Tanzsport Präsidentin inmitten der farbigen Pracht

Heidi Estlerist begeistert vom Zusammenspiel  aus Eleganz und Hochleistungssport, das die Tänzer auf das Parkett bringen. Foto: Nicole Lemberg
Heidi Estlerist begeistert vom Zusammenspiel aus Eleganz und Hochleistungssport, das die Tänzer auf das Parkett bringen. Foto: Nicole Lemberg

Heidi Estler aus Schmiden geht beim Deutschen Tanzsportverband voran und ist derzeit in der Stuttgarter Liederhalle beim weltgrößten Turnier gefordert. In ihrer kürzlich begonnenen zweiten Amtszeit will die 54-Jährige einige Projekte angehen.

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Stuttgart/Schmiden - Es ist eine lange Woche für Heidi Estler. Einmal im Jahr verwandelt sich Stuttgart in den Mittelpunkt der Tanzwelt. Als Präsidentin des Deutschen Tanzsportverbands (DTV) ist sie schon seit Sonntag in der Liederhalle für die German Open Championships (GOC) unterwegs. Trotzdem strahlt die Schmidenerin. „Es gibt viel zu tun, aber ich freue mich.“

Das größte Tanzturnier der Welt findet derzeit bereits zum 15. Mal in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs statt. Seit Dienstag und noch bis Samstag können Amateure und Profis aller Altersklassen ihr Können auf dem Parkett unter Beweis stellen. Heidi Estler war bereits bei den Anfängen mit dabei. Sie freut sich, wie sich die Veranstaltung entwickelt hat. „Es kommen mittlerweile viel mehr neugierige Zuschauer in die Liederhalle, die nichts mit dem Tanzsport zu tun haben“, sagt die Präsidentin. „Das Turnier bringt Leben in die Stadt.“ Bevor sie das DTV-Präsidium unterstützte, hatte sie maßgeblich an der Organisation der GOC mitgewirkt. Jetzt fungiert die 54-Jährige vor allem als Ansprechpartnerin für die verschiedenen Verbände und steht zudem als Moderatorin auf der Bühne.

Parallel zu eigenen Einsätzen engagierte sich Heidi Estler früh abseits der Tanzfläche

Die in Langenau geborene Heidi Estler hat schon früh ihre Leidenschaft entdeckt. Angefangen mit Ballett und Tanzkursen entwickelte sich während des Studiums ihr Interesse am professionellen Tanzsport. Für den TSC Astoria Tübingen trat sie zwischen 1993 und 1996 in der ersten Bundesliga an und stand dreimal im Finale der deutschen Formationsmeisterschaften. Ihren Ehemann Thomas Estler lernte die Verwaltungswirtin beim Sport kennen. Gemeinsam erreichten sie im Standard- und Lateintanz die höchste nationale Kategorie, die S-Klasse. Später folgte der Umzug nach Schmiden.

Parallel zu eigenen Einsätzen engagierte sich Heidi Estler früh abseits der Tanzfläche. Seit 1994 ist sie lizenzierte B-Trainerin und Wertungsrichterin der S-Klasse. Von 2006 an unterstützte sie als Pressesprecherin den DTV, ehe sie 2010 Vizepräsidentin wurde und vier Jahre später anstelle von Franz Allert die Spitzenposition übernahm. Die sportliche Laufbahn rückte nach der Geburt von Tochter Nina 2001 zunehmend in den Hintergrund. Die Faszination für den Tanzsport aber blieb. „Es ist diese Kombination aus Eleganz und Hochleistungssport, die das Profitanzen so interessant macht“, sagt Heidi Estler. „Während man anderen Sportlern die Anstrengung im Gesicht ansieht, scheinen Tänzer alles mit Leichtigkeit zu meistern. Das ist aber natürlich nicht so.“ In den vergangenen Jahren hat der Tanzsport auch aufgrund von Fernsehsendungen wie „Let’s Dance“ an Aufmerksamkeit gewonnen. „Tanzen ist zwar immer noch eine Randsportart, aber die Anerkennung von außen hat sich dadurch auf jeden Fall weiterentwickelt.“

Im Juni wurde Heidi Estler für vier weitere Jahre als oberste Tänzerin im DTV gewählt

Trotz der langen Tage sind die GOC ein Höhepunkt für Heidi Estler. „Das Schönste daran ist, all die Leute wiederzusehen, die man sonst nur selten trifft.“ Auf dem Weg durch die Liederhalle macht die Präsidentin immer wieder Halt, schüttelt Hände und begrüßt alte Bekannte. Die Tänzerinnen in ihren farbenprächtigen Kleidern machen sich gemeinsam mit ihren Partnern im Foyer warm. Überall in der Halle glitzert und funkelt es. Die GOC sind ein internationaler Treffpunkt für Tanzbegeisterte. Insgesamt knapp 5000 Paare aus 60 Nationen gehen bei den Wettbewerben an den Start. 550 ehrenamtliche Helfer sind für das Großereignis in Stuttgart nötig. Auch Ehemann Thomas und Tochter Nina sind eingespannt. „Für mich als Präsidentin ist es sehr wichtig, dass wir ehrenamtliche Helfer aus allen Landesverbänden zusammenbringen“, sagt Heidi Estler. „Ohne diese wäre so eine Veranstaltung überhaupt nicht möglich.“

Im Juni wurde Heidi Estler für vier weitere Jahre als oberste Tänzerin im DTV gewählt. Auch in ihrer zweiten Amtszeit an der Spitze möchte sie die Kooperation der regionalen Vertretungen stärken. „Wir müssen weiter gemeinsam arbeiten, um das Niveau zu halten und es weiter auszubauen. Vor allem der Nachwuchs muss noch mehr gefördert werden.“ 2021 steht dem Deutschen Tanzsportverband zudem ein großes Jubiläum bevor. Für den 100. Geburtstag möchten Heidi Estler und ihre Mitstreiter etwas Besonderes auf die Beine stellen. „Da lassen wir uns etwas Schönes einfallen“, sagt die 54-Jährige. „Doch jetzt genieße ich erst einmal noch die GOC.“




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