Stuttgarter Gastronomen in Not Chefin von Marthas: „Dunkle Zeiten für die Innenstadt“

Täglich geht Pia Nowotny in ihr Lokal – um die Büroarbeit zu erledigen. Zu öffnen lohnt sich nicht. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Täglich geht Pia Nowotny in ihr Lokal – um die Büroarbeit zu erledigen. Zu öffnen lohnt sich nicht. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Schon lange kämpft die Stuttgarter Innenstadt gegen die Krise, durch Corona hat sich das Problem mal eben potenziert. Pia Nowotny, die das Marthas im Königsbau betreibt, fürchtet das Allerschlimmste: Die Stadt müsse nun dringend helfen.

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Stuttgart - Das Bild, das Pia Nowotny von der Zukunft der Stuttgarter Innenstadt zeichnet, ist sehr düster. Schon jetzt sterbe der Einzelhandel, kämen nur noch große Ketten. Vor allem der inhabergeführte Einzelhandel müsse dringend von der Stadt unterstützt werden. Und die Gastronomie.

Frau Nowotny, für Essen zum Mitnehmen sind die Zeiten ja gut. Sie haben trotzdem zu?

Es kommt halt auf den Standort an. Wir sind im Herzen der Stadt. Und das ist momentan der schlechteste, den man haben kann. Unsere Zwischenlage hier im Königsbau, leicht nach hinten versetzt, macht es noch schlimmer. Das war ja die Idee der Bundesregierung: Die Zentren zu entzerren.

Zudem sind hier auch die Büros leer?

Es sind nur ganz, ganz wenige Menschen unterwegs, vor allem wenn auch noch schlechtes Wetter ist. Und ja: Homeoffice ist halt in der Regel nicht im Zentrum. Wären wir mit unserem Imbiss irgendwo in den Vororten, würde ich vermutlich auch aufmachen.

Haben Sie ans Liefern gedacht?

Das war eine Überlegung, aber wir haben einfach nicht die richtigen Produkte für den Lieferdienst. Eine Currywurst mit Pommes schmeckt nach einer halben Stunde nicht. Anschaffungen wie ein E-Bike oder ein Roller waren mir einfach zu teuer. Und professionelle Lieferdienste verlangen 30 Prozent Provision. Ich kann ja nicht plötzlich das Dreifache verlangen.

Das würde dann niemand bezahlen?

Nein. Unser Bestreben war von Anfang an, hier meine Qualitätsschiene zu fahren. Das war immer die Idee: Wenn jemand auf die Schnelle etwas essen will, keine Lust auf ein Restaurant hat, dass der eine Anlaufstelle hat. Meine Waren sind halt schon im Einkauf sehr teuer.

Rote Wurst vom Schwäbisch-Hällischen kostet deutlich mehr als die aus dem Supermarkt oder Discounter?

Definitiv. Aber darin liegt unser ganzes Konzept. An der Qualität ändere ich nichts, das sagen mir auch Gäste, die seit fast zehn Jahren kommen: ‚Bei euch schmeckt es immer noch gleich gut.‘ Das hat eben seinen Preis. Ich habe die gleichen Lieferanten wie Vincent Klink, der übrigens auch gelegentlich zu uns kommt.

Aber wenn man komplett geschlossen hat, wie will man das wieder reinholen?

Wenn im Frühjahr die Sonne scheint, bin ich positiv gestimmt. Allerdings ist bei der Außengastro auch die Stadt gefordert. Sie hat ja vergangenes Frühjahr auch mehr Fläche genehmigt, aber das hat gedauert. Und dieses Mal können wir nicht warten. Der Bund hilft, das Land hilft – und was macht die Stadt? Wir hatten jetzt fast ein halbes Jahr zu, wir brauchen jetzt unbedingt Hilfe. Und nicht nur wir.

Wer sonst noch?

Na der ganze Einzelhandel in der City. Sonst sind am Ende nur noch große Ketten da. Die inhabergeführten Betriebe muss die Stadt unterstützen, sonst drohen dunkle Zeiten für die Innenstadt.




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