StZ-Klasse "Die Hauptschule war schon gut"

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Die StZ hat über Jahre hinweg eine Klasse der Keplerhauptschule in Korb begleitet. Nun stehen die Jugendlichen vor dem Abschluss.  

Elternbeirat, Rektor, Klassensprecher und Lehrer ziehen ein positives Resumee nach fünf Jahren Hauptschule. Foto: Stoppel
Elternbeirat, Rektor, Klassensprecher und Lehrer ziehen ein positives Resumee nach fünf Jahren Hauptschule. Foto: Stoppel

Stuttgart - Asya ist froh - und schaut doch ein bisschen nachdenklich in die Gegend. Das neunte Schuljahr an der Keplerhauptschule in Korb (Rems-Murr-Kreis) geht zu Ende, das Mädchen hat den Abschluss mit Bravour bestanden. Was nun? "Ein geiles Gefühl", sagt die 15-Jährige. Nach den Sommerferien werde sie weiter in die Schule gehen, aber leider nicht in Korb, sondern in Waiblingen in eine Werkrealschulklasse. Ihr Ziel ist die mittlere Reife. Wer weiß, vielleicht macht Asya eines Tages auch noch das Abitur.

Die Klassensprecherin sagt, sie würde lieber in Korb bleiben, "die Hauptschule war schon gut". Und Dennis, ebenfalls Klassensprecher, erklärt trocken: "Die Hauptschule war gar nicht schlimm." Auch der 16-Jährige hat bestanden, weiß indes noch nicht, wie es nach den Ferien weitergeht. Alle 18 Schüler der Klasse, die die StZ über die fünf Jahre in der Hauptschule begleitet hat, hätten den Abschluss geschafft, sagt der Klassenlehrer Joachim Menne. Er ist zu Recht stolz auf seine Schützlinge: Tolle Hauptschule? Zufriedene Kinder? Das gibt's doch gar nicht.

Schüler hatten das Gefühl, versagt zu haben

Rückblende, Klasse fünf: alle Schüler der Klasse wollten damals so schnell wie möglich weg. Ihr großes Ziel war die Realschule. Ein paar haben im Laufe der Schulzeit tatsächlich gewechselt. Die meisten sind geblieben, ein paar kamen hinzu. "Ich wollte eigentlich auf die Realschule." Diesen Satz hatten fast alle Kinder vor fünf Jahren gesagt. Sie hatten das Gefühl, versagt zu haben, hatten sich selbst und noch dazu ihre Eltern enttäuschst. "Nur" Hauptschule, für manche Mutter, für manchen Vater war das damals ein regelrechter Schock. Zum Beispiel für Caroline Lepore, die Mutter von Laura. Laura hat jetzt eine Lehrstelle. Und die Mutter hat sich von dem Schock längst erholt. Bereits gegen Ende der fünften Klasse bezeichnete sich die Frau selbst als "begeisterte Mutter eines Hauptschulkinds".

Nedzad Mehmedi ist der Elternvertreter der Klasse. Der 40-Jährige arbeitet als Betriebsschlosser bei Daimler, er hat vor 25 Jahren an der Keplerschule in Korb den Hauptschulabschluss gemacht. Mehmedi sagt, er sei schon immer ganz zufrieden gewesen mit der Hauptschule. Der Unterricht mit viel Projektarbeit und mit Präsentationen habe sich im Vergleich zu seiner Schulzeit deutlich verbessert. Der Elternvertreter sagt, er würde das dreigliedrige Schulsystem "so lassen, wie es ist".




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