Subway im Ditzinger Bahnhof Schnellimbiss in historischem Gemäuer?

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Wo am Bahnhof einst Fahrkarten verkauft wurden, könnte eine Filiale von Subway einziehen. Die Stadträte sind uneins darüber, ob das ihrem ursprünglichen Plan entspricht.

Das Sandsteingebäude ist  im Jahr 1868  gebaut worden. Es steht unter Denkmalschutz. Foto: factum/Jürgen Bach
Das Sandsteingebäude ist im Jahr 1868 gebaut worden. Es steht unter Denkmalschutz. Foto: factum/Jürgen Bach

Ditzingen - Wie groß ist das Risiko einer bösen Überraschung für die Stadt, wenn sie die Gestaltung einer zentralen Fläche am Bahnhof einem Investor überlässt? Wird dieser im Zweifel eher auf seine wirtschaftlichen Interessen mehr Wert legen als auf die ansehnliche Gestaltung eines denkmalgeschützten Empfangsgebäudes und dessen Umfeld? Wäre der geplante Schnellimbiss zudem gleichzusetzen mit einem Café, das sich mancher Rat vorstellte? Geht es nach dem Investor, muss sich die Stadt über all das keine Gedanken machen: Das „Ergebnis wird überzeugen, das verspreche ich Ihnen persönlich“, heißt es in einem Brief des Investors an Ulrich Bahmer (CDU). Der Bürgermeister indes gibt sich abwartend: „Schauen wir mal, ob es so wird.“

Fragen prägten die Diskussion am Montagabend im Ausschuss für Finanzen, Kultur und Soziales. Die Stadträte mussten darüber entscheiden, ob sie von ihrem Recht Gebrauch machen, das historische Empfangsgebäude zurückzukaufen. Die Entscheidung muss der Gemeinderat zum jetzigen Zeitpunkt treffen, weil der derzeitige Besitzer – ein Investor – an einen zweiten Investor für knapp eine Million Euro weiterverkauft. Weil das Gebäude in einem Sanierungsgebiet liegt, hat die Stadt nach dem Gesetz ein Vorkaufsrecht. Sie kann das Gebäude anstelle des Käufers zu denselben Konditionen erwerben.

Gelächter über eine ungewöhnliche Interpretation

Der Oberbürgermeister Michael Makurath sah das nicht so eng: „Ein Café war am Anfang die Zielvorstellung. Ein Subway ist auf neudeutsch ungefähr das gleiche. Es gibt belegte Backwaren und Kaffee.“ Man befinde sich damit also nach wie vor „näherungsweise im Zielkorridor“, zumal sich auch dieses Angebot wie vom Gemeinderat gewünscht, vorwiegend an Pendler richten würde. Der parteilose Rathauschef erntete für diese Interpretation zwar ein deutlich vernehmbares Gelächter. Letztlich folgte der Ausschuss aber dem Antrag der Verwaltung. Er empfahl dem Gemeinderat bei der Enthaltung von Dieter Schnabel (Unabhängige Bürger), das historische Empfangsgebäude nicht zu erwerben.

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Dieter Schnabel hatte die Diskussion darüber eröffnet. Er könne die Empfehlung der Verwaltung aus finanziellen Gesichtspunkten nachvollziehen, so der Fraktionschef der Unabhängigen Bürger. Gleichwohl signalisierte er grundsätzlich Offenheit für die Überlegung, das „Filetstück besonderer Art“ zu erwerben. Ähnlich argumentierte die SPD-Fraktionschefin Sabine Roth. Sei ein Investor in der Verantwortung, dem „nur am eigenen Verdienst was liegt“, so sehe sie „mit Sorge, was das mit unserer Stadt macht“.

Boardinghaus im Obergeschoss

Christdemokraten und Freie Wähler teilten die Skepsis nicht. „Ich habe nichts gegen einen Subway einzuwenden, das kann man attraktiv gestalten“, sagte etwa der CDU-Fraktionschef Sven Sautter. „Wenn durch den Käufer erreicht wird, was wir erreichen wollten, spreche ich mich deutlich gegen die Ausübung des Vorkaufsrechts aus“, sagte FW-Fraktionschef Manfred Grossmann, „da bin ich nicht so pessimistisch.“

Stimmt der Gemeinderat nächste Woche zu, will der Investor laut Bürgermeister Bahmer den Subway wohl Ende März, Anfang April im Erdgeschoss des Gebäudes eröffnen. Der Investor habe bereits acht Subwayfilialen, will diese selbst führen. Er will im Obergeschoss auch zudem ein Boardinghaus einrichten. Diese Zimmer und Apartments kann man bis zu einer Dauer von drei Monaten mieten.