Telefonzellen im Stuttgarter Norden Die Telekom baut weitere öffentliche Telefone ab

Von Martin Braun 

Drei öffentliche Telefone gibt es noch in Stuttgart-Botnang, zwei davon möchte die Telekom abbauen, weil sie nach Angaben des Unternehmens unwirtschaftlich sind. Auch in anderen Bezirken ist ein Rückbau geplant. Bereits vor zwei Jahren wurden in Stuttgart 74 von rund 310 Telefonzellen abgebaut.

Die Telekom möchte das Telefon an der Leharstraße abbauen, der Bezirksbeirat würde es gerne erhalten. Foto: Martin Braun
Die Telekom möchte das Telefon an der Leharstraße abbauen, der Bezirksbeirat würde es gerne erhalten. Foto: Martin Braun

Stuttgarter Norden - Drei öffentliche Telefone gibt es in Botnang derzeit. Noch. Denn die Telekom plant, zwei der drei Standorte aufzugeben: an der Flotow- und an der Leharstraße. Auch in anderen Stadtbezirken sollen Geräte abgebaut werden. Wo genau, will die Telekom nicht sagen. „Sollten wir in Ihrem Verbreitungsgebiet einen Abbau von Telefonzellen planen, weiß die Kommune Bescheid und kann Details (zum Beispiel Straßennamen) zur Verfügung stellen“, teilt Markus Jodl, Sprecher des Kommunikationsunternehmens, mit.

Doch auch die Stadt ist nicht viel kommunikativer: Da man vermeiden wolle, dass die Bezirksbeiräte die betroffenen Standorte aus der Presse erfahren, werden die Straßennamen momentan nicht bekannt gegeben, teilt die städtische Pressestelle mit. Zudem sei der Rückbau noch nicht beschlossen. Entschieden werde darüber nach Gesprächen mit den jeweiligen Bezirksbeiräten sowie – je nach Standort – Vertretern von Tiefbau-, Stadtplanungs- oder Garten-, Friedhofs- und Forstamt.

In jedem Stadtbezirk muss ein öffentliches Telefon stehen

Die Telekom habe sich verpflichtet, in jedem Stadtteil mindestens ein öffentliches Telefon zu betreiben, sagt Martin Thronberens, Pressesprecher der Stadt. Zudem dürfe das Unternehmen die Geräte nur im Einvernehmen mit der Stadt abbauen. Das Telekommunikationsgesetz sieht in Paragraf 78 eine „flächendeckende Bereitstellung von öffentlichen Münz- oder Kartentelefonen oder anderer Zugangspunkte für den öffentlichen Sprachtelefondienst an allgemeinen und jederzeit für jedermann zugänglichen Standorten entsprechend dem allgemeinen Bedarf“ vor.

Die Telekom dürfe Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen, wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro pro Monat stehen, erklärt Markus Jodl. Der Umsatz sei ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr bestehe, sagt der Unternehmenssprecher: „Der Kunde ist der Architekt des Telefonzellen-Netzes.“

Der Bezirksbeirat will in Botnang zwei Standorte erhalten

Vor zwei Jahren hat die Telekom zuletzt öffentliche Telefone in Stuttgart abgebaut, 74 Geräte waren damals betroffen. Dieser Rückbau habe aber leider keinen positiven Einfluss auf die verbliebenen Standorte gehabt, teilte die Telekom der Stadt mit. Deswegen sei für 2016 und 2017 ein weiterer Rückbau vorgesehen. Momentan stehen nach Angaben der Stadt stuttgartweit noch rund 240 öffentliche Telefone; zur Jahrtausendwende hat es im Stadtgebiet noch 850 Standorte gegeben.

„Dass die Dinger sich nicht mehr tragen, kann ich verstehen“, sagte der Botnanger Bezirksvorsteher Wolfgang Stierle, als sich der dortige Bezirksbeirat mit dem Thema beschäftigte. Schließlich habe heutzutage fast jeder ein Handy bei sich. Mit dem Abbau des Geräts an der Flotowstraße fanden sich die Bezirksbeiräte dann auch ab. Der Standort Lehar­straße solle aber erhalten bleiben, befand das Gremium einstimmig, nicht zuletzt weil dort in den Hochhäusern viele ältere Menschen leben. „Wir sollten die Gegend nicht ausbluten lassen“, meinte Stierle. Übrigens: Das dritte öffentliche Telefon in Botnang, das Gerät an der Griegstraße, ist schon abgebaut – allerdings nur für die Dauer der Bauarbeiten dort.

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