StZ-Leserbeirat diskutiert Die neue Lust auf Statistik

Wegen der Coronapandemie trifft sich der StZ-Leserbeirat weiterhin virtuell. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Wegen der Coronapandemie trifft sich der StZ-Leserbeirat weiterhin virtuell. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Für die Parteien ist es derzeit nicht ganz einfach zu punkten, meinen die StZ-Leserbeiräte. Bei ihrem virtuellen Treffen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Spitzenkandidaten, das Thema Briefwahl und die Auswirkungen von Corona.

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Stuttgart - Statistik? Bei diesem Begriff stöhnten bisher viele Menschen auf. Doch in Zeiten der Pandemie hat so mancher sein Interesse an Daten entdeckt. Ob Zeitung oder Online-Angebot: Morgens fällt der Blick meist zuerst auf die neuen Listen, Diagramme und Grafiken zu Corona. „Die Zahlenaffinität ist durch die Krise deutlich größer geworden“, ist sich denn auch der Leserbeirat Lukas Robert sicher und fragte, ob diese Entwicklung bei der Berichterstattung unserer Redaktion über die Landtagswahl berücksichtigt werde. „Wir setzen viel Kraft in die Zahlenumsetzung“, bestätigte StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs. Vor allem am Wahlabend und nach der Wahl gehe es darum, die Leserinnen und Leser schnell, umfassend und in ansprechender Weise mit Zahlenmaterial zu versorgen. „Auch online sind dann zahlreiche Grafiken zu finden“, so Dorfs am Dienstagabend beim virtuellen Treffen der Leserbeiräte.

Landtagswahl ist Highlight

Die Landtagswahl am Sonntag, 14. März, so die einhellige Meinung der Runde, ist eines der publizistischen Highlights des Jahres. Deshalb sprachen die elf Frauen und Männer des Gremiums, das sich zweimal im Jahr zum kritischen Austausch trifft, mit Chefredakteur Dorfs sowie der StZ-Titelteamleiterin und stellvertretenden StZ-Chefredakteurin Anne Guhlich über dieses wichtige politische Großereignis. Wegen der Pandemie erneut nicht vor Ort im Pressehaus, sondern am Laptop und PC. Das klappte wie die letzten Male bestens: Kamera an, Mikro an, wenn man spricht – und aus, wenn man nicht spricht. Nach fast einem Jahr Homeoffice und digitaler Treffen ist das längst Routine.

„Seit Anfang Februar ziehen wir unter anderem thematisch Bilanz, etwa bei der Digitalisierung und der Verkehrspolitik, stellen die Spitzenkandidaten im Porträt vor, machen Faktenchecks, bieten eine achtseitige Wahl-Sonderbeilage und ein großes Digitaldossier“, stellte Anne Guhlich das umfangreiche Programm der StZ zur Wahl vor. „Ich finde es gut, wie Sie inzwischen digital aufgestellt sind“, lobte Leserbeirätin Andrea Friedel, während sich Doris Helzle und Jutta-Beate Schmidt als „absolute Printfans“ zu erkennen gaben. Bei Andreas Bauer stieß vor allem das Wort Faktencheck auf offene Ohren: „Ich bin ein Fan von Vergleichen und Gegenüberstellungen.“ Er gab zu bedenken, dass dieses Mal die Voraussetzungen etwas anders seien: „Wie ich selbst haben sicher viele Bürger ihre Entscheidung bereits per Briefwahl getroffen.“ Weshalb er die Frage nachschob, ob die StZ bei der Berichterstattung nicht noch früher hätte einsteigen sollen. „Corona setzt die Wahlkampfzyklen in der Tat etwas außer Kraft“, stimmte Guhlich zu. Durch die Briefwahl, die nun verstärkt genutzt werde, sei „schwer zu antizipieren, wer wann wählt“. Auch die Redaktion habe darüber diskutiert, ob die StZ-Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidaten am Montag, 8. März, richtig terminiert sei.

Durch Corona überlagert

Überhaupt gestalte sich der Wahlkampf schwierig: „Er ist durch Corona überlagert“, sagte der Leserbeirat Volker Hühn – eine Meinung, der alle Teilnehmer zustimmten. Die Leserbeirätin Andrea Asche befand, dass die CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann coronabedingt einen schweren Stand habe – teils unverschuldet: „Im Schulbereich wurde schon zuvor viel verschlafen.“ Leserbeirätin Cornelia Foerster teilte ihre Ansicht: „Sie hat keine gute Ausgangslage, wie derzeit jeder Kultusminister.“ Egal, was entschieden werde, einer „schreit immer“. Dann schreie er jetzt mal, warf Christoph Scharf ein, der selbst Lehrer ist: „Meinen Kollegen und mir liegt schwer im Magen, dass es aus dem Ministerium gefühlt nur Erlasse gibt, aber keine echte Unterstützung.“ Die Pandemie zeige generell, wo Deutschland Defizite habe, meinte Andreas Bauer. Und Cornelia Foerster regte an, dass „die großen Dinge, die im Argen liegen“ parteiübergreifend angegangen werden müssten.

Nächstes Treffen im Oktober

Und was hatten die Leserbeiräte zu Winfried Kretschmann zu sagen? Dass er vermutlich nicht die ganze Amtszeit Ministerpräsident bleibe, sofern der Spitzenkandidat der Grünen wiedergewählt werde. „Immerhin lässt er ja keinen Zweifel daran, dass er nicht noch mal antritt“, sagte Joachim Dorfs. Klar sei, dass es noch spannend werde – zumindest in Sachen Kretschmann-Nachfolge.

Beim nächsten Treffen des Leserbeirats, der bereits seit 2014 in immer wieder neuer Zusammensetzung diskutiert, wird bereits eine zweite Wahl, nämlich die Bundestagswahl, vorbei sein – „und da machen wir im Oktober dann eine Nachlese“, so die Teilnehmer. Zudem wird sich der Abend um ein weiteres spannendes Thema drehen: Populismus und aufgeheizte öffentliche Debatten.

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