Stuttgarter Prüfkonzern Corona stoppt Dekras Wachstumspläne

Von Imelda Flaig 

Der Stuttgarter Dekra-Konzern büßt erstmals nach 16 Jahren Umsatz ein und hofft auf einen Digitalisierungsschub. Stark getroffen ist vor allem die Zeitarbeit.

In der Stuttgarter Dekra-Zentrale wird angesichts der Corona-Krise die Lage täglich neu bewertet Foto: Dekra
In der Stuttgarter Dekra-Zentrale wird angesichts der Corona-Krise die Lage täglich neu bewertet Foto: Dekra

Stuttgart - Mit einer Prognose tut sich Dekra-Chef Stefan Kölbl schwer, doch geht er für dieses Jahr von Umsatz- und Ergebniseinbrüchen aus. „Wir rechnen nach 16 Jahren andauernden Wachstums dieses Jahr mit einer Unterbrechung des Wachstumskurses“, sagt Kölbl. Ob man das Jahr mit einem „blauen Auge oder wie viele andere mit starken Blessuren“ abschließen werde, hänge davon ab, wie lange der Shutdown der Wirtschaft in Deutschland und weltweit wegen der Corona-Krise noch dauere.

Im ersten Quartal 2020 ist der Umsatz des Stuttgarter Prüfkonzerns, der in 60 Ländern präsent ist, um fünf Prozent eingebrochen. „Wir hängen am Puls der Weltwirtschaft“, sagt Kölbl. Vor allem die Zeitarbeit hat unter der Corona-Krise gelitten. Ende 2019 beschäftigte Dekra 16 000 Zeitarbeiter, im ersten Quartal 2020 noch 14 700. Bis auf die Logistik- und Verteilerbranche sei der Markt nahezu zusammengebrochen. Dekra gehört zu den Top sechs Personaldienstleistern in Deutschland. Von rund 7700 Zeitarbeitern sind im Inland 4000 in Kurzarbeit, in anderen Bereichen weitere 1500 Mitarbeiter.

Einstellungsstopp in vielen Bereichen

Dekra hat auf die Krise reagiert, auch Investitionen verschoben, in vielen Bereichen Einstellungsstopp und bewertet die Lage täglich neu. Die bereits eingeführte Kurzarbeit in den Geschäftsfeldern Zeitarbeit und Training soll auf die Zentrale in Stuttgart ausgeweitet werden. Man wolle möglichst alle Mitarbeiter an Bord behalten, sagt der Dekra-Chef und versprüht Zuversicht. „Vieles wird anders sein, aber wir tun alles, um unser Haus sturmfest zu machen.“ Die persönliche und technische Sicherheit bleibe ein wichtiges Thema.

Seit Mitte März prüft Dekra in einem Speziallabor in Essen auch Atemschutzmasken, ob sie die so genannten FFP2- oder FFP3-Standards erfüllen, also vor Coronaviren Schutz bieten. Das Labor wird von Anfragen überhäuft – nicht nur aus EU-Ländern. Deshalb arbeiten die Mitarbeiter dort im Drei-Schicht-Betrieb, auch am Wochenende. „Sehr sehr viele Masken bestehen die Prüfung nicht“, sagt Dekra-Vorstand Wolfgang Linsenmaier. Bisher seine 40 neue Maskentypen zugelassen worden. Auch Beatmungsgeräte werden von Dekra geprüft.

Die Corona-Krise treibt laut Kölbl in vielen technischen Bereichen die Digitalisierung voran – angefangen von Schulungen bis zur Begutachtung von Schäden. Bewertungen seien beispielsweise aus der Ferne über Video-Telefoniesysteme möglich. „Die Notwendigkeit, persönlichen Kontakt aktuell so weit wie möglich zu vermeiden, wird die Akzeptanz von digitalen Lösungen im Markt beschleunigen“, ist sich der Dekra-Chef sicher.

Dekra-Prüfstationen sind offen

Auch bei den Hauptuntersuchungen der Fahrzeuge – Dekra ist mit weltweit 27 Millionen Fahrzeugprüfungen der größte Prüfer und hat mit 9,7 Millionen Prüfungen einen Marktanteil von 33,5 Prozent in Deutschland – müssen sich laut Kölbl Autobesitzer keine Sorgen machen. Die mehr als 500 eigenen Prüfstationen seien geöffnet und Dekra-Prüfer seien auch in Werkstätten unterwegs. Um Kunden und Mitarbeiter zu schützen, achte man auf strikte Regeln und halte Mindestabstände ein.

Im vergangenen Jahr hat der Dekra-Konzern mit seinen weltweit fast 44 000 Mitarbeitern trotz eines „anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds“ beim Umsatz um zwei Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zugelegt (ohne Zeitarbeit wäre es ein Plus von 4,5 Prozent gewesen). Der Gewinn nach Steuern sank auf 119,8 Millionen Euro (minus 11,6 Prozent), unter anderem wegen Belastungen im Geschäftsfeld Zeitarbeit.

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