Stuttgart-Hohenheim Klagen über Radau im Park lösen Echo aus

Von Caroline Holowiecki 

Eine Anwohnerin ist genervt von nächtlichem Lärm aus den Hohenheimer Gärten. Dass sie dort auch Autos gesehen haben will, hat viele im Ort aufhorchen lassen. Die Einschätzungen dazu gehen allerdings auseinander.

Tagsüber sind die Hohenheimer Gärten  besonders bei Spaziergängern beliebt. Was aber spielt sich dort nachts ab? Foto: dpa/Sebastian Kahnert
Tagsüber sind die Hohenheimer Gärten besonders bei Spaziergängern beliebt. Was aber spielt sich dort nachts ab? Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Hohenheim - Die Schilderungen von Anna Müller klingen drastisch. Die ehemalige Hohenheimer Studentin, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wohnt seit 2007 direkt am Uni-Park und berichtet von gravierenden Lärmbelästigungen durch feiernde Jugendliche in lauen Nächten. „Party ist da mindestens ein- bis zweimal die Woche“, klagt sie, und das nicht nur an Wochenenden. Außerdem seien immer wieder Böllerschüsse zu hören und Autos im exotischen Garten zu sehen.

Die drastische Schilderung verblüfft das Bezirksamt

Unsere Berichterstattung und vor allem die Tatsache, dass der Park offenbar befahren wird, haben ein großes Echo hervorgerufen. Im Ort herrschen geteilte Meinungen darüber, wie schlimm die Belästigungen tatsächlich sind. Während der Uni-Sprecher Florian Klebs bestätigt, dass sich in den warmen Monaten junge Leute nachts im Park treffen und Müll hinterlassen, und auch aus dem Ordnungsamt zu hören ist, dass vereinzelt Klagen eingingen, aber in der Tendenz leicht zunähmen, gibt sich Andrea Lindel, die Bezirksvorsteherin, verblüfft. „Bei uns ist noch nie eine Beschwerde von Anwohnern eingegangen. Wir haben uns alle gewundert“, sagt sie. Und Autos im Park – das könne sie sich erst recht nicht vorstellen.

Auch bei der Mobilen Jugendarbeit sind die Streetworker, die regelmäßig in Zweierteams durch den Park ziehen, angesichts der Situation, wie Anna Müller sie schildert, überrascht. „Wir konnten das in der Form nicht nachvollziehen“, sagt Kristin Mögelin. Ja, Jugendliche träfen sich durchaus in der Anlage, und da könne es, je nach Alkoholpegel, auch mal lauter werden, doch ständig sei das keineswegs der Fall. „Das subjektive Empfinden spielt eine große Rolle“, glaubt Kristin Mögelin. Autos habe man in den Gärten noch nie angetroffen.

Die Anwohnerin Anna Müller bleibt dabei: Sie hat nachts schon mehrfach Fahrzeuge im Park gesehen, „bestimmt fünfmal in der Saison“. Die Autos stehen demnach mit eingeschalteten Scheinwerfern und aufgedrehter Musikanlage auf dem Gelände. „Ich war auch schon unten und habe am Zaun gestanden. Da gibt es nichts dran zu rütteln“, stellt sie klar, und dass es diese und andere Probleme gebe, habe sie längst mehrfach diversen Stellen an der Universität gemeldet.

Teils wurden schon Bänke zerstört und Scheiben eingeschlagen

Adolf Martin Steiner, ein Uni-Kenner und Ortshistoriker, ist ebenfalls Anwohner und bestätigt, dass es Belästigungen gibt. „Wir hatten schon Exzesse, bei denen Bänke zerstört oder am römischen Wirtshaus Scheiben eingeschlagen wurden“, erzählt er, auch Müll sehe er. Allerdings differenziert er. Er spricht von „einzelnen, sehr bedauerlichen Ereignissen“. Adolf Martin Steiner wird 83, „früher habe ich auch mal gesponnen“, sagt er. Jugendliche müssten sich irgendwo treffen dürfen. Autos habe er noch nie gesehen, „aber ich kann es nicht ausschließen, weil die Polizei auch durchfährt“.

Rainer Bäßler, technischer Leiter in den Hohenheimer Gärten, steht nun mit der Anwohnerin in Kontakt. Sollte es wieder Stress geben, werde man zusammenarbeiten und die Polizei holen, teilt Uni-Sprecherin Dorothea Elsner mit. Auch werde möglicherweise der Sicherheitsdienst verstärkt. Seit 2019 patrouilliert Security zu den neuralgischen Zeiten, also in erster Linie an Wochenenden. „Dass Anwohner gestört werden, darf nicht sein“, betont sie. Den Park absperren kann und will man indes nicht. Erstens sei es nicht praktikabel, Poller könnten einfach umfahren werden. Zweitens widerspricht es der Idee von Landschaftsgärten.“ Viele Menschen nutzten den Park in den Abendstunden, etwa als Abkürzung oder um den Sonnenuntergang zu genießen, „das will man ihnen nicht verwehren“.

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