Susanne Jakubowski gewählt Rat der Religionen in Stuttgart mit neuer Vorsitzender

Susanne Jakubowski Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone
Susanne Jakubowski Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Auf den muslimischen Vertreter Ali Ipek folgt beim Stuttgarter Religionsrat die Jüdin Susanne Jakubowski als Vorsitzende. Sie selbst bezeichnet sich jedoch bescheiden nur als Koordinatorin, will aber mit dem Rat „ein bisschen mehr machen“ als zuletzt.

Lokales: Martin Haar (mh)
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Stuttgart - Um den Rat der Religionen, der im Jahr 2016 an den Start gegangen war, ist es zuletzt ein wenig still geworden. Wie alle Gremien musste auch der Stuttgarter Religionsrat der Pandemie digitalen Tribut zollen. Doch nun meldet sich das Forum, in dem so gut wie alle Religionsgemeinschaften in Stuttgart an einem Tisch sitzen, eindrucksvoll zurück: nämlich mit der Wahl einer neuen Vorsitzenden. Seit Mittwochabend ist Susanne Jakubowski in diese Führungsrolle gewählt worden.

Dies gilt aus zwei Gründen als beachtenswert. Zum einen entspricht es dem Momentum in der Gesellschaft, eine Frau an die Spitze zu wählen. Zum anderen verbindet sich damit auch ein Wechsel bei den Religionen in dieser Führungsposition. Nachdem zunächst die christlichen Stadtdekane Christian Hermes (katholisch) sowie Sören Schwesig (evangelisch) und zuletzt der muslimische Vertreter Ali Ipek (Islamische Religionsgemeinschaft Ditib Württemberg) den Vorsitz innehatten, ist es nun eine Jüdin. Und dies darf in einer Zeit wachsenden Antisemitismus durchaus auch als Zeichen in die Stadtgesellschaft gewertet werden.

Nicht nur an Gedenktagen präsent sein

An der grundsätzlichen Arbeit des Rates dürfte sich indes wenig ändern. Auch schon unter Ali Ipek war es wichtig, „den regen Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Kirchen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen trotz der Pandemie und der Einschränkungen weiterzuführen“. Man habe, so Ipek weiter, „ im Rahmen der Möglichkeiten immer sehr gut mit- und zusammengearbeitet“. Ausdrücklich erwähnt er dabei auch den Part des städtischen Vertreters: namentlich Ordnungsbürgermeister Clemens Maier. Das Ziel des Rates, so meint Ipek, werde sich wohl auch in der Ägide Jakubowski nicht ändern: „Kontakt, Verständnis und Dialog der Religionen in Stuttgart untereinander und mit der Stadtgesellschaft zu fördern und zu pflegen.“

An dieser Maxime wird Susanne Jakubowski ihre zweijährige Amtszeit ausrichten. Und doch scheint es ihr nicht ganz auszureichen: „Das alles ist schön und gut. Aber am Ende sollten wir ein bisschen mehr machen.“ Nur an Gedenktagen, bestimmten Anlässen oder Feierstunden als Rat der Religionen präsent zu sein ist ihr zu wenig: „Wir müssen auch andere Gelegenheiten finden, vielleicht auch frohe, an denen die Menschen und Religionen zum gesellschaftlichen Miteinander finden. Vielleicht kann ich dazu beitragen.“

Neue Vorsitzende will Koordinatorin sein

Was sie allerdings nicht will, ist eine Überhöhung ihrer Rolle im Rat der Religionen. Und diese beginne schon mit der Definition ihrer Aufgabe: Susanne Jakubowski, das Vorstandsmitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW), will keine Vorsitzende des Religionsrates sein, sondern vielmehr eine Koordinatorin: „Ich verstehe mich nicht als Leiterin, sondern als jemand, der verbindet“, sagt sie. Sie werde daher weder als „Numero uno“ auftreten noch über die Köpfe der anderen Ratsmitglieder etwas in die Welt hinaustragen.

Mit folgenden Veranstaltungen will der Rat der Religionen demnächst den interreligiösen Dialog fördern: „Religionen – Bedroht oder Bedrohung“, Montag, 22. November, 18 Uhr, im Haus der Katholischen Kirche. Und bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Karlsplatz am Sonntag, 14. November.




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