Stuttgarter Opernhaus Was wird aus dem Böhm-Pavillon?

Von Ulla Hanselmann 

Mit dem Kuppelbau zwischen Verwaltungstrakt und Opernhaus hat Gottfried Böhm 1984 ein Schmuckstück geschaffen. Inzwischen ist der Pavillon für den Pausenansturm viel zu klein. Böhms Stuttgarter Architektenkollege Arno Lederer bricht dennoch eine Lanze für das von den Opernsanierungsplänen bedrohte Architektur-Kleinod.

Ein Böhm en miniature: der Pausenpavillon zwischen Verwaltungstrakt und Opernhaus Foto: Landesamt für Denkmalpflege
Ein Böhm en miniature: der Pausenpavillon zwischen Verwaltungstrakt und Opernhaus Foto: Landesamt für Denkmalpflege

Stuttgart - Für viele ist sie fester Bestandteil eines gelungenen Opernabends: die Pausenvisite am Thekenrondell im Böhm-Pavillon. Der Kölner Architekt Gottfried Böhm, der am 23. Januar seinen 100. Geburtstag feiert, hat die letzte Sanierung des Littmann-Baus verantwortet: 1984 frisierte er den nach dem Krieg verunstalteten Zuschauerraum des Großen Hauses wieder auf festlich und feudal, er modernisierte das Bühnenportal, und platzierte in einen der Innenhöfe einen Kuppelbau für die Bewirtung.

Ein Böhm en miniature: Die Kuppel im Art-déco-Stil mit Spiegel-Ornamentik hüllt die Opernbesucher schützend ein; gleichzeitig kann der Blick nach draußen schweifen. Alt und Neu verbinden sich harmonisch: „Böhm schaffte es, einen eigenständigen Entwurf, der seine Zeitgenossenschaft nicht leugnet, mit der großen Form der vorhandenen Theaterbauten verschmelzen zu lassen“, urteilte unsere Zeitung bei der Wiedereröffnung im Oktober 1984. Inzwischen ist der Pavillon für den Pausenansturm viel zu klein.

Böhms Hundertster als Anlass

Der Stuttgarter Architekt Arno Lederer beschreibt das Schmuckstück als „eine der schönsten kleinen Architekturinterventionen, die man sich denken kann“. Der Vertreter des Vereins Aufbruch Stuttgart hat die Böhm’sche Fingerübung jüngst als Argument ins Spiel gebracht, um abermals gegen die Sanierungspläne für den Littmann-Bau zu opponieren. Durch den Einbau einer Kreuzbühne wie auch durch den Abriss des Böhm-Pavillons gehe „wertvolle Bausubstanz“ verloren.

Das schreibt Lederer in einem Brief an die Kollegenschaft, um diese aufzufordern, sich für „den Erhalt von wichtigen Zeugnissen der Baukultur“ einzusetzen; Böhms hundertsten Geburtstag nimmt er für seinen Aufruf zum Anlass: „Es eilt! Ich denke, wir sind das Gottfried Böhm . . . schuldig. Den Abriss zu verhindern wäre das mindeste Geburtstagsgeschenk, mit dem die Architektenschaft, ob bauend oder schreibend, Gottfried Böhm eine kleine Freude bereiten könnte.“

Ein Neubau soll den Pavillon ersetzen

Im Umsetzungskonzept des Landesamts Vermögen und Bau für die Opernsanierung ist der Abriss des Pavillons und für Hof 3 ein Neubau vorgesehen, der als Kartenverkaufsstelle, Tagesbar und Restaurant genutzt werden soll. Der Pavillon, das Pausengedränge am Thekenrund für immer verloren? Das wäre schade. Ob es so kommt, werden die Wettbewerbsausschreibungen und deren Resultate zeigen.