Stuttgart will erst beim CSD Flagge zeigen OB Nopper lehnt Botschaft des Regenbogens zum EM-Spiel ab

Vor dem Rathaus in Göppingen hängt die Rainbow-Flagge. Foto: Instagram/Allworldisgreen 9 Bilder
Vor dem Rathaus in Göppingen hängt die Rainbow-Flagge. Foto: Instagram/Allworldisgreen

An den Rathäusern von Göppingen und Esslingen hängen Regenbogenfahnen – Stuttgart lehnt dies ab. OB Frank Nopper (CDU) will erst im Juli beim CSD gegen Ungarn protestieren – und wird dafür von CDU-Kreischef Stefan Kaufmann kritisiert.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - „Ohne Wenn und Aber“, stellt der Stuttgarter OB Frank Nopper (CDU) gleich zu Beginn des Gesprächs mit unserer Redaktion klar, lehnt er die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten energisch ab – und damit auch das jüngste Gesetz zur Einschränkung von Informationen über Homosexualität und Transsexualität in Ungarn. „In dieser Frage sind wir überhaupt nicht auseinander“, sagt er mit Blick auf seinen Münchner OB-Kollegen. Der dortige SPD-Rathauschef Dieter Reiter hat mit seinem gescheiterten Versuch, die EM-Arena zum heutigen Spiel von Deutschland gegen Ungarn in den Regenbogenfarben zu beleuchten, quer durchs Land viel Lob für seine Forderungen und für seine Geradlinigkeit erfahren.

Nopper will im Juli beim CSD gegen Ungarn protestieren

Während in vielen deutschen Städten nun die Symbolfarben der Toleranz und Akzeptanz erstrahlen, lehnt es OB Nopper ab, das Stuttgarter Rathaus ebenso zu beflaggen oder die Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena bunt zu beleuchten. „Es handelt sich um ein Sportereignis“, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion, „da wäre es falsch, die Spieler mit einer politischen Botschaft zu empfangen.“ Schließlich könne die ungarische Nationalmannschaft nichts für die Gesetze in ihrer Heimat. Der OB will das Thema aber im Juli beim Empfang des Christopher Street Days (CSD) im Stuttgarter Rathaus zur Sprache bringen und eine Protestnote nach Ungarn schicken.

Göppingen und Esslingen hissen Rainbow-Flagge am Rathaus

In Nachbarstädten von Stuttgart sieht man dies anders. Der Esslinger OB Jürgen Zieger (SPD) hat „solidarische Grüße“ an seinen Münchner OB-Kollegen geschickt und am Alten sowie am Neuen Rathaus in Esslingen zum Vorrundenspiel die Regenbogen-Flaggen gehisst. „Für Vielfalt und selbstbestimmte Lebensformen und gegen Homophobie zu sein, hat weniger mit Politik zu tun als vielmehr mit den Menschenrechten und den geltenden Werten unserer Verfassung“, erklärt Zieger. Deshalb sei die Entscheidung der Uefa gegen einen Regenbogen-Stadionbeleuchtung in München „beschämend“.

Auch vor dem Göppinger Rathaus hängen nun die Farben der LGBT-Community. Die Entscheidung der Uefa gegen die Regenbogen-Beleuchtung konterkariere „jegliche Werbefilmchen des Verbands zum Thema Respekt“, erklärt der Göppinger OB Alexander Maier (Grüne).

Stuttgarter Promis tragen die Rainbow-Binde

Seinem Parteifreund Nopper widerspricht der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann. Der MdB hält es für wichtig, gerade jetzt Flagge zu zeigen und damit nicht auf den CSD zu warten. „Ich hätte mir ein Zeichen der Stadtverwaltung gewünscht, so wie das auch in anderen Städten der Region möglich ist“, sagt er unserer Redaktion. Es gehe „hier ja um ein Zeichen insbesondere an die Uefa.“ Dies müsse in einem zeitlichen Zusammenhang zur EM stehen.

Mit Stuttgarter Promis wie Eric Gauthier (Ballett), Helene Schneiderman (Oper), Lissi Fritzenschaft (Modedesign), Thomas Diehl (Weingut) und Denis Keser (Stuttgart Electronic Music Fest) hat er in den sozialen Medien eine Initiative zum heutigen Vorrundenspiel der EM gestartet. Alle tragen „mit Stolz“ die Rainbow-Kapitänsbinde von Manuel Neuer und fordern eine „klare Abgrenzung gegen Homophobie“.

Kritik an Nopper auch von der SPD, den Grünen und Luigi Pantisano

Kritik an Noppers Haltung kommt auch von der SPD-Bundestagskandidatin Lucia Schanbacher. „Stuttgart ist eine weltoffene und tolerante Stadt“, erklärt sie, „die Äußerungen von OB Nopper zeigen, dass er immer noch nicht in dieser Stadt angekommen ist.“ Mit seiner Meinung vertrete der CDU-Politiker nicht das, „was wir hier in Stuttgart schon seit langer Zeit jeden Tag leben“. Dies sei ein „Schlag ins Gesicht aller, die sich engagiert für Vielfalt in unserer Stadt einsetzen“.

MdB Cem Özdemir von den Grünen kritisiert ebenso den Stuttgarter OB. „Sich rauszuhalten und auf den CSD zu verweisen, ist untragbar gegenüber der LGBTIQ-Community, auf die wir in Stuttgart sehr stolz sind!“, schreibt er auf Twitter. Gegenüber unserer Zeitung ergänzt der Grünen-Abgeordnete: „Nur am CSD für die Rechte queerer Menschen einzutreten, ist viel zu wenig. Gleichberechtigung ist das ganze Jahr angesagt.“

Auf großes Unverständnis sorgt Nopper auch bei Stadtrat Luigi Pantisano. „Wir stehen an der Seite der LSBTTIQ-Community und nicht an der von menschenfeindlichen Despoten“, erklärt er. Die Absage der Stadt Stuttgart, sich an den vielen Aktionen der Solidarität zu beteiligen sei „beschämend“ und beschädige den liberalen Geist „unserer Stadt nur noch weiter“.

Hätte Frank Nopper, wäre er OB von München, ebenso gehandelt wie sein Kollege Dieter Reiter und klare Kante gezeigt? Der Stuttgarter OB will darauf keine klare Antwort geben. „Da bin ich zu wenig drin in der Materie“, antwortet er.




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