Tag gegen Gewalt an Frauen Jeder kennt eine Frau, der es passiert ist

Dass Männer ihre Hand gegen ihre Partnerin erheben und zuschlagen, das kommt laut Statistik sehr oft vor. Jeder dürfte jemanden kennen, dem das schon passiert ist. Der internationale Gedenktag am 25. November soll auf das Tabuthema aufmerksam machen.

Im vergangenen Jahr musste die Polizei im Landkreis Esslingen beinahe täglich Konflikte um häusliche Gewalt lösen. Foto: dpa/Bernd Weißbrod
Im vergangenen Jahr musste die Polizei im Landkreis Esslingen beinahe täglich Konflikte um häusliche Gewalt lösen. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Filder - Jede vierte Frau in Deutschland hat laut Studien mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in der Partnerschaft erlebt. Im Landkreis Esslingen musste die Polizei 2018 nahezu täglich ausrücken, um Konflikte um häusliche Gewalt zu lösen. Jedes Jahr werden rund 120 Wohnungsverweise ausgesprochen.

„Mich beschäftigt das Thema Gewalt gegen Frauen schon lange“, sagt Susanne Omran. Sie ist die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Filderstadt und Leiterin des Referats für Chancengleichheit. „Auch seit der Metoo-Debatte wird das Thema in vielen Fällen an die Öffentlichkeit getragen und ist stark in der Debatte.“ Besonders die Statistik erschüttert Omran: „Wenn jede vierte Frau betroffen ist, dann heißt das ja, dass wir alle jemanden kennen, der betroffen ist. Da müssen wir uns auch als Kommune fragen: Was können wir tun?“ Am schlimmsten, so Omran, sei es in jedem Fall, nichts zu machen und nichts zu sagen.

Selbstverteidigung und Selbstbehauptung

Darum hat sie für die Tage rund um den Gedenktag am 25. November ein Programm auf die Beine gestellt. Dazu gehören auch Workshops zur Gewaltprävention für Mädchen und Jungen, an denen drei Schulen teilnehmen. Am Freitag, 22. November, wird bei der Realschule Seefälle eine besondere Flagge gehisst: Jedes Jahr zum 25. November gestaltet der Berliner Verein „Terre des femmes“, der sich für Frauenrechte einsetzt, ein neues Flaggenmotiv. Diese Flagge wird dann in den Städten und Gemeinden, die sich beteiligen wollen, gehisst. Zur Fahnenhissung um 12.30 Uhr spricht Oberbürgermeister Christoph Traub ein Grußwort, außerdem spricht Thomas Dreher, der Schulleiter der Realschule Seefälle.

Von der Theorie zur Praxis geht es bei dem Workshop, der am Samstag, 23. November, auf dem Programm steht; es ist ein Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurs für Frauen. Unter dem Motto „Angst lähmt – Mut befreit“ macht die Trainerin Renate Rommel Übungen, Rollenspiele und mentales Training mit den Teilnehmerinnen. „Dieser Workshop ist ein Versuch“, sagt Susanne Omran. „Wir wollen schauen, ob der Bedarf da ist, die Frauen das annehmen, und ob ein solches Angebot helfen kann.“

Auch der Verein „Frauen helfen Frauen Filder“ möchte ein Zeichen setzen. Gemeinsam mit dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt auf den Fildern, ein Zusammenschluss von Einrichtungen, die zu diesem Thema zusammenarbeiten, beispielsweise Polizei, Beratungsstellen und soziale Dienste, wird eine Aktion organisiert: Am Montag, 25. November, beginnt um 8 Uhr „Wir stehen... gegen häusliche Gewalt“. Treffpunkt ist an der Echterdinger Straße in Bernhausen. Sieben Plakate werden am Straßenrand aufgestellt, die ein Statement gegen häusliche Gewalt abgeben (siehe auch Text unten).

Beratungsstellen „chronisch unterfinanziert“

In der Stadt Stuttgart musste die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 751-mal wegen häuslicher Gewalt eingreifen. Schätzungen zufolge seien Frauen und Männer in rund 18 000 Stuttgarter Haushalten von häuslicher Gewalt betroffen. Ähnlich des Runden Tisches in den Filderkommunen gibt es in Stuttgart die „Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt“ (Stop), in der Institutionen und Beratungsstellen zusammengeschlossen sind. In der Landeshauptstadt wird zum 25. November ebenfalls die „Terre des femmes“-Fahne gehisst – an der Ecke Königstraße/Bolzstraße.

Zwar gibt es viele Hilfsangebote und Beratungsstellen für Betroffene. Letztere seien aber meist chronisch unterfinanziert, sagt Luam Okbamicael, eine Beraterin im Fraueninformationszentrum Stuttgart (FIZ). Das FIZ, wo Zwangsprostituierten genauso geholfen wird wie Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden, kann nicht mehr allen Anfragen nachkommen und muss mittlerweile einige Hilfesuchende abweisen. „Wir entscheiden nach Dringlichkeit“, sagt Okbamicael.

Der Kurs „Angst lähmt – Mut befreit!“ ist am Samstag, 23. November 2019, von 11 bis 18 Uhr, in Zimmer 211, Martinstraße 5, Bernhausen. Die Teilnahme ist kostenlos. Wer mitmachen will, muss sich unter der Nummer 0711/7003 343 anmelden. Sportliche Fähigkeiten werden nicht vorausgesetzt, man sollte sportliche Kleidung, trittsichere Schuhe sowie eine Matte als Unterlage mitbringen, sowie Getränke und Verpflegung für die Pausen.




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