Stuttgart-Rebels-Kapitän Tim Becker Harte Checks als Erinnerung

Von Daniel Bilaniuk 

Eishockey in der vierten Liga ist nicht immer ein Vergnügen. Tim Becker kann ein Lied davon singen. Er spielte schon in Balingen oder Bad Liebenzell – aber die meiste Zeit in Stuttgart auf der Waldau.

Feuer frei – für Tim Becker von den Stuttgart Rebels Foto: Baumann
Feuer frei – für Tim Becker von den Stuttgart Rebels Foto: Baumann

Stuttgart - Der Mann ist 35. Da ist man nicht mehr taufrisch. „Da spürt dein Körper jeden harten Check, den du bekommst, auch in den nächsten Tagen“, sagt Tim Becker, der Kapitän der Stuttgart Rebels aus der Eishockey-Regionalliga. Eingesteckt hat Tim Becker viele solcher gemeinen Checks an der Bande – auch an diesem Sonntag gegen den EHC Zweibrücken wird das wieder so sein.

Seit 2001 jagt der Außenstürmer mit kurzen Unterbrechungen dem Puck im Trikot des Stuttgarter Eishockey-Clubs (SEC) nach. An seinen Start zu Oberligazeiten Anfang der 2000er Jahre mit den Wizards hat der Fan der Eisbären Berlin gemischte Erinnerungen. Tim Becker stand damals zwar regelmäßig auf dem Eis, traf aber selten ins gegnerische Tor. „Wir haben zu den zwei Spielen an den Wochenenden viermal die Woche trainiert. In der Vorbereitung sogar zweimal am Tag – das war heftig, aber sehr professionell“, erzählt er. Nach Abstechern zum ESV Balingen, dem ESV Zollernalb und dem ESC Bad Liebenzell steht Becker seit 2009 wieder für die Rebels auf dem Eis.

Es gibt höchstens Fahrtgeld

Aus sportlicher Sicht kein Vergleich zu den Oberligazeiten. „Heute haben wir an den Spieltagen meist 15 Spieler und zwei Torhüter zur Verfügung. Wenn einer am Freitag Spätschicht hat, kann er abends nicht auf dem Eis stehen“, sagt der Außenstürmer. Während die Rebels auf Spieler aus der eigenen Jugend setzen, rüstet manchner Liga-Konkurrent auf. „Bei den Eisbären Heilbronn stehen mittlerweile ehemalige Zweitliga-Profis auf dem Eis, die werden nicht umsonst spielen. Finanzielle Anreize können wir allerdings nicht bieten. Hier sind wir froh, wenn es mal etwas Fahrtgeld gibt“, sagt der Familienvater, der zu Training und Spielen aus Mössingen auf die Waldau fährt.

Erfahrene Akteure, die dem Verein weiterhelfen, landen im Grunde nur per Zufall bei den Rebels. „Das sind Spieler, die es beruflich- oder studienbedingt nach Stuttgart verschlagen hat“, sagt er. Die mäßigen sportlichen Ergebnisse sind für Becker daher keine Überraschung, derzeit sind die Stuttgarter Vorletzter. Gegen die Eisbären Heilbronn, die um den Titel mitspielen, am Freitag kommender Woche (20 Uhr) sind die Rebels in der heimischen Eiswelt Waldau wieder einmal nur der krasse Außenseiter.

Becker hofft auf Verstärkung

Vergnügungssteuerpflichtig waren auch die letzten Rebels-Jahre aus sportlicher Sicht selten. „Die Liga wurde dank vieler Altstars von Saison zu Saison stärker. Wenn man so oft verliert wie wir, macht es nicht immer Spaß, von September bis Februar an Freitag und Sonntag aufs Eis zu gehen“, sagt der gebürtige Dessauer. Und doch ist der Kapitän der jungen Regionalliga-Truppe nicht gänzlich unzufrieden mit der Lage im Verein. „Uns geht es insgesamt nicht schlecht. Wir haben von der Ausrüstung bis hin zu einem motivierten Trainerteam alles, was man für ein Eishockey-Team braucht“, berichtet er. Für die Zukunft hofft er dennoch darauf, dass „der Club wieder etwas Geld in die Hand nehmen kann, um eine schlagkräftige Mannschaft ins Rennen zu schicken“.

Daran will es der 35-Jährige auch festmachen, wie lange er für die Rebels dem Puck hinterjagt. „Die Leidenschaft fürs Eishockey ist auf jeden Fall noch da“, betont er. Von den restlichen Spielen wollen Becker und seine Rebels so viele wie möglich gewinnen. Gegen Hügelsheim, dem letzten Spiel vor der Weihnachtspasue, gelang das nicht. Mit 1:5 mussten sich die Stuttgarter am Ende einem deutlicher erfahreneren Gegner geschlagen geben – das Tim Becker den einzigen Rebels-Treffer erzielt hat, war kein Trost. Denn in den Tagen danach hat der Kapitän noch immer die harten Checks gespürt.