Stuttgart von oben – Blick auf den Fasanenhof Der Fasanenhof verdrängt die Ackerfläche

Von Rebecca Beiter 

In unserer Serie „Stuttgart von oben“ blicken wir heute auf das Wohngebiet Fasanenhof im Süden von Möhringen. Vor 50 Jahren stand konnte man dort noch über Wiesen und Feldern spazieren.

Auf der ehemaligen Ackerfläche entstand ab 1960 der Fasanenhof. Foto: Stadtmessungsamt/Plavec
Auf der ehemaligen Ackerfläche entstand ab 1960 der Fasanenhof. Foto: Stadtmessungsamt/Plavec

Fasanenhof - Felder, Wiesen, ein Bauernhof– so sah das Gebiet des Stuttgarter Fasanenhofs bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts aus. Wo sich heute Reihenhaus an Reihenhaus reiht, konnte man in den 50ern noch in aller Ruhe in der Natur lustwandeln. Die Luftaufnahmen von 1955 und von 2015 zeigen, wie stark sich der Fasanenhof in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Aus Natur, Wiese und Wald wurde eine dicht bebaute Wohnsiedlung.

Seinen Ursprung hat der Fasanenhof im Jahr 1730, als Herzog Eberhard Ludwig V. von Württemberg auf den Flächen eine Fasanerie errichtete – namensprägend bis heute. 1783 bauten Herzog Karl Eugen und Franziska von Hohenheim dort außerdem ein kleines Lustschluss, geschickt gelegen zwischen Hohenheim und Solitude.

Das Salute war einst das höchste Wohngebäude Deutschlands

1940 erwarb die Stadt Stuttgart die Fläche. Erst 1960 mussten hier die Grashüpfer und Feldmäuse den ersten Straßen und Siedlungen weichen. In diesem Jahr verband die neu errichtete Straße zwischen Fasanenhof und Möhringen erstmals die beiden Stadtteile. Ebenfalls 1960 begannen somit die ersten Bauarbeiten für den neuen Stadtteil. Für 10 000 Einwohner wurde das Neubaugebiet damals geplant, momentan leben knapp 7000 Menschen auf dem Fasanenhof.

Heute prägt insbesondere ein Bauwerk das Stadtbild des Fasanenhofs. Rund 70 Meter hoch ragt das Hochhaus Salute in den Himmel. Die Farbe Blau, die seine Fassade ziert, lässt den Wohnturm nicht gänzlich mit dem Himmel verschmelzen. 20 Stockwerke bieten Platz für 139 Wohnungen. 1961 wurde der Grundstein gelegt. Zwei Jahre später zogen die ersten Bewohner ein, von denen viele immer noch in ihren Wohnungen leben, teilweise sogar in dritter Generation. Das Salute zeichnet eine besondere Architektur aus, die sich auf den ersten Blick nicht sofort erschließt. Balkone ragen aus der Fassade heraus, brechen sie auf. Zwei gefächerte Flügel bilden den Grundriss, die mittig über ein Treppenhaus miteinander verbunden sind. In jedem dieser Flügel finden je vier Wohnungen ihren Platz.

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Für das imposante Bauwerk entwarf der Architekt Hans Scharoun die Pläne. Die eigenwillige und herausstechende Architektur wurde 1967 mit dem renommierten Paul-Bonatz-Architekturpreis ausgezeichnet. Heute steht es unter Denkmalschutz.

360-Grad-Blick über die Filderebene

Die Logistik eines solchen Hochhauses ist kompliziert. Stromkabel, so dick wie Arme, führen in das Haus. Insgesamt 45 Kilometer elektrische Leitungen sind laut Stuttgarter Amtsblatt aus dem Jahr 1961 im Haus verbaut, dazu 4000 Quadratmeter Fensterglas. 350 Tonnen Stahl liegen in den Mauern des Gebäudes. Zum Vergleich: Der Eiffelturm hat rund 10 000 Tonnen Stahl verschlungen.

Mit insgesamt 64 Metern Höhe war das Salute sogar kurzzeitig das höchste Wohnhaus Deutschlands. Die Aussichtsterrasse des Hauses auf 62 Metern Höhe ist jedoch bis heute der höchste Punkt im Fasanenhof.

Von hier aus hat man eine 360-Grad-Sicht über die Filderebene. Die A 8 zieht ihre Schneise durch die Landschaft. Flugzeuge landen im Osten, während im Westen die Sonne über Vaihingen untergeht. Aus dieser Höhe sieht die gelbe Straßenbahn nur noch wie ein Spielzeug aus – hineingesetzt in eine Miniaturlandschaft aus Äckern, Wiesen, Bäumen und länglichen Puppenhäusern, die den Stadtteil Fasanenhof bildet.

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