Stuttgarter Altstadt Ansturm zur Eröffnung der Gin-Bar im Rotlichtviertel

Im Leonhardsviertel ist die  Gin-Bar Botanical Affairs eröffnet worden. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky 13 Bilder
Im Leonhardsviertel ist die Gin-Bar Botanical Affairs eröffnet worden. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Die Altstadt lebt - und ist nicht nur rot. In einem früheren Animierschuppen ist am Freitagabend die Ginbar Botanical Affairs Stuttgart eröffnet worden. Zum Start kamen so viele Gäste, dass das Leonhardsviertel voll war wie bei einem Straßenfest.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Wo sich einst Separees der Rotlichtbar Carole befanden und häufig angetrunkene Herren 50 Euro für ein Glas Champagner zahlten, leuchten jetzt Gin-Flaschen stilvoll auf farbig illuminierten Regalen. Von dem, was früher hier war, sind nur die Spiegel an der Decke geblieben. Wenn die erzählen könnten, was sie in den vergangenen Jahren gesehen haben! Mit der Würde des Menschen dürfte dies nicht immer was zu tun gehabt haben.

Am Freitagabend haben sich an der Decke der neuen Ginbar Botanical Affairs Stuttgart viele junge Menschen beiderlei Geschlechts gespiegelt. Die Barmixer kamen kaum nach mit den vielen Bestellungen. Die Auswahl ist riesig. Aus über 100 Gin-Sorten kann gewählt werden.

Ein schönes Entree zur Leonhardstraße

„Das Leben ist zu kurz für schlechte Drinks“, sagt Steffen Witz, der bereits die Fou Fou Bar gegenüber betreibt. Schon als Schüler hat er sein Taschengeld als Barkeeper aufgebessert. Der 41-Jährige hat sich schon mit Gin befasst, als die meist farblose Spirituose mit Wacholder noch kein Trend-Getränk war und nicht so oft regional produziert worden ist wie heute. Den Stuttgartern will er mit der neuen Bar die Gin-Kultur näherbringen.

Mit seinem Partner Marcel Henke, dem Fou-Fou-Geschäftsführer, lebt Witz mitten im Leonhardsviertel über den roten Lichtern. Als die heruntergekommene Animierbar Carole an der Weberstraße 10, die sich direkt neben der Lido-Bar befindet, zugemacht hat, begann das Ringen um die Nachfolge. Steffen Witz konnte nach langem Hin und Her den auswärts lebenden Hausbesitzer überzeugen, die Räume in dem Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Hauses an ihn zu vermieten, nicht wieder an Betreibern von Rotlichtlokalen – also an die neue Zeit im Viertel. Damit hat das, was man eine Szenebar nennt, das Erotikgewerbe in der Altstadt weiter reduziert – in einem Quartier, in dem von 14 Bordellen nach dem Willen der Stadt fünf bleiben dürfen.

Weg vom Schmuddel

Mit der Fou Fou Bar auf der anderen Seite ist nun ein schönes Entree zur Leonhardstraße entstanden, weg vom Schmuddel. Am Eröffnungsabend herrschte Hochbetrieb in dem Quartier. Neugierig kamen Damen aus ihren Rotlichtbars und schauten, was sich da tut. Im nahen Eros-Center gingen Männer jeglichen Alters trotzdem ein und aus, ließen sich nicht von den Gin-Liebhabern abhalten. Etliche der Freier trugen Lederhosen. Das Volksfest, so ist zu hören, ist auch für das Leonhardsviertel ein Umsatzbringer.

An der schmalsten Gasse der Stadt

Die neue Gin-Bar Botanical Affairs ist gerade mal 20 Quadratmeter groß und befindet sich zwischen Weber- und Richtstraße.Die Richtstraße klingt nach mehr, als sie ist. Sie ist die schmalste Gasse der Stadt. Mit der neuen Bar geht der Wandel des Leonhardsviertels weiter – der ganz langsame Wandel von einem sozialen Brennpunkt zu einem „Szeneviertel“. Die neuen Wirte wie Steffen Witz träumen von einer guten Mischung aus den üblichen Bordellen und seriösen Kneipen, Handwerksbetrieben und originellen Läden. Vertreiben wollen sie die Nachbarn mit Rotlicht nicht. Die gehörten hierher und machten den Reiz des Quartiers aus, in dem sich das Fou Fou und nun auch das Botanical Affairs als „Ruhepole“ verstehen. Die Gin-Bar öffnet täglich um 17.30 Uhr. Samstags ist sie auch vormittags geöffnet, weil man sich Gin-Flaschen kaufen kann. Steffen Witz lädt außerdem zu Gin-Verkostungen und Gin-Seminaren ein.




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