Tag der Deutschen Einheit Feier verdorben

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Die verkorkste Einheitsfeier von Dresden weist auf den wachsenden Rechtspopulismus und Restbestände der alten Ost-West-Spaltung hin. Und am Elbflorenz des Nordens klebt ein Makel.

Der Hass auf die Kanzlerin trat in Dresden bei Demonstranten  zu Tage. Foto: dpa-tmn
Der Hass auf die Kanzlerin trat in Dresden bei Demonstranten zu Tage. Foto: dpa-tmn

Stuttgart - Jede andere Nation wäre wohl froh und glücklich, könnte sie feiern was den Deutschen widerfahren ist: die Wiedervereinigung nach vier Jahrzehnten der Spaltung, ein prosperierendes Land, das auf dem Weg zur Vollbeschäftigung ist, das seine wirtschaftliche Stärke aus der Einbettung in die Globalisierung zieht. Aber was ist los mit diesem Land, dass nicht einmal friedlich seinen Nationalfeiertag begehen kann? Erst Sprengsätze gegen eine Moschee, dann Krakeeler und ein hasserfüllter Mob von einigen Hundert – das hat gereicht, um das Einheitsfest gründlich zu verdorben. Es ist den Wutbürgern von Dresden gelungen, die große Mehrheit von 450.000 friedlich feiernden Bürgern zu übertönen. Inwieweit die Behörden durch zu große Laxheit gegenüber den Demonstranten mit Schuld an diesem Desaster gewesen sind, das wird noch zu überprüfen sein.

Imagekampagne ohne Wirkung

Das verkorkste Fest lehrt zweierlei. Der Bodensatz an Wutbürgern und Frustrierten in dieser Republik ist nicht zu unterschätzen. Da die Montagsdemos von Dresden immer kleiner wurden, hatte man den Eindruck, dass die Pegida-Bewegung allmählich im Sande verläuft. Das ist nicht der Fall. Es scheint gerade im Osten des Landes Schichten von Enttäuschten und Abgehängten zu geben, die von der Wende – aus ihrem subjektiven Empfinden heraus – nicht profitiert haben. Die Spaltung scheint offenbar doch nicht ganz überwunden. Das nährt die Wut auf den Staat, stärkt die Rechtspopulisten. Es lässt die Menschen suchen nach Sündenböcken, möglichst Fremden. Aber solche Sympathisanten des dumpfen Rechtspopulismus finden sich auch im Westen. Die hohen Wahlsiege der Alternative für Deutschland machen dies deutlich.

Die zweite Botschaft ist, dass Imagekampagnen fruchtlos sind, wenn sie nicht vom ganzen Volk getragen sind. Der Slogan „Für ein weltoffenes Dresden“ prangt seit langem auf der Semper-Oper, eine Initiative von Kulturschaffenden wirbt für das international orientierte Dresden. Vergeblich. Das Elbflorenz des Nordens steht wegen Pegida seit geraumer Zeit symbolhaft für eine neue rechtspopulistische Bewegung. Der Makel bleibt. Am 3. Oktober ist Dresden der Stempel nochmals aufgedrückt worden.




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