Stuttgarterin des Jahres Der menschliche Faktor

Christina Scheib will nicht, dass Kranke sich ausgeliefert fühlen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Christina Scheib will nicht, dass Kranke sich ausgeliefert fühlen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Christina Scheib war 26 Jahre lang bei den Grünen Damen und Herren aktiv und weiß, wie wichtig es ist zuzuhören. Dafür wurde sie zur Stuttgarterin des Jahres gewählt, einem Ehrenamtspreis, gestiftet von der Stuttgarter Versicherungsgruppe und der Stuttgarter Zeitung.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
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Stuttgart - Es gibt sie nicht auf Krankenschein. Auch tauchen sie in keinem ärztlichen Lehrbuch auf. Und dennoch kann man ihren Anteil am Genesungsprozess wahrscheinlich gar nicht hoch genug einschätzen. Die Grünen Damen und Herren haben es sich zur Aufgabe gemacht, immer dann da zu sein, wenn niemand anders zur Stelle ist – im Krankenhaus oder im Altenheim. Ihre Hilfe ist so vielfältig wie das Leben. Sie gehen schon mal geduldig Hausschuhe kaufen und tauschen sie, wenn es sein muss, auch dreimal um. Und sie halten den Kummer der alten Heimbewohner mit aus, wenn die erwachsenen Kinder in aller Welt verstreut leben und sie die Mutter deshalb nicht oft besuchen können.

Die Frauen und Männer, die man an ihren grünen Kitteln erkennt, wollen das Therapeutikum sein, „damit niemand sich ausgeliefert fühlt“, sagt Christina Scheib. Denn man wird als einer unter vielen im großen Pflege- und Krankenhausbetrieb schnell zur Nummer, geht schon mal unter im Schichtbetrieb.

26 Jahre im Ehrenamt aktiv

Mitte des Jahres hat sie ihr Ehrenamt als Landesbeauftragte Baden-Württemberg abgegeben. Dann war die 71-Jährige 26 Jahre dabei, 13 davon als Koordinatorin der Arbeit an 84 Krankenhäusern und Heimen im Land. Und bis heute wundert sie sich voller Demut gegenüber dem Leben, „was sich der liebe Gott alles ausdenkt an Diagnosen“. Dabei ist sie nicht gerade zartbesaitet. Christina Scheib kommt aus einer Medizinerfamilie; ihr Vater war praktischer Arzt mit Hausarztpraxis in der Pfalz, sie selbst ist medizinisch-technische Assistentin, hat „im Strahlenbunker im Katharinenhospital“ gearbeitet. Da ist man einiges gewohnt; aber man weiß eben auch, was die Menschen alles aus der Bahn wirft.

An die Anfänge ihres Engagements kann sie sich noch gut erinnern. Als Mutter zweier Söhne war sie in der Nachbarschaftshilfe aktiv, als sie gefragt wurde, ob sie nicht bei den Grünen Damen mitmachen wolle. Sie hatte die notwendigen drei bis vier Stunden Zeit pro Woche, die man haben sollte – und stieg ein.




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