Tag eins nach dem Corona-Lockdown in Stuttgart Ein fast normaler Tag im Friseursalon

Wiedereröffnung des Friseursalons von  Alexander Marquardt in Stuttgart-Untertürkheim.   Azubi Sharif Kalaji ordnet die „wilde Frisur“ von Kunde  Alexander Sattkowski Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 6 Bilder
Wiedereröffnung des Friseursalons von Alexander Marquardt in Stuttgart-Untertürkheim. Azubi Sharif Kalaji ordnet die „wilde Frisur“ von Kunde Alexander Sattkowski Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Am Montag durften Friseure wieder öffnen. Große Haarkatastrophen musste Friseurmeister Alexander Marquardt in Stuttgart-Untertürkheim dabei nicht bekämpfen, dennoch blickt das Team am Ende auf einen etwas anderen Tag zurück.

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Stuttgart - Waschen, schneiden, föhnen. Endlich ist es wieder soweit, Friseurmeister Alexander Marquardt öffnet am Montag, den 1. März um kurz vor acht Uhr gut gelaunt seinen Salon an der Widdersteinstraße in Stuttgart-Untertürkheim. Dass heute ein etwas anderer Montag ist, zeigt ein Blick in den Terminkalender. Der ist bis nach zehn Uhr gefüllt. „Heute ist wirklich alles dabei“, erklärt er den Tagesablauf. Und auch der Arbeitsbeginn ist nicht so wie immer. Denn schon eine Minute nach Mitternacht habe er das Ende des Lockdowns mit einem neuen Haarschnitt eingeläutet: „Das war hauptsächlich für Instagram und Facebook“, berichtet er. Und auch die Frisuren der Kunden würden heute sicherlich etwas anders aussehen als sonst üblich. „Ich rechne schon mit einigen Haarsünden. Es hat sich schon beim ersten Lockdown gezeigt, dass viele dann doch selbst Hand angelegt haben“, sagt Marquardt.

Peter Sattkowski kommt normalerweise alle sechs Wochen

Für eine der ersten Kundinnen an diesem Tag kommt dieses Vorgehen allerdings nicht in Frage. Maike Pfuderer, die zum Waschen, Schneiden und Föhnen gekommen ist, hat gute Gründe nicht selbst zur Schere zu greifen: „Ich habe Achtung vor jedem Handwerk und mache nichts, was ich nicht kann“, sagt sie. Trotzdem nimmt sie heute nicht das ganze Programm des Salons in Anspruch: „Farbe lasse ich heute nicht machen. Das dauert ja viel länger und ich möchte, dass auch andere in den Genuss eines Termins kommen,“ so Pfuderer.

 

Einer der Kunden, die ihre Farbe erneuern lassen möchten, ist Peter Sattkowski. Er kommt normalerweise alle sechs Wochen in Marquardts Salon. Nun war er seit fast drei Monaten nicht mehr da und bezeichnet seine Frisur, die er unter einer Schirmmütze versteckt, als „wild“. Dass er heute einer der ersten ist, ist dabei eher Zufall: „Ich habe per Click and Collect Shampoo gekauft und dann spaßeshalber einen Termin für den 1. März ausgemacht“, sagt er. Umso größer war bei ihm die Freude, dass der Termin nun wirklich stattfindet und er seine Haarfarbe erneuern lassen kann. Beim Auftrag der Farbe – einem kräftigen Kupferton – wird Marquardt von seinem Auszubildenden Sharif Kalaji unterstützt. Der 25-Jährige ist froh, wieder am Kunden arbeiten zu können. Auch wenn er in den vergangenen Wochen trotz Schließung häufiger im Laden stand, um für seine baldige Zwischenprüfung zu üben: „Ich habe viel an Puppenköpfen geübt. Ausfrisieren und Dauerwelle zum Beispiel“, erzählt er.

Der Friseur ist happy

Froh ist am Nachmittag aber natürlich nicht nur Kalaji und die Kunden, sondern das ganze Team im Untertürkheimer Salon. „Ich bin wirklich happy. Ich merke auch, dass mir die kreative Arbeit wirklich am meisten gefehlt hat“, so Marquardt. Und auch Frisuren, die er hätte retten müssen, gab es bis zum Nachmittag keine. Nur etwas länger als sonst habe er für manche Kunden gebraucht, da deren Haare einfach mittlerweile sehr lang geworden seien.




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