausforderung nicht nur für die Fußgänger, sondern auch für den milcherzeugenden Betrieb. „Wir versuchen, das Problem so gut wie möglich zu lösen, und sind dabei auch in Kontakt mit der zuständigen Firma und dem Tiefbauamt. Wir haben ein gewaltiges Problem mit unseren Zulieferern“, sagt Christine Knobloch-Hiller. „Der Milchwagen fährt normalerweise zum Waldweg hinten rein, jetzt muss er durchs Tal.“

Kunden fänden teils den Weg zum Hof nicht mehr

Der Hof werde immer wieder auch zum Lagerplatz für die Geräte der Baufirmen umfunktioniert, und Baumaschinen führen mitten durch den Hof. Im Betrieb schränke man sich so stark wie möglich ein, damit die Bauarbeiten voranschreiten könnten. Wirtschaftliche Einbußen gebe es auch, denn zum Teil fänden Kunden den Hof nicht mehr. „Wir lotsen sie dann kreativ übers Telefon her“, sagt Knobloch-Hiller. Auch, wenn die meisten Spaziergänger Verständnis hätten, gebe es immer wieder auch welche, denen das nicht passe. Vor allem in diesen Tagen, in denen das Tal der „neue Stadtpark“ geworden sei, wie Knobloch-Hiller scherzt.

Das Verständnis der Leute dafür, dass der Lieferverkehr jetzt über die schmalen Wege im Tal verlaufe, halte sich in Grenzen. Die Arbeiten seien jedoch nötig, findet sie. „Es ist schon lang im Gespräch, dass es gemacht werden soll, wir wussten das und sind eigentlich froh darüber. Denn die Wege wurden nie ausgebessert, teilweise sind große Schlaglöcher drin“, sagt sie. Laut Stadt ist das Ende der Arbeiten für Mitte April vorgesehen – der Zeitpunkt, bis zu dem der Stillstand des öffentlichen Lebens mindestens anhält.

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