InterviewTalk im Linden-Museum Stuttgart Vernünftig reisen – geht das?

Die meisten Reisenden der Welt sind weiß. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die meisten Reisenden der Welt sind weiß. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Ökologischer Fußabdruck und Ausbeutung – Reisen ist in Verruf geraten. Deshalb fragt das Linden-Museum Stuttgart bei einer „DigiTour“, ob das auch besser geht.

Kultur: Adrienne Braun (adr)
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Stuttgart - Reisen genießt nicht den besten Ruf. Mike Schattschneider, der Leiter der Museumsvermittlung, erklärt, warum das Linden-Museum Stuttgart das Thema aufgreift.

Herr Schattschneider, Sie laden zum Gespräch über selbstkritisches, bewusstes Reisen ein. Das klingt nach Schwarzwald mit dem Rad. Müssen wir uns von allem anderen verabschieden?

Nein, es geht eher darum, die Art, wie wir reisen, kritisch zu hinterfragen. Wir laden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein zu reflektieren, warum reise ich wohin? Möchte ich wirklich die Menschen vor Ort kennenlernen oder nur von den Touri-Sachen ein Foto machen? Gibt es eine Verbindung vom Tourismus zum Kolonialismus?

Und, gibt es die?

Es fängt an mit den klassischen Reiseprospekten: Werden Menschen da exotisiert dargestellt – also ist eine „afrikanische Schönheit vor der Palme“ zu sehen? Es gibt viele Klischees, die ihren Ursprung im Kolonialismus haben und dabei Menschen unterschiedlich und stereotypisch darstellen. Die Tourismusbranche wirbt massiv mit der Idee des Exotischen.

Gibt es weiße Privilegien des Reisens?

Absolut. Auch andere Länder erleben zwar einen wirtschaftlichen Aufschwung, aber wenn Sie sich den Tourismus anschauen, sind es vor allem Europäer und Nordamerikaner, die viel reisen und auch die klassischen Reisen machen wie Safari in Afrika oder Kreuzfahrt rund um Asien.

Will die „DigiTour“ uns ein schlechtes Gewissen machen?

Überhaupt nicht. Es geht um einen Dialog. Wir möchten unterschiedliche Menschen einladen, ihre Erfahrungen auszutauschen und zu erzählen, was ihre Erwartungshaltung ist. Wir kooperieren bei dem Format mit der Uni Konstanz und wollen versuchen, dabei den touristischen Aspekt aufzugreifen: Wie arbeitet diese Branche, und mit welchen Bildern und Assoziationen wird gespielt?

„DigiTour“, 23. September, 19 Uhr, unter https://zoom.us/j/98732214409




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