SWR zeigt Dokumentarfilm über Friedemann Vogel Stuttgarter Tänzer erobert die Ballettwelt

Von Andrea Kachelrieß 

Ein deutscher Tänzer an der Spitze der Ballettwelt? Friedemann Vogel ist in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmetalent. Der SWR zeigt am Karfreitag einen Dokumentarfilm über den Stuttgarter Startänzer.

In Stuttgart zu Hause, in der Welt des Balletts ein Star: Der Tänzer Friedemann Vogel mit Blick auf seine Heimatstadt. Foto: SWR/Youn Sik Kim
In Stuttgart zu Hause, in der Welt des Balletts ein Star: Der Tänzer Friedemann Vogel mit Blick auf seine Heimatstadt. Foto: SWR/Youn Sik Kim

Stuttgart - Wer Friedemann Vogel tanzen sehen will, der muss sich in den Zeiten des Coronavirus und geschlossener Theater mit Konserven begnügen. Auf dem Videokanal Youtube zum Beispiel ist der Stuttgarter Startänzer gerade an der Seite von Elisa Badenes als Prinz Desiré in „Dornröschen“ zu bewundern. Das Stuttgarter Ballett hat die Inszenierung von Marcia Haydée ins Netz gestellt, um die Stuttgarter Ballettfans über die fehlenden Vorstellungen hinwegzutrösten. Knapp 40 000 Besucher hatte die online-Aufführung nach fünf Tagen, die Kommentare in fremden Lettern verraten, dass sich nicht nur Stuttgarter über dieses Angebot freuen.

Und die Fans von Friedemann Vogel haben noch mehr Grund zur Freude. Am Karfreitag zeigt der SWR ein dokumentarisches Filmporträt, das den Ausnahmetänzer an den vielen Orten seines Erfolgs zeigt, als Gast des Moskauer Bolschoi-Balletts, in Tokio und viele mehr. Friedemann Vogel, Erster Solist des Stuttgarter Balletts, hat die bedeutendsten Ballettbühnen der Welt erobert. An der Seite wichtiger Primaballerinen wie Polina Semionova begeistert er auch das Publikum jenseits seiner Heimatstadt Stuttgart.

Ein deutscher Tänzer an der Spitze der Ballettwelt? Das ist auch viele Jahrzehnte nach dem internationalen Erfolg der deutschen Ballerina Birgit Keileine absolute Rarität. Der Porträtfilm „Friedemann Vogel – Verkörperung des Tanzes“ von Katja Trautwein begleitet den Tänzer in seinem Alltag ausgehend vom Stuttgarter Ballett über Berlin, Stockholm und Moskau bis nach Tokio. Zu sehen ist die erste Lang-Dokumentation über Friedemann Vogel als TV-Premiere im SWR Fernsehen am Karfreitag, 10. April 2020, um 14 Uhr und in der ARD Mediathek.

Das Stuttgarter Ballett als Karriere-Konstante

Mit seiner eleganten, perfekten Körperlinie gelingt es Friedemann Vogel scheinbar mühelos, das Ideal des klassischen Balletts zu erreichen. Neben wichtigen Preisen und Auszeichnungen, wie die Wahl zum Tänzer des Jahres im Jahr 2010 sowie erneut 2019 bei einer Kritikerumfrage, hat ihm das Land Baden-Württemberg 2015 den Titel „Kammertänzer“ verliehen. Trotz internationalen Gastaufträgen ist der gebürtige Stuttgarter Friedemann Vogel seinen schwäbischen Wurzeln treu geblieben: Seit seinem Abschluss tanzt er beim Stuttgarter Ballett.

Die einstündige Doku begleitet den Tänzer in seinem Alltag und folgt ihm von Stuttgart in die Welt – zum Beispiel auf das internationale Parkett bei der „World Ballet Stars Gala“ in Moskau und beim „World Ballet Festival“ in Tokio. Ans Königliche Ballett in Stockholm wird Friedemann Vogel eingeladen, um die Direktionszeit von Nicolas Le Riche zu eröffnen. Nach Berlin folgt er dem Ruf seiner langjährigen Tanzpartnerin Polina Semionova zu ihrer Gala „Polina and Friends“. Wenn er nicht selbst unterwegs ist, kommt die Weltspitze zu ihm in seine Heimat. Gemeinsam mit dem Filmteam hat der kanadische Startänzer Guillaume Côté dort an der von ihm eigens für den Schwaben kreierten Choreografie „Cadavre Exquis“ gearbeitet.

Den Moment auskosten

Längst ist der Name Friedemann Vogel über die Grenzen der Ballettwelt hinaus bekannt, denn der Tänzer ist auch ein gefragtes Foto- und Modemodel. Aber auch dabei bleibt er nach eigener Aussage in erster Linie der Tänzer, der er von Anbeginn war. Mittlerweile ist er 40 Jahre alt und feierte 2019 sein 20-Jahr- Bühnenjubiläum beim Stuttgarter Ballett; für einen Tänzer ein durchaus rentenfähiges Alter. Doch Friedemann Vogel ist in Topform und denkt noch gar nicht daran, seine aktive Zeit zu beenden. Der Film folgt Friedemann Vogels Wesen im „Hier und Jetzt“ zu leben. Seine Maxime: den Moment mit voller Konzentration auskosten.

Ein Wiedersehen bietet der Film mit den ehemaligen und dem aktuellen Stuttgarter Ballettintendanten Marcia Haydée, Reid Anderson und Tamas Detrich. In weiteren Rollen: Nicolas Le Riche, Masashi Miura, Alicia Amatriain, Roberto Bolle, Léonore Baulac, Maria Eichwald, Guillaume Côté, Roman Novitzky, Volker Schlöndorff, Polina Semionova, Olga Smirnova, Macharbek Wasijew und natürlich Friedemann Vogels Lebensgefährte Thomas Lempertz.

„Friedemann Vogel – Verkörperung des Tanzes“ ist eine Koproduktion des SWR mit der Filmakademie Baden-Württemberg; Katja Trautwein legt mit diesem Beitrag ihren Diplom-/Abschlussfilm vor, den Joachim A. Lang betreut hat.




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