Stuttgart-Zuffenhausen Florierender Fahrradbasar

Von Georg Linsenmann 

Bei herrlichem Sonnenschein haben beim Basar der Fahrradoffensive vor der Zuffenhäusener Zehntscheuer mehr als 50 Räder den Besitzer gewechselt.

Begutachten, Probe fahren, verhandeln und zuschlagen: Bei dem Fahrradbasar  vor der Zehntscheuer  wechseln  einige Räder den Besitzer. Foto:  
Begutachten, Probe fahren, verhandeln und zuschlagen: Bei dem Fahrradbasar vor der Zehntscheuer wechseln einige Räder den Besitzer. Foto:  

Zuffenhausen - Es geht gleich gut los auf dem Platz vor der Zehntscheuer, denn die Einradsportlerinnen der SV Zuffenhausen zeigen, dass Fahrradfahren nicht nur eine praktische Sache ist, sondern darüber hinaus auch ansteckende Freude bereiten kann. Entsprechend der Applaus für die artistischen Figuren-Fahrten, mit denen schon die Jüngsten mit ihrer Vorführung begeisterten. Das Sahnehäubchen obendrauf lieferten den an die hundert Zuschauern dann Emma und Katharina mit einem finalen Tänzchen auf dem Einrad. Postwendend ging es dann ans Eingemachte: Begutachten und Probe fahren, verhandeln und zuschlagen. Oder vielleicht doch noch nach einer Alternative Ausschau halten? Josefine, Rentnerin, leistet Überzeugungsarbeit: „Bei einem kleinen Fachhändler in Rot gekauft, gut gepflegt. Das Rad ist wirklich in Ordnung“, und ihr Mann fügt hinzu: „Komplett saniert, quasi TÜV-geprüft.“ Warum sie es dann aber loswerden will? „Ich wohne am Berg und habe keine Lust mehr zum Schieben“, sagt Josefine, deshalb sei sie jetzt auf ein E-Bike umgestiegen. Die Interessentin kommt aus Stuttgart-Mitte, fährt eine Runde und schlägt zu: „20 Euro, da kann man nichts falsch machen.“

In der Mehrzahl werden Kinder- und Jugendräder angeboten. Dass Rudolf’s Eltern schon eines ergattert haben, ist unüberhörbar, denn der Fünfjährige hat mächtig Spaß mit der Klingel, während seine kleine Schwester auf den Gepäckträger drängt: „Ein gutes Rad“, sagt der Papa. „Damit kann er jetzt das Radeln lernen.“ Stolz ist auch Lukas, acht Jahre alt, auf sein neues Gefährt, das er, na klar, „einfach cool“ findet. Komplizierter ist das bei seinem älteren Bruder. Der hätte zwar das Richtige gefunden, doch leider passt die Farbe nicht. Dunkelblau müsste es sein, bei diesem aber ist das Blau nicht dunkel genug. Dann entdeckt er ein solches, aber nun passt der knallige Roteffekt nicht. Vergeblich auch das sanfte Zureden der Eltern, der Junge will was anderes.

Veranstalter ist zufrieden

Nebenan jauchzt Cornelia Kuchler : „Ich freue mich einfach, dass jemand den Kindersitz mag.“ Der wird auch gleich aufs neue Rad von Sophia Monteiro montiert, die eigentlich ein Damenfahrrad gesucht hatte. Ihr Mann aber hat eine sportliche Alternative entdeckt, ist Probe gefahren, hat Bremsen und Züge gecheckt. Sie selbst hat es nicht ausprobiert? „Ich habe Vertrauen in meinen Mann!“ sagt sie, was auch die gute Laune spiegelt, die das lebhafte Treiben hier auszeichnet.

Frustriert ist allerdings Ewald Baumann, der Gründer des Vereins „Technik und Solidarität“, der ehrenamtlich Fahrräder für Afrika sammelt. 60 hatte er kürzlich in Fellbach bekommen, hier nur zwei: „Ich habe einen Transporter gemietet, bin von Schwenningen hergefahren. Die 200 Euro sind jetzt für die Katz.“ Einen Hingucker hat er übrigens auch dabei: ein Rad mit einem Rahmen aus Bambus, in Ghana gefertigt. „Klasse, fährt sich total leicht“, sagt eine Testfahrerin. „Wir wollen Wertschöpfung für Afrika schaffen, so könnte man Fluchtursachen bekämpfen“ sagt Baumann – nun ein bisschen weniger zerknirscht. Voll zufrieden aber ist Peter Blum von der veranstaltenden Fahrradoffensive: „Das ist total gut gelaufen heute, deutlich besser als im Vorjahr.“




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