Stuttgarter des Jahres Der stille Rechner im Zahlendschungel

Albrecht Wolf tut das, was er kann: Rechnen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Albrecht Wolf tut das, was er kann: Rechnen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Albrecht Wolf kümmert sich beim Verein Keks um die Finanzen. Dafür wurde er zum Stuttgarterin des Jahres gewählt, einem Ehrenamtspreis, gestiftet von der Stuttgarter Versicherungsgruppe und der Stuttgarter Zeitung.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
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Stuttgart - Albrecht Wolf hat seine Prinzipien: Er nimmt sich die Freiheit, seine Arbeitszeiten je nach Wetter einzuteilen. Und der 68-Jährige geht nicht ans Telefon. Denn er „will niemandem den Job wegnehmen“, sagt er. Außerdem ist, wenn im Keks-Haus in Stuttgart-Bad Cannstatt das Telefon klingelt, meist nicht seine Hilfe gefragt. Das weiß er, wenn er über den Zahlen, Bilanzen und Förderanträgen sitzt und die Telefonate mit einem Ohr mithört.

Albrecht Wolfs Schreibtisch steht mittendrin

Wenn in dem Haus mit den roten Fensterrahmen an der Sommerrain­straße das Telefon klingt, ist oft eine ratlose Mutter oder ein sorgenvoller Vater am anderen Ende der Leitung. Dann geht es um Kinder, deren Speiseröhre bei ihrer Geburt nicht mit dem Magen verbunden war, denen mit einer filigranen Operation geholfen werden muss oder schon geholfen worden ist, und die nun versuchen, ein normales Leben zu leben. Keks, das klingt so nett, aber hinter der Abkürzung verbirgt sich die Patienten- und Selbsthilfeorganisation für Kinder und Erwachsene mit kranker Speiseröhre, die sich als Verein gegründet hat. Zwischen 12 000 und 15 000 Menschen sind in Deutschland von dieser angeborenen Fehlbildung betroffen, sagt Anke Widenmann-Grolig vom Finanzvorstand des Vereins. Nicht einmal zehn Prozent sind Mitglied bei Keks. Das Keks-Haus in Cannstatt ist ein echtes Unikat. Hier können Familien Urlaub machen, um zwischen Krankenhausaufenthalten und anstrengendem Alltag zu verschnaufen. Hier kommen Familien unter, deren Kind in der Nähe operiert wird – wie etwa der einjährige Marrelous aus Nigeria und seine Mutter. In seinem Heimatland hätte der Junge keine Überlebenschance gehabt. Vom Arm seiner Mutter lacht er Albrecht Wolf und Anke Widenmann-Grolig fröhlich zu. Hier mittendrin in der Geschäftsstelle steht Albrecht Wolfs Schreibtisch.

Wer weiß, vielleicht wäre Wolf nie auf die Idee gekommen, hier anzuklopfen, hätten er und seine Kollegen von der IBM – seinem damaligen Arbeitgeber – nicht 2011 im Rahmen eines sozialen Projektes den Keks-Leuten beim Einzug in ihr neu gebautes Haus geholfen. Damals schleppte Wolf Umzugskisten. Heute hilft er bei der Haushaltsplanung, überwacht Spendenaktionen, erstellt Verwendungsnachweise für Projekte, entwickelt neue Datenbanken oder brütet über dem Fragebogen der Stadt zur Neuberechnung der Grundsteuer.




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