„Tatort“-Kritik Der Wind fegt über die Dünen

Von adr 

Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) wollte eigentlich Urlaub auf der Nordseeinsel machen, aber wie es so kommt, ist er selbst in den Fall verstrickt. Der NDR-„Tatort“ „Mord auf Langeoog“ ist stimmungsvoll, verliert aber seine Motive aus dem Blick. Schade eigentlich.

Ermittlungen in der Natur: Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller). Foto: ARD 17 Bilder
Ermittlungen in der Natur: Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller). Foto: ARD

Stuttgart - Die Szene hätte ihr vermutlich gefallen: Zwölf Stiche in die Bauchregion, das hochgerutschte T-Shirt blutgetränkt, die Hose geöffnet. Aber leider ist Bella selbst die Tote, die da bleich in den Dünen liegt. Neben ihr kauert verstört Florian, den sie so gern in Todesszenen fotografierte – am Strick erhängt, erstochen in der Badewanne. „Ganz schön morbide“, sagt die Kommissarin Katharina Lorenz.

Aber die abgründige Beziehung zwischen der Todesfetischistin und dem jungen Felix (Leonard Carow) ist nur eines von vielen Details, die der NDR-Tatort „Mord auf Langeoog“ anreißt, um sie doch aus dem Auge zu verlieren. Eigentlich wollte Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) ein paar Tage Urlaub auf der Insel machen, aber wie so oft beim „Tatort“ ist er selbst in den Fall verstrickt. Er wohnt bei Freunden, Felix ist der kleine Bruder seiner Gastgeberin und so verstört, dass für die Polizei vor Ort außer Frage steht: Er ist der Täter.

Das Bauchgefühl des Kommissars

Sein Bauchgefühl sagt Falke dagegen: „Florian war das nicht“ – und so funken er und Lorenz den Kollegen in die Arbeit, kooperieren hier, ermitteln dort auf eigene Faust, spüren einen KO-Tropfen-Dealer auf, einen zwielichtigen Kapitän und einen früheren Mörder, sind zur Stelle, als Florian flüchtet, im Meer ertrunken sein könnte – und doch wieder auftaucht. Langeoog liefert eine unwirkliche Kulisse, unheimlich fegt der Wind über die Dünen – und auch die Handvoll Bewohner wirkt nicht allzu vertrauenserweckend. Am Ende ging es aber doch nur ums Geld – und werden kurzerhand allerhand diffuse Verbindungen zwischen den Figuren konstruiert, die nicht überzeugen und dramaturgisch auch nicht vorbereitet wurden. Kein allzu raffinierter Tatort, eher ein bisschen müde wie der Kommissar, der doch so dringend Urlaub gebraucht hätte.