Tatort-Kritik: „Sternschnuppe“ Hoch hinaus und rasch verglüht

Szene aus dem Wien-Tatort „Sternschnuppe“. Weitere Eindrücke zeigt die Fotostrecke. Foto: ARD Degeto 7 Bilder
Szene aus dem Wien-Tatort „Sternschnuppe“. Weitere Eindrücke zeigt die Fotostrecke. Foto: ARD Degeto

Im Wiener „Tatort“ wird ein skrupelloser Musikmanager ermordet. Das Sujet könnte origineller sein, doch die Ermittler nehmen sich ihm süffisant und angenehm unaufgeregt an.

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Stuttgart - Man hat es ja geahnt: Im Showbusiness tummeln sich fast ausschließlich Typen, die von krankhaftem Ehrgeiz angetrieben sind und moralische Prinzipien nur vom Hörensagen kennen. In besonderem Maße gilt dies für den Teil der Branche, der sich auf die Fernsehunterhaltung spezialisiert hat – jedenfalls legt das der neue Wiener „Tatort“ nahe. In diesem untersuchen Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) den Fall eines toten Musikmanagers, der eben noch Chefjuror einer TV-Castingshow namens „Sing your Song“ gewesen ist, nun allerdings stranguliert in seinem Appartement gefunden wird. Das Delikate daran: der tote Mann ist nackt und es waren Lederartikel im Spiel, sodass leicht zu erahnen ist, dass hier eine eigenwillige Sexualpraktik ziemlich schief gelaufen ist.

Eigentliches Thema dieses Krimis ist indes der Traum vom schnellen Ruhm, den Castingsshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ skrupellos ausbeuten. Das ist nicht unbedingt ein besonders originelles Sujet, der Film nimmt sich diesem aber angenehm unaufgeregt und mit einer verspielten Süffisanz an. In der ersten Hälfte stechen vor allem die übersexualisierten (aber bisweilen etwas bemühten) Wortgefechte hervor, die sich Eisner und Fellner liefern. Später dann wird deutlich, dass hier alle Rollen hervorragend besetzt wurden. So sieht etwa Rafael Haider, der den aussichtsreichen Showkandidaten Aris spielt, exakt so aus, wie die Retortenpopstars aus dem Privatfernsehen nun mal aussehen. Humoristischer Höhepunkt des Films ist ein Auftritt der schon jung gescheiterten Sängerin Vera Sailer (Sabrina Rupp) im Kinderland eines Kaufhauses – eine geradezu verstörende Szene, aus der ein gesundes Maß an Zynismus spricht.




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